USA

Nach antisemitischer Bewerbung: Rechtsextreme feiern Cornell-Studenten

Die Cornell University in Ithaca (New York) leitete eine Untersuchung des Vorfalls ein. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Ein Student der US-Eliteuniversität Cornell, der einem potenziellen Arbeitgeber mitteilte, er sei »nicht daran interessiert, für einen Juden zu arbeiten«, erhält Unterstützung aus rechtsextremen und antisemitischen Kreisen. Eine von dem britischen YouTuber Miles Routledge, bekannt unter dem Namen »Lord Miles«, gestartete Spendenkampagne brachte innerhalb weniger Tage mehr als 19.000 Dollar ein. Die Jewish Telegraphic Agency (JTA) berichtete.

Auslöser war eine Bewerbung des 19-jährigen Austin Franco für ein Praktikum bei einem Softwareunternehmen der jüdischen Brüder Gabe und Aiden Einhorn. Nachdem ihm ein Vorstellungsgespräch angeboten worden war, antwortete Franco über die Bewerbungsplattform Handshake, er sei »nicht daran interessiert, für einen Juden zu arbeiten«. Ein Screenshot der Nachricht verbreitete sich anschließend in den sozialen Medien.

Franco verteidigte seine Aussage später öffentlich. Nachdem er erfahren habe, dass die Firmeninhaber jüdisch seien, habe er sich gegen die Stelle entschieden, erklärte er. Seine Erfahrungen mit Juden seien insgesamt negativ gewesen. »Die Reaktionen Ihrer Gemeinschaft dienen nur dazu, meinen Standpunkt weiter zu beweisen«, schrieb er an Gabe Einhorn.

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Untersuchung des Vorfalls

Die Cornell University leitete inzwischen eine Untersuchung des Vorfalls ein. Der Fall wurde an die zuständige Stelle für Bürgerrechte weitergegeben. Ein Sprecher der Hochschule erklärte, Cornell verurteile Antisemitismus sowie jede Form von Hass und Diskriminierung »auf das Schärfste« und setze sich für ein sicheres und respektvolles Umfeld für alle Mitglieder der Universitätsgemeinschaft ein.

Während Politiker, Antisemitismusbeauftragte und jüdische Organisationen Francos Äußerungen scharf kritisierten, entwickelte sich der Student in einschlägigen Internetforen zu einer Symbolfigur. Gabe Einhorn sagte der JTA, dort werde Franco regelrecht gefeiert. »Sie behandeln ihn wie einen Helden«, sagte er. Mehrere reichweitenstarke Accounts, die regelmäßig antisemitische Inhalte verbreiteten, hätten sich des Falls angenommen.

»Sie behandeln ihn wie einen Helden«

Zu den prominentesten Unterstützern zählt Routledge, der in der Vergangenheit erklärte, er hoffe, bis zum Jahr 2039 einen »weiteren Hitler« zu erleben. Bei der Bewerbung der Spendenaktion schrieb er, Juden würden versuchen, Franco öffentlich bloßzustellen und seine berufliche Zukunft zu zerstören. »Ich kann das nicht zulassen«, erklärte er.

»10.000 Dollar für Antisemitismus«

Die Kampagne läuft über die christliche Crowdfunding-Plattform GiveSendGo. Dort finden sich zahlreiche antisemitische Kommentare. In einem weiteren Beitrag schrieb Routledge: »Ich habe gerade 10.000 Dollar für Antisemitismus gesammelt.«

GiveSendGo erklärte laut JTA, man lehne Antisemitismus, Rassismus und Hassrede ab. Die Kampagne verstoße jedoch nicht gegen die Nutzungsbedingungen der Plattform. Ein Sprecher sagte: »Bei GiveSendGo dulden wir weder Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung, Hassrede noch Gewalt irgendeiner Art.« Zugleich betonte er, die Plattform sei »kein Ort des Urteilens, sondern ein Ort der Großzügigkeit«.

Der Fall sorgte zeitweise sogar für Verwechslungen. Ein Anwalt namens Austin Franco aus Dallas berichtete, er habe zahlreiche Nachrichten und Beschwerden erhalten, die eigentlich an den Cornell-Studenten gerichtet gewesen seien. In einer Stellungnahme stellte er klar: »Wir billigen oder unterstützen keine der Ansichten, die dieser Austin Franco vertritt.«

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Belohnung für Hass

Unterstützung erhielt der Student auch von weiteren umstrittenen Persönlichkeiten. Der Holocaust-Leugner Ian Carroll verbreitete seine Geschichte in sozialen Netzwerken und schloss sich dessen Aussagen über Juden an. Der Journalist Glenn Greenwald wiederum argumentierte, andere Nutzer sozialer Medien würden weitaus drastischere Aussagen veröffentlichen, ohne vergleichbare Konsequenzen befürchten zu müssen.

Gabe Einhorn sieht in der Resonanz auf den Fall ein alarmierendes Signal. »Irgendwie ist es inzwischen ein Trend geworden, dass man belohnt wird, wenn man Juden hasst«, sagte er. »Die Leute unterstützen einen und stehen hinter einem, wenn man Juden hasst.«

Sein Bruder Aiden Einhorn erklärte in einem Interview mit »Fox News«, dies sei die erste antisemitische Erfahrung gewesen, die er im beruflichen Umfeld gemacht habe. An Universitäten habe er ähnliche Vorfälle jedoch bereits erlebt. »Als Student habe ich das auf dem Campus und im Unterricht gesehen«, sagte er. »Deshalb hat es mich nicht völlig überrascht.« im

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