Großbritannien

Wegen Hamas-Lob: Polizei nimmt Ärztin zum fünften Mal fest

Rahmeh Aladwan im November 2025 Foto: picture alliance / dmg media Licensing

Als die Polizisten in die Wohnung kommen, sitzt Rahmeh Aladwan auf dem Sofa. Ihre Mutter redet auf sie ein und versucht, sie in eine Diskussion zu verwickeln: »Wozu braucht ihr Handschellen? Okay, dann macht es wenigstens richtig, nicht so wie letztes Mal, als ihr ihr wehgetan habt... Ich muss euch alle paar Wochen sehen. Warum immer meine Tochter? Habt ihr niemand anderen außer Rahmeh, den ihr verhaften könnt?«

Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ihrer Tochter die Handfesseln angelegt werden. Anschließend wird Rahmeh Aladwan von der Polizei in das 200 Kilometer entfernte London gebracht. Der britisch-palästinensischen Ärztin wird zur Last gelegt, gegen Haftauflagen verstoßen zu haben, die ihr nach früheren Festnahmen auferlegt worden waren. Die 31-Jährige wurde am Freitag dem Haftrichter in London vorgeführt - und kam anschließend erneut auf freien Fuß.

Vor dem Gerichtsgebäude feierten Anhänger der Frau ihre Freilassung. Rahmeh Aladwan rief ihnen zu, alle Menschen weltweit würden bald »frei sein von der korrupten Macht, die uns alle unterdrückt«.

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Im letzten Jahr hatte Aladwan mehrfach mit kruden antisemitischen Hassbotschaften von sich reden gemacht und nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen eine angebliche »jüdisch-zionistische Lobby« in Großbritannien gehetzt, die ihr nachstelle.

Ermittelt wird gegen sie aber wegen Unterstützung der Hamas, die auch in Großbritannien als terroristische Organisation eingestuft ist. Am 7. Oktober 2025 hatte die Ärztin verschiedene Beiträge veröffentlicht, mit denen sie Unterstützung für den Terrorangriff der Hamas auf Israel zwei Jahre zuvor zum Ausdruck brachte.

Unter dem Foto eines Bulldozers hatte sie die Botschaft gepostet: »Ehre sei dem Bruch der 17 Jahre langen illegalen Belagerung [Gazas]. Ehre sei dem palästinensischen Widerstand. Ehre sei unseren Märtyrern.« Kurze Zeit später wurde Aladwan erstmals verhaftet, kam aber unter Auflagen wieder auf freien Fuß. Zwischenzeitlich wurde sie mehrfach wieder in Polizeigewahrsam genommen.

Gegen die Assistenzärztin, der im Herbst für die Dauer von 15 Monaten die Zulassung entzogen wurde, wird auf Grundlage des britischen Antiterrorismusgesetzes ermittelt. Die Polizei legt ihr zur Last, im vergangenen Jahr insgesamt viermal zur Unterstützung der Hamas aufgerufen zu haben. Zudem trat sie als Mitglied der verbotenen Gruppierung »Palestine Action« in Erscheinung. Aladwan wird auch der Anstiftung zum Rassenhass in zwei Fällen beschuldigt.

Zuletzt hatte Rahmed Aladwan eine Crowdfunding-Petition lanciert, um Spenden zu sammeln. Das Motto der Aktion: »Hilf mir, gegen die britische ‚Israel‘-Lobby zu kämpfen und meine ärztliche Zulassung zu behalten.« 19 Tage vor dem geplanten Ende der Petition hat sie bereits 92.000 Pfund Sterling (106.000 Euro) gesammelt.

Das Standesgericht für Ärzte (MPTS) ist aber der Ansicht, ihre politischen Wortmeldung seien geeignet, das Vertrauen der Patienten in sie als auch in den Ärztestand zu beschädigen, weil Patienten davon abgehalten werden könnten, sich von ihr behandeln zu lassen. mth

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