Die Zahl der Hassverbrechen in New York ist deutlich gestiegen. Nach Angaben der Polizei wurden allein im Mai 68 bestätigte Hassdelikte registriert. Im gleichen Monat des Vorjahres waren es 39 Fälle gewesen. Besonders stark nahm die Zahl antisemitischer Vorfälle zu.
Den aktuellen Polizeidaten zufolge wurden im Mai 41 antisemitische Straftaten erfasst. Ein Jahr zuvor hatte die Zahl bei 24 gelegen. Damit entfiel der Großteil der Zunahme bei Hassverbrechen auf Angriffe und Delikte gegen Juden. Auch Übergriffe aus religiösen Motiven insgesamt nahmen zu.
Moshe Spern, Präsident der Organisation United Jewish Teachers, erklärte in der »New York Post«, der Anstieg komme für viele Juden nicht überraschend. Zugleich übte er scharfe Kritik an Bürgermeister Zohran Mamdani: »Er trägt zu diesem Problem bei, und er weiß es«, sagte Spern.
Frau in U-Bahn angegriffen
Für Aufsehen sorgt derzeit auch ein mutmaßlich antisemitischer Angriff in der New Yorker U-Bahn. Eine Jüdin berichtete dem Sender CBS, sie sei am vergangenen Sonntag auf einer Fahrt mit der C-Linie in Manhattan attackiert worden.
Die Frau, die aus Angst vor weiteren Übergriffen anonym bleiben möchte, schilderte, die Angreiferin habe zunächst antisemitische Bemerkungen gemacht und sei anschließend auf sie losgegangen. »Sie stürzte sich auf mich. Sie würgte mich zweimal. Sie trat mich. Sie riss mir Haare aus«, sagte die Betroffene. »Es war ein Hassverbrechen gegen die jüdische Gemeinschaft. Das wäre nicht passiert, wenn ich nicht jüdisch wäre.«
Die Polizei nahm eine 23-jährige Verdächtige fest. Gegen sie werden unter anderem Vorwürfe wegen eines Hassverbrechens und schwerer Belästigung erhoben.
»Von Worten zu tatsächlicher Gewalt«
Die Betroffene erklärte, sie leide noch immer unter den Folgen des Angriffs. Besonders erschüttert habe sie die Reaktion vieler Umstehender. »Es war schockierend, dass die Passanten ... praktisch niemand etwas unternommen hat, selbst als ich zu Boden geschlagen wurde«, sagte sie laut CBS.
Auch die Organisation Combat Antisemitism Movement schlägt Alarm. Deren Direktorin für Regierungsangelegenheiten, Lisa Katz, sagte: »Antisemitismus hat sich inzwischen von Worten zu tatsächlicher Gewalt entwickelt.« Ihre Organisation habe bis zum 31. Mai in New York 193 antisemitische Vorfälle dokumentiert. »Das entspricht mehr als einem Vorfall pro Tag«, sagte Katz.
Der Anstieg der Hasskriminalität steht im Gegensatz zur allgemeinen Kriminalitätsentwicklung in der Millionenmetropole. Nach Angaben der New Yorker Polizei gingen schwere Straftaten im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast elf Prozent zurück. Auch die Zahl der Morde und Schusswaffendelikte erreichte historische Tiefstände. im