Kinostart

Die Hoffnung aus den Sternen

Emily Blunt spielt eine Fernsehmoderatorin, die während einer TV-Aufzeichnung in seltsamen Zungen zu sprechen beginnt. Foto: picture alliance / Universal Pictures and Amblin Entertainment via AP

Wenn es nach Regisseur Steven Spielberg und seinem neuen, lang erwarteten Kinofilm »Disclosure Day« geht, dann ist die Menschheit nicht allein im Universum. Im filmischen Werk des Regiemeisters spielen Aliens bereits seit dem Jahr 1977 und der »Unheimlichen Begegnung der dritten Art« eine zentrale Rolle. Mittels Musik und Mathematik treten Außerirdische und Menschheit in den Dialog.

Auch seinen größten Erfolg an der Kinokasse hat Spielberg einem Extraterrestrischen zu verdanken. Die Rede ist natürlich von »E.T.«. Das ikonische Lichtherz des sympathischen Watschel-Aliens und sein leuchtender Zeigefinger berührten Generationen junger Kinogänger.

Vor 20 Jahren widmete Spielberg sich erneut dem Alien-Sujet. Diesmal im »Krieg der Welten« mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Hierin deklinierte Spielberg nach allen Regeln der Katastrophenfilmkunst eine feindselige Invasion von einem fremden Stern durch. Dass Spielberg nach seinem bisher persönlichsten Film, den »Fabelmans«, in dem der seit rund 50 Jahren in Hollywood erfolgreiche Regisseur seine Familiengeschichte erzählt, nun abermals einen Außerirdischen-Stoff auf die Leinwand bringt, ist kein Zufall. Das Thema als solches ist Spielberg ein Anliegen, wie viele Interviews im Vorfeld des Starts von »Disclosure Day« zeigten.

Steven Spielberg und die Außerirdischen

Und am Thema Aliens führt spätestens auch in der Öffentlichkeit kein Weg mehr vorbei, wenn man an die Veröffentlichungen bisher unter Verschluss gehaltener Materialien in renommierten Medien wie der New York Times denkt und an Anhörungen im US-Kongress, die zeigten, dass die amerikanische Regierung UFO-Sichtungen ernst nimmt.

»Disclosure Day« setzt nun genau an diesem Punkt an. Im Film macht es sich eine streng geheime Abteilung des Geheimdienstes zur Aufgabe, die geborgenen Reste eines Raumschiff-Crashs zu untersuchen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit systematisch vorzuenthalten. Ein junger Mitarbeiter der Behörde, gespielt von Josh O’Connor, packt daraufhin aus. Er will, dass die Menschheit über die Vorgänge ins Bild gesetzt wird. Bald macht sich die Regierung an die Fersen des Whistleblowers, dessen Weg sich mit der eigentlichen Hauptfigur des Films kreuzt.

Emily Blunt spielt eine Fernsehmoderatorin, die während einer TV-Aufzeichnung in seltsamen Zungen zu sprechen beginnt. Wie sich herausstellt, verbindet beide Figuren ein gemeinsames Schicksal, das bis in ihre Kindheit zurückreicht.

Für Steven Spielberg ist das Kino von seinen Anfängen und größten Erfolgen an immer schon eine Überwältigungs- und Wundermaschine gewesen. Und so zeigen sich im realistisch orientierten Szenario von »Disclosure Day« fantastische, sogar märchenhaft anmutende Elemente, für die der Regisseur warme, lichtdurchflutete Bilder findet, Bilder der Hoffnung, die im Clash mit einem desillusionierten, zynisch gewordenen Zeitgeist zu stehen scheinen.

Steht die Welt vor ihrer finalen Katastrophe?

Die Nationen der Erde stehen in Spielbergs neuem, bildgewaltig inszenierten Kinofilm kurz vor dem 3. Weltkrieg, der USA-Russland-Konflikt hat sich verheerend zugespitzt. In diese Konstellation platzen in »Disclosure Day« die Nachrichten vom Kontakt mit den Außerirdischen.

Für Steven Spielberg und seine rasante wie unnachahmlich präzise Bildkomposition – die kongeniale Filmmusik stammt von John Williams – ist dies auch Anlass, nach den spirituellen Konsequenzen der neuen Gewissheit zu fragen: »Was, wenn die Schöpfung nicht einzigartig ist?«

Religiös unmusikalische Gemüter mögen über Spielbergs metaphysische Ausflüge die Nase rümpfen. Welche Rolle die Religion in Spielbergs Heimat, den USA, spielt, steht außer Frage. Der Regisseur berührt hier weniger seine jüdische Herkunft als vielmehr die christlichen Überzeugungen der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft, wobei er sich besonders der Rolle des Katholizismus widmet. Eve Hewson und Elizabeth Marvel spielen Ordensschwestern, deren Glaubensbild durch das Geschehen eine Erschütterung erfährt.

Hoffnung und Licht

Hoffnung und Licht prägen das Weltbild Spielbergs. Und so zeigt sich gegen Ende dieses grandiosen Films die idealistische Überzeugung des Regisseurs, dass die Menschheit angesichts der bahnbrechenden Enthüllung vermag, ihre Differenzen zu vergessen.

Doch wäre sie dazu wirklich in der Lage?

Für einen Moment jedenfalls hängen in »Disclosure Day« acht Milliarden Menschen an den Lippen der grandios aufspielenden Emily Blunt und ihrer Figur, die bei einer Fernsehansage die Worte der außerirdischen Besucher verkündet: »Listen – höret.«

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