Australien

»Action, Action, Action« im Dschungel

Gil Ofarim Foto: picture alliance / BoKo pictures

RTL greift durch! »Über 80 Verstöße im Dschungelcamp!« titelt der Sender auf seiner Website. »Jetzt müssen die Luxusartikel weg«.

Die B-Promis, die mit dem Privatsender einen Aufenthalt im Dschungelcamp vereinbart haben, müssen sich an bestimmte Regeln halten, die ihnen aufgedrückt wurden. So ist es ihnen etwa verboten, am Tag zu schlafen — eine Regel, die eher an eine Haftanstalt erinnert. Oder es ist ihnen verboten, Zigaretten weiterzureichen — so etwas gibt es noch nicht einmal im Knast.

Die Begründung für diese Regeln dürften sich vor allem aus den Erfordernissen ergeben, die die Regie für ein Primetime-Erfolgsprodukt sieht: keine Langeweile, keine privaten Absprachen, kein Ausruhen, sondern Action, Action, Action.

Vorschriften ohne Selbstzweck

Allzu sehr braucht das niemanden zu jucken, denn dies sind schließlich die Regeln der Branche, der sich die Promis freiwillig unterworfen haben. Entsprechend akzeptieren die versammelten Stars in diesem Dschungelcamp auch die verhängte Strafe, die ihnen per Brief mitgeteilt wurde, den Samira verlesen hat. Dass aus unserem geregelten Alltagsleben  bekannte Institute wie etwa eine Rechtsmittelbelehrung hier nicht greifen, dürfte klar sein. Die haben ja keine Action-Action-Action.

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Die Begründung, mit der der Sender die seine von ihm selbst irgendwann erfundenen Regeln verteidigt, ist irritierend: »Die Vorschriften im Dschungelcamp sind kein Selbstzweck«, wird da tolldreist behauptet. »Sie sollen die Sicherheit der Stars gewährleisten, das empfindliche Ökosystem schützen und einen fairen Ablauf des Camp-Alltags sicherstellen.«

Die »Sicherheit der Stars« dürfte wohl schon dadurch gewährleistet sein, dass jede Menge Kameras auf sie gerichtet sind und schon bei jeder sich dem Camp nähernden Schlange ein Ranger angerannt kommt und diese einfängt. Das »empfindliche Ökosystem« hat bestimmt nicht darauf gewartet, dass ein riesiges Fernsehteam in ihm ein Freiluftstudio aufbaut und B-Promis zum Schutz des australischen Urwalds das Schlafen verbietet. Und warum der »faire Ablauf des Camp-Alltags« in Gefahr ist, wenn ein Camper einem anderen eine Zigarette schenkt, dürfte zu den ganz großen Geheimnissen dieser Show gehören.

Duschgel im Dschungel

Das Regelwerk, das der Sender seinen aufmerksamkeitsheischenden Promis verordnet hat, ist in Wirklichkeit bloß ein Regulativ, um die Dramaturgie spannend zu halten. Jetzt, wo sich in diesem Camp sogar Ariel und Gil unterhalten, wo die umstrittene Eva vor ihrer Rauswahl plötzlich Sympathiepunkte sammeln konnte, und , wo Simone so gut kocht, dass alle begeistert sind und keiner brüllt, dass er den Fraß nicht mehr aushält, da glaubt RTL handeln zu müssen.

Zumal der Dschungelshow ab jetzt Konkurrenz in Form von Winterolympia droht und doch schon die Handball-EM gezeigt hat, dass dieser unberechenbare Sport schnell mal die sicherste Einschaltquotenbank bedrohen kann. 

Die Idee, die Camp-Insassen zu drangsalieren, ist da eine ziemlich naheliegende. Selbstverständlich ist, als Samira einfach in den kleinen Weiher stieg und sich dort einseifte, nicht der Dschungel zum Duschgel geworden, das Gewässer ist nicht gekippt. Aber die Sendeverantwortlichen erblickten ihre Chance, Konflikte zu schüren, die sich gegen eine einzelne Person richten. Tolle Idee.

Ausziehen musste übrigens Hardy.

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