Großbritannien

Unterhausabgeordneter unterstellt Israel »Blutdurst«

Der britische Abgeordnete Iqbal Mohamed steht wegen antisemitischer Äußerungen in der Kritik Foto: picture alliance / Anadolu

Vor ziemlich genau zwei Jahren gewann der ehemalige Labour-Politiker Iqbal Mohamed bei der Unterhauswahl überraschend den Wahlkreis Dewsbury and Batley, in dem er aufgewachsen war. Mohamed hatte 7000 Stimmen Vorsprung vor seiner Hauptkontrahentin von der Labour Party. Er wurde so der erste parteilose Kandidat seit mehr als einem Jahrhundert, der in der Grafschaft Yorkshire als Unabhängiger ein Parlamentsmandat erringen konnte. Den Wahlkampf hatte er vor allem mit einem Thema bestritten: Gaza.

Auch im Parlament kümmert sich der 55-Jährige, dessen Eltern aus Indien stammen, thematisch vorrangig um den Nahostkonflikt. Am Mittwoch meldete sich Mohamed folgerichtig in der Debatte zur Situation im Libanon zu Wort - und warf Israel die vorsätzliche Tötung von Menschen vor.  

Den auf der Regierungsbank sitzenden Staatssekretär Hamish Falconer fragte er: »Wird diese Labour-Regierung etwas Sinnvolles unternehmen, um Israels Blutdurst gegenüber unschuldigen Zivilisten, seinen unstillbaren Appetit auf barbarische Gewalt und seine ‚Gazafizierung‘ des Libanon und des gesamten Nahen Ostens zu stoppen?«

Lesen Sie auch

Falconer wollte das nicht unkommentiert stehen lassen. »Ich denke, wir müssen vorsichtig sein, wie wir die israelische Regierung beschreiben. Ich glaube nicht, dass sie einen Blutdurst nach unschuldigen Zivilisten hat. Ich denke, wir müssen in diesem Plenarsaal etwas vorsichtiger mit unserer Wortwahl sein«, entgegnete er Mohamed und fügte an: »Das klingt für mich nach antisemitischen Klischees.«

Damit dürfte Falconer nicht ganz falsch liegen, denn Mohameds Äußerungen in der Unterhaus-Debatte waren nicht die ersten ihrer Art. Der Parlamentarier hatte Israel bereits in der Vergangenheit Israel mit Verbalinjurien bedacht. Im Sommer des vergangenen Jahres stellte Mohamed Israels Vorgehen im Gazastreifen auf eine Stufe mit dem Holocaust.

Im Dezember behauptete er auf der Plattform X, die am 7. Oktober 2023 von Hamas-Terroristen nach Gaza entführten Israelis Shiri, Ariel und Kfir Bibas seien in Wahrheit »von den israelischen Terrorstreitkräften im Rahmen der ‚Hannibal-Direktive‘ ermordet« worden. Seinen Kritikern warf er zudem vor, sie verbreiteten Lügen: »Die zionistische Lügenmaschine wird nicht funktionieren!«, schrieb Mohamed. Die parlamentarische Aufsichtsbehörde hat deswegen gegen ihn ein Verfahren wegen Verbreitung von Desinformation eingeleitet, das noch nicht abgeschlossen ist. mth

Polizisten und Demonstranten vor der US-Botschaft in London

Proteste

Erneut Hunderte Festnahmen bei Gaza-Demo in London

Seit dem Verbot von Palestine Action sind in Großbritannien Tausende Menschen festgenommen worden. Auch bei einer Kundgebung in London griff die Polizei ein

 01.11.2026

Italien

Mann in Mailand wegen Anschlagsplänen auf Synagoge festgenommen

Im Großraum Mailand stellt die Polizei einen 22 Jahre alten Mann, der Anschläge auf eine Synagoge und eine islamische Einrichtung geplant haben soll. Die Hintergründe sind noch unklar

 29.10.2026

»A young woman in a dress and a man in a plaid shirt sit at a small outdoor restaurant table at night, smiling and talking, with food and drinks on the table and city lights in the background.«

Hollywood

Nach dem Happy End ist davor

In der dritten Staffel der Erfolgsserie »Nobody Wants This« machen Joanne und ihr »Hot Rabbi« den Neben-Romanzen Platz. Und dann wird auch noch konvertiert. Spoiler Alert

von Sophie Albers Ben Chamo  29.10.2026

Frankreich

»Freiheit ist leicht zu verteidigen«

Der Philosoph und Fernsehmoderator Raphaël Enthoven über Verantwortung, Spinozas Erbe und das Einzige, was uns wahrhaft zu erfüllen vermag

von Ute Cohen  28.10.2026

USA

Mike Tyson will seine Flagge zurück

Der Ex-Boxweltmeister legt sich mit einer Streetwear-Marke an, die ein altes Design in seinem Namen politisiert hat. Dabei geht es auch um Israel

von Hanna Persson  28.10.2026

Showbiz

Noah Wyle ist der »Sexiest Man Alive«, meint das »People«-Magazin

Der »The Pitt«-Star darf sich über den Titel freuen, der einst auch Harrison Ford schmückte. Seine Kinder sticheln schon, sagt Wyle

 28.10.2026

Medien

BBC zahlt 480.000 Euro Entschädigung nach Antisemitismus-Vorwurf

Die entlassene Produzentin Lucie Kon erhält fast 500.000 Euro von der BBC nach Antisemitismus-Vorwürfen. Nach dem 7. Oktober 2023 wurde ihre Arbeit beim öffentlich-rechtlichen Sender unerträglich

von Jamie Shapiro  27.10.2026

San Francisco/New York

KI mit Elvis-Songs gefüttert: Millionenklage gegen Anthropic

»Return To Sender« und diverse weitere Lieder des King of Rock’n’ Roll sollen ohne Zustimmung ins KI-Training geflossen sein

 27.10.2026

Island

Wo die Mikwe eine heiße Quelle war

Seit diesem Jahr hat der Inselstaat erstmals ein jüdisches Gemeindezentrum. Juden spielten in der Geschichte des Landes allerdings eine wichtigere Rolle als bisher bekannt

von Elke Wittich  26.10.2026