Er gilt als ein unermüdlicher Botschafter für Musik, Frieden und Menschlichkeit. Gleich mehrere namhafte Orchester hat er als Dirigent geleitet, darunter die New Yorker Philharmoniker und das Israel Philharmonic Orchestra. Nichts halte ihn so jung wie die Musik, sagte er einmal. Am 29. April feiert der indische Dirigent Zubin Mehta seinen 90. Geburtstag.
Der in Mumbai (früher: Bombay) geborene Mehta ist sehr beliebt - bei Musikerinnen und Musikern ebenso wie beim Publikum. »Wenn er den Probenraum betritt, schwappt ihm eine Welle der Sympathie entgegen«, sagt Annette Zühlke, die musikalische Direktorin der Bayerischen Staatsoper, wo Mehta bis 2006 Generalmusikdirektor war.
Das liege wohl auch daran, dass er seinem Gegenüber »mit Wohlwollen begegnet«, ergänzt Zühlke. Zudem habe er eine »ganz besondere Menschenkenntnis«. Sie betont: »Für ihn steht stets das Menschliche im Mittelpunkt.« Musik nutze er als »Sprache des Friedens«.
»Miteinander auf Augenhöhe«
Mehta pflegt unter anderem eine enge Verbindung mit dem Bayerischen Staatsorchester in München. Ende Mai wird er dort zu einem Geburtstagskonzert erwartet. Bereits am 3. Mai gibt der Jubilar ein Konzert mit der Staatskapelle Berlin. Auch bei diesem Orchester, das er 1995 erstmals dirigierte, ist er seit Jahren immer wieder zu Gast.
Der Chefdramaturg der Berliner Staatsoper Unter den Linden, Detlef Giese, sagt: »Zubin Mehta praktiziert mit der Staatskapelle Berlin ein Miteinander auf Augenhöhe.« Er sei ein »sehr warmherziger und zugewandter Dirigent«.
Seine Wertschätzung bringt auch der Soloklarinettist der Berliner Staatskapelle, Matthias Glander, zum Ausdruck: Mehta sei »ein genialer Musiker mit Herz und Verstand, von einer großen überwältigenden Menschlichkeit.« Der Dirigent sei eine »ganz edle Persönlichkeit im besten Sinne, er ist so, wie man sich einen Sir vorstellt: immer höflich, aber durchaus bestimmt.«
Klavier, Komposition und Kontrabass
Seine erste musikalische Bildung erhielt der 1936 geborene Mehta von seinem Vater Mehli Mehta, Gründer des Sinfonieorchesters Bombay und Geigenvirtuose. Nach einem kurzen Vorstudium der Medizin in seiner Heimat ging er mit 18 Jahren nach Wien, studierte dort zunächst Klavier, Komposition und Kontrabass. Schließlich nahm Zubin Mehta ein Dirigierstudium an der Akademie für Musik bei Hans Swarowsky auf.
Mit nicht einmal 30 Jahren dirigierte er bereits die Wiener, Berliner und Israelischen Philharmoniker. Es folgte eine außergewöhnliche Karriere: Mehta war Musikdirektor des Montreal Symphony Orchestra sowie Chefdirigent beim Los Angeles Philharmonic.
Danach folgte er 1978 als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker auf Pierre Boulez (1925-2016), eine Position, die er von 1977 bis 2019 auch beim Israel Philharmonic Orchestra innehatte. Nach seiner Zeit als Generalmusikdirektor war er bis 2017 Chefdirigent des Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino in Florenz.
Freundschaft mit Barenboim
Mehta ist Mitglied der religiösen Minderheit der Parsen, die sich auf die Lehren des persischen Priesters und Philosophen Zarathustra beruft. Er ist seit 1969 in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Nancy Kovack verheiratet. Aus einer ersten Ehe mit Carmen Lasky hat er zwei Kinder. Eine enge Freundschaft verbindet ihn mit dem Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim.
Der scheinbar ruhelose Mehta braucht nach eigenen Aussagen keine Ferien - aber die Musik. Er ist vielfach ausgezeichnet worden. Im Oktober 2008 wurde er von der japanischen Kaiserfamilie mit dem »Praemium Imperiale« für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Kunst oder Kultur geehrt.
Der Dirigent erhielt zudem den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, den »Tagore-Preis für kulturelle Harmonie« der indischen Regierung und den Titel Ehrenmitglied des »Order of Australia« der australischen Regierung. Auch ein Stern auf dem Hollywood Boulevard ist ihm gewidmet.
Förderung musikalischer Talente
Mehta setzt sich für die Entdeckung und Förderung musikalischer Talente auf der ganzen Welt ein. Zusammen mit seinem Bruder Zarin ist er Vorsitzender der Mehli Mehta Music Foundation in seiner Heimatstadt. Als Dirigent großer Open-Air-Veranstaltungen erreichte Mehta ein breites Publikum mit klassischer Musik.
Trotz seines hohen Alters und körperlicher Einschränkungen tritt er noch immer ans Pult. »Beim Dirigieren fällt alles von ihm ab«, sagt Klarinettist Glander: »Sitzt er auf seinem Dirigentenhocker, geht buchstäblich die Post ab.« Und die Münchner Musikdirektorin Zühlke betont: »Sobald er vor dem Orchester sitzt, ist er wie ein junger Mann.«