»Ich hätte dich umbringen sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte«, rief am Sonntag eine Studentin der jüdischen Aktivistin Liz Benichou zu, als sie sie zu Boden stieß. Der gewaltsame Vorfall geschah während einer Auseinandersetzung am Rande einer politischen Veranstaltung, die von konservativen Aktivisten organisiert worden war – so geht es aus verschiedenen Videos hervor, die in sozialen Medien kursieren, sowie aus Berichten US-amerikanischer Medien. Ein anwesender Polizeibeamter griff ein und nahm die Angreiferin fest.
Die Auseinandersetzung begann in der Nähe eines Standes der konservativen Jugendorganisation »Liberty Under Fire USA«, an dem Schilder mit Fragen wie »Ist der Islam mit westlichen Werten vereinbar?« und »Ist der Islam böse?« zu sehen waren.
Eine Studentin hatte die Anwesenden zunächst zur Rede gestellt, ihnen eine antimuslimische Haltung vorgeworfen und die Genehmigung für die Veranstaltung infrage gestellt. Als Benichou sich in die Diskussion einschaltete und die Kleidung der Studentin kommentierte, eskalierte die Situation. Laut Videoaufnahmen, die das Nachrichtenportal Mediaite veröffentlichte, warf die Studentin ihr Telefon zu Boden, stürzte sich auf Benichou und stieß sie mit beiden Händen um. Anschließend versuchte sie, nach ihr zu treten.
»Ich würde es jederzeit wieder tun«
Auch nachdem andere Anwesende versucht hatten, die Angreiferin von Benichou wegzuziehen, ließ diese nicht von ihr ab. Ein Polizeibeamter der Universität griff ein und nahm die Studentin fest. Dabei wehrte sie sich laut den Aufnahmen heftig, schrie und beschimpfte Benichou. Selbst mit angelegten Handschellen setzte sie ihre Drohungen fort. »Ich würde es jederzeit wieder tun«, rief sie und fügte hinzu: »Ich hätte dich umbringen sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte.« Auf die Frage eines Passanten, ob sie das ernst meine, antwortete sie, dass es kein Scherz sei.
Die Polizei der University of Michigan bestätigte gegenüber der britischen Zeitung Daily Mail, dass ihre Beamten kurz vor 17 Uhr wegen einer nicht genehmigten Veranstaltung auf den Campus gerufen worden seien. Die Studentin sei vorübergehend festgenommen, polizeilich erfasst und anschließend wieder freigelassen worden. Nun werde geprüft, ob ein Haftbefehl beantragt und Anklage erhoben werde. Während die Polizei angab, ihr seien keine Verletzungen gemeldet worden, erklärte Taylor Sharp, Benichous Managerin und Geschäftsführerin von »Liberty Under Fire USA«, gegenüber Mediaite, Benichou habe sich bei dem Sturz am unteren Rücken verletzt. Die Aktivistin beabsichtige, strafrechtlich gegen die Angreiferin vorzugehen.
Attacke zwei Tage vor Zwischenwahlen
Benichou, die sich in sozialen Medien als »stolze jüdische Frau« bezeichnet und neben ihrer Profilbeschreibung eine israelische Flagge zeigt, teilte nach dem Vorfall mit, dass sie sich an einem sicheren Ort befinde und medizinisch versorgt werde. »Politische Gewalt hat in den Vereinigten Staaten keinen Platz«, schrieb sie und dankte den Polizeibeamten, die zu ihrem Schutz eingegriffen hatten. In einem weiteren Beitrag kritisierte Benichou die radikale Linke und warf ihr vor, Gewalt anzuwenden. Sie fügte hinzu, dass Versuche, sie einzuschüchtern oder zum Schweigen zu bringen, keinen Erfolg haben würden.
Der Vorfall löste unter konservativen Aktivisten Empörung aus – dies vor dem Hintergrund der anhaltenden Debatte über Antisemitismus an US-Universitäten und zwei Tage vor den US-Zwischenwahlen (Midterms), inmitten eines hitzigen Senatswahlkampfs in Michigan zwischen dem demokratischen Kandidaten Abdul El-Sayed und dem republikanischen Kandidaten Mike Rogers.