Frankreich

Shosanna rennt weiter

Die Schauspielerin Mélanie Laurent (43) ist in der fünften Staffel der Serie »Fauda« zu sehen. Foto: picture alliance / abaca

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Shosanna rennt weiter

»Inglourious Basterds«-Star Mélanie Laurent ist zurück – und nimmt in »Fauda 5« Rache

von Sophie Albers Ben Chamo  07.06.2026 06:41 Uhr

Das Gesicht der schönen Frau füllt die ganze Leinwand und ihre Stimme den Raum. »Mein Name ist Shosanna Dreyfus, und so sieht jüdische Rache aus!«, ruft sie, wirft den Kopf zurück und bricht in ein irres Lachen aus, während der mit Nazis vollgepackte Kinosaal in Flammen aufgeht. Die gesamte Führungsriege ist da, einschließlich Hitler.

17 Jahre ist es her, dass Quentin Tarantino mit Inglourious Basterds den Holocaust-Film neu erfand, indem er die Juden aus der filmhistorischen Opferrolle befreite und die Gejagten zu Jägern machte. Für die französische Schauspielerin Mélanie Laurent war diese jüdische Rachefantasie der internationale Durchbruch. Doch auch wenn Hollywood sie behalten wollte, sie bald für teures Parfum warb und unter anderem mit Angelina Jolie, Jake Gyllenhaal und Morgan Freeman drehte, behielt die Pariserin immer ihren eigenen Kopf.

Entdeckt wurde Laurent bereits als 16-Jährige von Gérard Depardieu

Beschlossen, Schauspielerin zu werden, habe sie wegen des surrealistischen Märchenfilms Eselshaut mit Catherine Deneuve aus dem Jahr 1970, erzählte sie einmal im Interview. 250-mal habe sie den gesehen. Entdeckt wurde Laurent bereits als 16-Jährige vom enfant terrible des französischen Filmbusiness, Gérard Depardieu, der ihr sofort eine Nebenrolle in seinem Film Die Brücke von Ambreville (1999) anbot.

Es folgten viele kleine, aber auch große nationale Erfolge wie Der wilde Schlag meines Herzens (2005) oder Keine Sorge, mir geht es gut (2006). Laurents Authentizität und Intensität fielen auf. Dabei hat sie nie Schauspiel studiert.

Als Tarantino anrief und fragte, ob sie in seinem nächsten Film mitspielen wolle, habe sie einfach »Ja« gesagt, sagt Laurent. Dabei kam ihr die Rolle persönlich ganz schön nah: Die Familie ihrer Mutter ist polnisch-aschkenasisch und tunesisch-sefardisch. Der Großvater aus Polen hatte die Deportationen nur knapp überlebt. Vieles fand Laurent in der Figur Shosanna wieder.

»Ich bin jüdisch. Ich habe davon geträumt, Hitler zu töten, seit ich vier bin«, sagte sie damals dem Branchendienst »WENN«. Und auch, dass sie ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Großvater gehabt habe. Tarantino dürfte auch gefallen haben, dass Laurents Großeltern ihr Geld mit Filmpostern verdienten.

Die Kamera liebt Mélanie Laurent, verpasst ihr aber auch immer wieder eine tiefe Melancholie.

Die mittlerweile 43-Jährige tritt immer wieder in Filmen mit jüdischen Themen auf, wie Operation Finale, der Geschichte der Jagd auf den Naziverbrecher Adolf Eichmann. Bei den Dreharbeiten traf sie auch Fauda-Star Lior Raz.

Wie aus einer anderen Welt, schwärmen Kritiker manchmal

Die Kamera liebt Mélanie Laurent, verpasst der Mutter von zwei Kindern, die es geschafft hat, den Namen ihres Mannes seit 2013 geheim zu halten, aber auch immer wieder eine tiefe Melancholie. Wie aus einer anderen Welt, schwärmen Kritiker manchmal. Dabei fällt sie abseits der Kamera als besonders herzlich und selbstbewusst auf. Sie sei unglaublich geliebt worden, sagte Laurent einmal im Interview mit der »Libération« über ihre Kindheit.

Dass sie die Chancen, die sich ihr bieten, auch ergreife, »das kommt von meiner Erziehung und dem Selbstvertrauen, das man mir vermittelt hat«. Ergriffen hat sie auch, selbst Regie zu führen – darunter bei dem mit dem César ausgezeichneten Tomorrow (2015) –, ein Musikalbum aufzunehmen (2011) und nun auch in der neuen Staffel des israelischen Streaminghits Fauda mitzuspielen.

Gerade in Israel angelaufen, wo Fauda 5 häppchenweise von »Yes« präsentiert wird, lässt sich Netflix, wo die Serie in Deutschland zu sehen sein wird, Zeit.

Verbindungsperson für die harten Jungs aus Israel

In Fauda 5 spielt Laurent die Agentin des französischen Außengeheimdienstes, eine erfahrene Spezialistin in der Terrorismusbekämpfung, die auch schon im Nahen Osten Einsätze hatte. Sie ist die Verbindungsperson für die harten Jungs aus Israel, die es diesmal nach Marseille verschlägt. Und in dieser Post-7.-Oktober-Staffel geht es vor allem um eines: Rache. Aber auch um den Preis, den Menschen dafür zahlen müssen.

Beim Dreh in Israel musste Laurent die brutale Realität von Sirenen, Angst und Bunker erleben, doch sie fand auch Gemeinschaft: Als der erste Krieg mit dem Iran ausbrach, so berichtete Lior Raz gerade im Gespräch mit »Ynet«, steckte sie in Tel Aviv fest. Er habe sie eingeladen, bei seiner Familie zu wohnen.

Auch wenn man bei Laurent nicht sofort an harte Action denkt, ist schon im Trailer zu sehen, dass Sophie Aubert sich vom staubigen Doron Kavillio nicht die Butter vom Brot nehmen lässt.

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