Großbritannien

Angriff auf Ambulanzen

Drei Hatzola-Krankenwagen wurden komplett zerstört, ein vierter schwer beschädigt. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Sie kamen in der Nacht zum Montag. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen drei schwarz vermummte Personen, die in eine Seitenstraße einbiegen, schnellen Schrittes auf einen Krankenwagen zugehen, diesen in Brand stecken und dann weitergehen. Drei weitere Einsatzwagen werden angezündet, woraufhin es zu heftigen Explosionen kommt, als das Feuer die Sauerstoffzylinder erreicht. In benachbarten Wohnungen gehen die Fenster zu Bruch, Anwohner werden evakuiert. Nach zwei Stunden kann die Feuerwehr den großen Brand löschen. Verletzt wurde niemand.

Es war kurz vor zwei Uhr nachts, als Terroristen im jüdisch geprägten Stadtteil Golders Green vier Krankenwagen des jüdischen Rettungsdienstes Hatzola in Brand steckten. Drei davon wurden völlig zerstört. Die Londoner Metropolitan Police stuft die Tat als antisemitischen Angriff ein. Am Mittwochmorgen wurden zwei Verdächtige festgenommen.

»Schrecklicher antisemitischer Angriff«

Die wegen des Krieges in Nahost bereits verschärfte Sicherheitslage wurde nochmals hochgestuft, berichten britische Medien. Premier Keir Starmer verurteilte den »schrecklichen antisemitischen Angriff« und forderte »Zusammenhalt«. Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan empörte sich über den »feigen Anschlag«. Phil Rosenberg, Präsident des Board of Deputies of British Jews, sagte, man werde neue Krankenwagen beschaffen und den Angriff mit Stärke, Stolz und Entschlossenheit beantworten. Gesundheitsminister Wes Streeting versprach, dass man die Anschaffung neuer Fahrzeuge finanzieren werde.

Hatzola ist ein jüdisch-orthodoxer Rettungsdienst, der nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den USA und Israel in Orten mit hohem religiösen Bevölkerungsanteil den öffentlichen Rettungsdienst unterstützt. Die Mitarbeiter sind zumeist selbst jüdisch und mit den Besonderheiten orthodoxen Lebens vertraut. Der Dienst ist kostenlos und kann von allen Menschen im Einsatzgebiet in Anspruch genommen werden. Hatzola wurde 1979 gegründet, mit der »einzigen Mission, Leben zu schützen – jüdisches wie nichtjüdisches gleichermaßen«, so Großbritanniens Oberrabbiner Ephraim Mirvis.

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Wenige Stunden nach dem Anschlag tauchte ein Bekennerschreiben der iranisch-islamistischen Terrororganisation Ashab al-Yamin auf, die auch hinter den jüngsten Angriffen auf jüdische Einrichtungen in den Niederlanden und Belgien stecken soll. In London sei neben den Krankenwagen auch die orthodoxe Machzike-Hadath-Synagoge Ziel gewesen, heißt es dort. Sowohl an Fenstern als auch am Dach sind Brandschäden zu sehen.

Der Angriff geschieht in einer Zeit, in der jüdische Menschen in Großbritannien zunehmend Angst und Isolation verspüren. Sie habe zuerst gedacht, es sei ein Bomben­attentat auf die nahe Synagoge, sagte denn auch Shulamit, eine Anwohnerin, der Jüdischen Allgemeinen. »Ich fühle mich schon lange nicht mehr sicher. Wir sind auf der Hut«, so die 27-Jährige. Aaron (48), der in unmittelbarer Nähe arbeitet, sagt, dass die Sicherheit nun auch nachts erhöht werden müsse. »Tagsüber ist es okay.« Am Absperrband der Polizei steht auch Ahmed H., ein 54-jähriger Exil-Iraner, der mit einer israelischen Fahne und der iranischen Löwenflagge aus der Schah-Zeit gekommen ist, um seine Solidarität zu zeigen.

20 Terroranschläge vereitelt

Laut Regierung wurden allein in den vergangenen zwölf Monaten 20 Terroranschläge durch pro-iranische Organisationen vereitelt. So verhaftete man am Freitag zwei Menschen bei dem Versuch, in eine Militärbasis für Atom-U-Boote einzudringen, während in der Woche zuvor zwei Personen angeklagt wurden, die versucht haben sollen, Informationen über jüdische Einrichtungen auszukundschaften.

Der Anschlag auf Hatzola sei ein Angriff auf das ganze Land, sagt Mark Gardner, Geschäftsführer des jüdischen Sicherheitsdienstes Community Security Trust. »Juden sind schließlich auch Briten.«

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