Winterspiele

RTS entschuldigt sich für Olympia-Kommentar

Pilot Adam Edelman (links) und Bremser Menachem Chen auch Israel, was noch keinem israelischem Bob-Team vor ihnen gelang: eine Olympia-Qualifikation ohne Trainer
Pilot Adam Edelman (links) und Bremser Menachem Chen schafften, was noch keinem israelischem Bob-Team davor gelang: eine Olympia-Qualifikation ohne Trainer Foto: picture alliance/dpa

Ein TV-Kommentar hat während der Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo in der Schweiz eine Debatte über die Grenzen politischer Einordnung im Sport entfacht. Während der Live-Abfahrt des israelischen Zweierbob-Teams um Pilot Adam Edelman und Bremser Menachem Chen schien dem Kommentator des Westschweizer Senders RTS die sportliche Einordnung der beiden Athleten nicht vorrangig. Das Team, zu dem im Gesamtteam auch ein Druse gehört, hatte sich zum ersten Mal in der Geschichte Israels in dieser Kategorie, zudem ohne Trainer, für die Olympischen Winterspiele qualifiziert.

Das ignorierte der Sportkommentator in seiner Berichterstattung. Vielmehr fokussierte er seine Ausführungen auf die politischen Positionen des Athleten im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg. Der Kommentator bezeichnete Edelman unter anderem als »durch und durch Zionist« und verwies auf Äußerungen des Sportlers in sozialen Netzwerken. Zudem wurde Bezug auf Diskussionen rund um politische Botschaften bei Olympischen Spielen und Entscheidungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) genommen.

Die Einordnung löste Kritik aus, weil sie während der laufenden Wettkampfleistung erfolgte und den sportlichen Kontext deutlich überlagerte. Beobachter bemängelten eine politische Etikettierung des Athleten und stellten die Frage nach der Rolle öffentlich-rechtlicher Sportberichterstattung, nicht nur bei internationalen Großereignissen wie Olympia. Problematisch ist der Fall auch deshalb, weil der Sender RTS ein gebührenfinanziertes Medium und damit zu politischer Neutralität verpflichtet ist.

RTS »Format unangemessen«

Inzwischen hat der Sender RTS Stellung bezogen und Fehler eingeräumt. Wie aus einem Schreiben, das der Jüdischen Allgemeinen vorliegt, hervorgeht, erklärt der Sender: »RTS verpflichtet sich zu wahrheitsgemäßer, unabhängiger und respektvoller Berichterstattung. Während einer Sportübertragung wurden die politischen Ansichten eines Athleten öffentlich erwähnt.« Länge und Format dieser Information seien für einen Kommentar während einer Sportveranstaltung unangemessen gewesen. Daher wurde der entsprechende Beitrag entfernt.

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Weiter schreibt RTS: »Im Sinne journalistischer Sorgfalt werden wir das Format für Sportkommentare in unseren Redaktionen präzisieren. Wir entschuldigen uns, falls sich jemand durch diesen Vorfall verletzt gefühlt hat.« Mit der Entfernung des Beitrags und der Ankündigung, interne Richtlinien zu präzisieren, reagiert der Sender auf die öffentliche Kritik.

Grundsatzfrage bleibt

Der Vorfall wirft über den Einzelfall hinaus eine grundsätzliche Frage auf: Wie politisch darf Sportberichterstattung sein – insbesondere bei Olympischen Spielen, bei denen das IOC immer wieder versucht, politische Botschaften von Wettkampfstätten fernzuhalten?

RTS hat nun eine Linie gezogen und eingeräumt, dass Zeitpunkt und Umfang der politischen Einordnung nicht angemessen waren. Die Debatte darüber, wo die Grenze zwischen Kontextualisierung und politischer Kommentierung verläuft, dürfte damit jedoch noch nicht abgeschlossen sein.

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