Eine Kapuzenjacke sorgt für Streit zwischen dem ehemaligen Schwergewichtsweltmeister Mike Tyson und der Streetwear-Kultmarke »Supreme«. Dabei geht es um ein Motiv mit Nationalflaggen, bei dem die israelische durch eine palästinensische ersetzt wurde. Tysons Anwälte werfen dem Modeunternehmen vor, ein bereits genehmigtes Design ohne Erlaubnis eigenmächtig verändert zu haben. Damit habe Supreme gegen die vertraglich festgelegten Abmachungen verstoßen. Da Supreme sich bisher nicht zu den Vorwürfen äußert, soll der nächste Schlagabtausch vor Gericht stattfinden.
Das Original war eine maßgefertigte Bomberjacke aus schwerem Leder, entworfen vom berühmten Sportmodedesigner Jeff Hamilton, die Tyson erstmals Mitte der 90er-Jahre trug. Die Rückseite zierte ein großes Bild von ihm, umgeben von verschiedenen Nationalflaggen – darunter die der USA, Italiens, Japans, Großbritanniens und eben auch Israels – als Würdigung von Tysons internationalen Erfolgen. Die neue Jacke entstand in Zusammenarbeit zwischen Supreme und der britischen Designerin Martine Rose und wurde online begeistert angekündigt. Die Grafik sollte eigentlich dem Original entsprechen. Doch bald entdeckten User den Austausch der Flaggen.
Verschwunden aus Supremes Online- und Papierkatalogen
Kurz nach Vorstellung der Kollektion verschwanden die Aufnahmen der Kapuzenjacke aus Supremes Online- und Papierkatalogen. Im aktuellen Sortiment, das das Unternehmen gerade »gedropt« hatte, ist sie nicht mehr zu finden. Umgehend wurde in einschlägigen Foren darüber spekuliert, dass Tysons Management sich gegen die Verwendung der palästinensischen Flagge ausgesprochen habe.
Tysons Anwalt Mitchell Schuster von der Kanzlei Meister Seelig & Schuster ließ daraufhin wissen: »Mike Tyson hat mit Supreme und Martine Rose an einer Kollektion gearbeitet, die sein Vermächtnis als Boxer ehren sollte.« Das Team habe das ursprüngliche Bildmaterial ausschließlich zu diesem Zweck freigegeben. Die Veränderung der Grafik sei nicht genehmigt gewesen, zitiert das Magazin »Rolling Stone« den Juristen. »Ohne Genehmigung hat Supreme das freigegebene Design verändert und Herrn Tyson damit in eine politische Auseinandersetzung hineingezogen, mit der er nichts zu tun hat«, so Schuster weiter – und bezeichnete die Änderung als »einen wesentlichen Vertragsbruch«.
Die Auseinandersetzung kommt für das Modeunternehmen zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Da Supreme wiederholte Aufforderungen offenbar ignoriert hat, werde Tysons Team nun »alle erforderlichen Schritte« einleiten, um den Namen, das Abbild und das Vermächtnis des ehemaligen Boxers zu schützen», heißt es weiter.
Die Auseinandersetzung kommt für das Modeunternehmen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Supreme gehört zu den bekanntesten Marken der internationalen Streetwear-Szene und setzt bei seinen Kollektionen regelmäßig auf prominente Persönlichkeiten aus Musik, Sport und Popkultur. Die bekannten Namen und Gesichter sollen die Aufmerksamkeit für neue Produkte erhöhen und das hohe Standing der Marke erhalten, was sich in den vergangenen Jahren als zunehmend schwierig erwiesen hat. Zu den Stars aus früheren Kampagnen gehören der Musiker André 3000, Lady Gaga, die Rapper NBA YoungBoy und Playboi Carti sowie Paris Hilton.
Zusammenarbeit mit dem israelischen Unternehmen InterCure für medizinisches Cannabis
Tatsächlich haben der legendäre Boxer und sein Team seit jeher versucht, Tysons Namen aus politischen Diskussion herauszuhalten. Immerhin war er im November 2023 in Miami zu Gast bei einer Spendengala zugunsten der israelischen Armee. 2022 begann er eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Unternehmen InterCure für medizinisches Cannabis. Auch hat er sich mehrfach gegen Antisemitismus starkgemacht und 2019 sogar eine Reise nach Polen zu bedeutenden jüdischen Stätten unternommen.
Aber zurück zum Streit mit Supreme. Der kommt auf jeden Fall der Aufmerksamkeit für den alten Boxer zugute, schließlich ist auf Netflix gerade eine vierteilige Dokumentarfilm-Serie angelaufen, über seine Karriere im Boxring, aber auch diverse Kontroversen und angebissene Ohren, die ihn berühmt und berüchtigt gemacht haben.