Toronto

Polizei: Organisiertes Netzwerk für Angriffe auf Synagogen verantwortlich

Torontos Polizeichef Myron Demkiw am Dienstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz zu den Angriffen auf Synagogen Foto: picture alliance / PA Images

Nach mehreren Schussattacken auf jüdische Einrichtungen im Großraum Toronto gehen die Ermittler davon aus, dass ein organisiertes Netzwerk verantwortlich ist. Dieses wirbt demnach junge Menschen über verschlüsselte Kommunikationsdienste für Gewalttaten an. Dies teilte die Polizei von Toronto bei einer Pressekonferenz mit, wie die Publikation »The Canadian Jewish News« berichtete.

Polizeichef Myron Demkiw erklärte, die Behörden hätten bei ihren Ermittlungen ein wiederkehrendes Muster festgestellt, das auch bei Angriffen auf Synagogen und jüdische Schulen zu erkennen sei. »Womit wir es in diesem Fall und auch bei anderen, nicht direkt zusammenhängenden Vorfällen, darunter Schüsse auf Synagogen und jüdische Schulen, zu tun haben, ist eine wiederkehrende und ähnliche Vorgehensweise«, sagte er.

Nach Angaben der Polizei werden junge Täter über verschlüsselte Apps rekrutiert und für Angriffe bezahlt. »Um bezahlt zu werden, müssen sie ihre Angriffe filmen«, so Demkiw.

Ermittlungen zu Hintermännern

Die Ermittler untersuchen derzeit mehr als zwei Dutzend Schusswaffenvorfälle in der Region Toronto. Zwar seien die Angriffe auf mehrere Synagogen und eine jüdische Schule nicht direkt mit den sichergestellten Tatwaffen in Verbindung gebracht worden, doch die Vorgehensweise ähnele sich auffallend. Niemand wurde bei den Angriffen auf die jüdischen Einrichtungen verletzt.

Wer die Taten finanziert oder steuert, ist nach Angaben der Polizei weiterhin unklar. Demkiw betonte jedoch: »Wir arbeiten weiterhin aktiv daran zu ermitteln, wer für die Organisation dieser kriminellen Taten verantwortlich ist.« Zugleich sei klar, »dass einige der Personen, die diese Kriminellen anheuern, Angst in unseren Gemeinschaften erzeugen wollen, einschließlich in der jüdischen Community«.

Die Polizei arbeitet nach eigenen Angaben mit nationalen Sicherheitsbehörden, dem FBI aus dem Nachbarland USA sowie weiteren Polizeidienststellen zusammen. Untersucht wird auch, ob ausländische Akteure in die Vorgänge verwickelt sind.

Festnahme eines Irakers

Chef-Superintendent Joe Matthews sagte, die Ermittler gingen davon aus, dass mehrere miteinander verbundene Gruppen aktiv seien. »Es scheint mehrere Netzwerke auf verschiedenen Ebenen zu geben«, erklärte er. Besonders auffällig sei, dass vergleichsweise junge Erwachsene für die Gewalttaten angeworben würden.

Nach Erkenntnissen der Ermittler werden Waffen innerhalb der Netzwerke weitergegeben. Zudem gebe es häufig Vermittler, die zwischen den Auftraggebern und den Schützen stehen und die Bezahlung organisieren.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der Fall durch die Festnahme eines irakischen Staatsangehörigen in den USA. Amerikanische Behörden werfen dem 32-Jährigen vor, Verbindungen zu iranisch unterstützten Terrorzellen zu unterhalten und Angriffe gegen amerikanische, israelische und jüdische Ziele koordiniert zu haben.

Wahrheitsgehalt nicht kommentiert

Nach US-Ermittlungen soll der Mann auch Verantwortung für den Beschuss des US-Konsulats in Toronto sowie für einen Angriff auf eine Synagoge reklamiert haben. Ein Vertreter der kanadischen Bundespolizei RCMP bestätigte, dass entsprechende Medienberichte Teil der laufenden Untersuchungen seien, wollte deren Wahrheitsgehalt jedoch nicht kommentieren.

Vertreter jüdischer Organisationen werteten die neuen Erkenntnisse als Hinweis darauf, dass die eigentliche Gefahr von den Organisatoren im Hintergrund ausgehe. Rochelle Direnfeld von der Alliance of Canadians Combatting Antisemitism erklärte laut »The Canadian Jewish News«, die Aussagen der Polizei bestätigten frühere Befürchtungen.

Auch der Community Safety Council of Canada warnte davor, den Blick ausschließlich auf die Schützen zu richten. »Die Personen, die diese Schüsse abgeben, sind selbstverständlich ein ernstes Problem, doch die größere Bedrohung geht von jenen aus, die sie aus dem Hintergrund rekrutieren, finanzieren, steuern und bewaffnen.« im

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