London

Epstein-Skandal stürzt Starmer in die Krise

Premierminister Keir Starmer in der Downing Street Foto: picture alliance / Anadolu

Warum machte Großbritanniens Premier Keir Starmer den Parteiveteranen Peter Mandelson trotz dessen bekannter Verbindungen zu Jeffrey Epstein zum britischen Botschafter in den USA? Antworten auf diese Frage erhoffen sich Kritiker des Regierungschefs von Dokumenten zum Ernennungsverfahren. Diese sollen veröffentlicht werden, wie das Unterhaus nun ohne Gegenstimmen beschloss. 

Den durch schlechte Umfragewerte ohnehin angeschlagenen Labour-Politiker Starmer stürzt das tiefer in die Krise. Unter dem Druck der Opposition und Teilen seiner eigenen Fraktion hatte er bereits am Mittag im Parlament angekündigt, die Dokumente veröffentlichen zu wollen. Ausgenommen seien Informationen, die der nationalen Sicherheit des Landes oder dessen internationalen Beziehungen schaden könnten, schränkte er ein.

Der Regierung gelang es, der Beschlussvorlage der Opposition vor der Abstimmung einen entsprechenden Passus anzufügen - nicht jedoch ohne vorher Zugeständnisse zum Auswahlprozess zu machen. 

»Prince of Darkness«

Trotzdem ist die Entwicklung für den Premierminister, der eigentlich über eine satte Mehrheit im Unterhaus verfügt, eine schwere Niederlage. Etliche seiner Parteifreunde erhöhten in der Debatte den Druck auf den Premier.

Der jüdische Ex-Minister und ehemalige EU-Kommissar Mandelson trat seinen Posten vor einem knappen Jahr an. Wegen seines skrupellosen Machtstrebens hatte er sich den Spitznamen »Prince of Darkness« eingehandelt. Und damals galt der skandalträchtige 72-Jährige als taktisch kluge Wahl, um britische Interessen bei US-Präsident Donald Trump durchzusetzen. Doch das war, bevor die Veröffentlichung von Epstein-Akten in den USA die Schlagzeilen dominierte.

Lesen Sie auch

Nun betonte Starmer, er bereue die Entscheidung. Hätte er damals gewusst, was er heute weiß, wäre Mandelson nicht einmal in die Nähe der Regierung gekommen, beteuerte der Premier bei der wöchentlichen Fragestunde vor einem vollen Unterhaus mit vielen ernsten Gesichtern in der eigenen Fraktion. 

Enge Verbindung

Dass Mandelson den Kontakt mit Epstein auch nach dessen Verurteilung wegen der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen aufrechterhielt, war der Regierung vor dessen Berufung zum Botschafter jedoch bekannt, wie der Premier eingestehen musste. Mandelson habe ihn und andere jedoch in die Irre geleitet, was die Enge des Verhältnisses mit dem jüdischen US-Investor betraf. »Er hat gelogen, gelogen und nochmals gelogen«, sagte Starmer. 

Der ehemalige Wirtschaftsminister und EU-Kommissar Mandelson taucht prominent in den Epstein-Akten auf. Die Nähe des ehemaligen Labour-Veteranen zu dem verstorbenen US-Multimillionär, der einen Missbrauchsring mit teils minderjährigen Opfern betrieben hatte, kostete ihn bereits seinen Botschafterposten. Kürzlich legte er auch sein Mandat im Oberhaus nieder und trat aus der Labour-Partei aus.

Die kürzlich vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten zeigen, dass Mandelson deutlich enger mit Epstein verbandelt war als zunächst bekannt. So sollen er und sein Ehemann jeweils Zahlungen von mehreren Zehntausend Pfund erhalten haben. 

Sensible Informationen

E-Mail-Verläufe legen sogar nahe, dass Mandelson während der Finanz- und Wirtschaftskrise sensible Informationen an den US-Investor weitergegeben haben könnte. Mandelson saß damals als Wirtschaftsminister am Kabinettstisch des früheren Premierministers Gordon Brown und galt als dessen faktischer Vize. Der Ex-Regierungschef (2007 - 2010) zeigte sich von den jüngsten Erkenntnissen schockiert und bat um eine Untersuchung.

Die Londoner Polizei kündigte an, gegen Mandelson zu ermitteln. An die Regierung richtete sie den Aufruf, keine Dokumente zu veröffentlichen, die die Ermittlungen beeinträchtigen könnten. dpa/ja

Schweiz

»Death to Zionism«: Anti-Israel-Demo sorgt in Basel für Unruhe

Ausgerechnet am Jahrestag des Ersten Zionistenkongresses soll eine Kundgebung stattfinden, bei der die Vernichtung Israels propagiert wird

 20.08.2026

Wien

Sieben Tage vermisst

Das Verschwinden zweier Israelinnen löste eine groß angelegte internationale Suchaktion aus. Die Geschichte aus realer Angst, einer Nachrichtensperre und wilden Gerüchten hat zwei Versionen

von Sophie Albers Ben Chamo  20.08.2026

Block-Prozess

Verteidiger: Ermittlungen zum Fall Block waren zu einseitig

Die Chefermittlerin im Fall Block hat ihre Zeugenbefragung abgeschlossen. Nur einer, ein 37-Jähriger aus Israel, hat die Vorwürfe eingeräumt

 19.08.2026

Frankreich

Schrecken der Milliardäre

Der jüdische Ökonom Gabriel Zucman fordert eine stärkere Besteuerung der Superreichen. Beim Geldadel stoßen seine Ideen jedoch auf heftigen Widerstand

von Christine Longin  19.08.2026

Debatte

Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Itamar Ben-Gvir

Israels rechtsextremer Minister Ben-Gvir wirbt unverhohlen für Tötungen im Gazastreifen. Das sorgt international für Entsetzen - auch beim jüdischen Dachverband in Deutschland

 18.08.2026 Aktualisiert

Portugal

Staatsanwaltschaft soll Antisemitismus-Vorwürfe an Universität Coimbra untersuchen

Auch auf dem Campus im Coimbra wird offenbar antisemitische Propaganda verbreitet. Ein jüdischer Student soll Todesdrohungen erhalten haben

 18.08.2026

USA

Die berühmteste Nähmaschine der Welt

Vor 175 Jahren ließ Isaac M. Singer seine »Sewing Machine« patentieren – und löste damit in der Textilindustrie und in Privathaushalten eine Revolution aus

von Sarah Thalia Pines  17.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Los Angeles

Rekord-Deal in der NBA: Iger und Kushner kaufen die LA Lakers

Die beiden jüdischen Geschäftsmänner Bob Iger und Joshua Kushner übernehmen das Basketball-Team für 12,5 Milliarden US-Dollar

 16.08.2026