Die Ronald S. Lauder Foundation will ihre langjährige finanzielle Unterstützung für jüdische Schulen in sieben Städten ab 2027 schrittweise auslaufen lassen. Zum Abschluss der jahrzehntelangen Förderung stellt die Stiftung noch einmal 75 Millionen Dollar (64 Millionen Euro) bereit. Laut einem Bericht der Publikation »eJewish Philanthropy« ist es das Ziel, die Schulen und ihre Träger in eine eigenständige Zukunft zu führen.
Betroffen sind Bildungseinrichtungen in Athen, Berlin, Budapest, Prag, Rom, Sofia und Wien. Die Verantwortung für die Schulen soll künftig stärker bei den jeweiligen jüdischen Gemeinden liegen. Das Geld aus dem letzten Förderpaket soll den Übergang absichern: 40 Millionen Dollar (34 Millionen Euro) sind für neue Schulgebäude und andere bauliche Projekte vorgesehen. Weitere Mittel sollen den laufenden Betrieb bis 2028 finanzieren und die Gemeinden auf die Übernahme vorbereiten.
Mit diesem Schritt setzt die Stiftung eine Entwicklung fort, die sich bereits seit Jahren abgezeichnet hat. Ronald Lauder, der die nach ihm benannte Stiftung 1987 gründete, hatte wiederholt andere jüdische Philanthropen dazu aufgerufen, stärker Verantwortung für die von ihm aufgebauten Schulnetzwerke zu übernehmen. Seine Vorstellung war, dass die Gemeinden langfristig selbst für ihre Einrichtungen aufkommen können.
Stärken und befähigen
»Der Übergang soll es den Schulen ermöglichen, vollständig darauf vorbereitet zu sein, sich über Generationen hinweg selbst zu tragen, und entspricht der langjährigen Überzeugung von Herrn Lauder, dass Philanthropie diejenigen stärken und befähigen sollte, die sie unterstützt, statt eine dauerhafte Abhängigkeit zu schaffen«, erklärte die Stiftung dem Bericht nach.
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist Rom. Dort arbeitete die Lauder Foundation in den vergangenen Jahren mit der Yael Foundation zusammen. Gemeinsam wurden insgesamt 15,5 Millionen Dollar (13,25 Millionen Dollar) zugesagt, um die jüdische Schule der italienischen Hauptstadt zu modernisieren und auszubauen.
Victor Fadlun, Präsident der jüdischen Gemeinde in Rom, erinnerte sich an ein Gespräch mit Lauder, als er ihm ein knapp 30 Millionen Dollar teures Ausbauprojekt vorgestellt hatte. Lauder habe ihm damals offen gesagt, das Vorhaben »hatte keine Chance auf Erfolg ohne ernsthafte externe Unterstützung«. Wenige Tage später stellte die Lauder Foundation nach Fadluns Angaben mehr als neun Millionen Dollar zur Verfügung.
»Vertrauen in unsere Zukunft«
»Viele Jahre lang gab uns das Wissen, dass einer der größten Philanthropen der jüdischen Welt an uns glaubte, an unsere Gemeinden glaubte und bereit war, gemeinsam mit uns zu investieren, etwas, das Geld allein niemals geben kann: Optimismus, Mut und vor allem Vertrauen in unsere Zukunft«, sagte Fadlun.
In Sofia (Bulgarien) besuchte Lauder vor acht Jahren die jüdische Dachorganisation Shalom. In Gesprächen ging es um den Bau eines Schulgebäudes mit Kindergarten. Lauder sagte damals: »Nein. Ich will zwei Gebäude: ein Schulgebäude und daneben ein Kindergarten-Gebäude.« Auch dieses Projekt unterstütze der Estée Lauder-Erbe durch seine Stiftung großzügig.
Beim selben Besuch erklärte er bei einem Besuch in der Synagoge von Sofia: »Mir ist kalt.« Minuten später stellte er 50.000 Dollar (43.000 Euro) für eine Sanierung des maroden Heizungssystems des Gotteshauses zur Verfügung.
Weiterhin aktiv
Die Stiftung betont zugleich, dass sie auch nach dem Ende der bisherigen Förderung aktiv bleiben wird. Welche Schwerpunkte künftig im Mittelpunkt stehen sollen, ist bislang allerdings nicht vollständig bekannt. Lauder hat sich zuletzt verstärkt mit jüdischer Bildung in den USA beschäftigt. Seine Lauder Impact Initiative soll insbesondere dem Rückgang der Schülerzahlen an nicht-orthodoxen jüdischen Tagesschulen entgegenwirken.
Auch bei anderen jüdischen Themen will Lauder offenbar weiter eine wichtige Rolle spielen. In einem Interview im Juli hatte er unter anderem dafür plädiert, dass Philanthropen eine Milliarde Dollar (850 Millionen Euro) für die internationale Öffentlichkeitsarbeit Israels bereitstellen.
Die nun angekündigte Neuordnung markiert laut »eJewish Philanthropy« das Ende einer rund vier Jahrzehnte währenden Aufbauphase. Nach Angaben der Stiftung entstanden mit ihrer Unterstützung insgesamt 30 Schulen in Osteuropa. Mehr als 40.000 Menschen haben diese Einrichtungen inzwischen absolviert. Einige der Schulen wurden in Gemeinden gegründet, in denen nach dem Holocaust und der kommunistischen Herrschaft kaum noch mit einer jüdischen Zukunft gerechnet worden war.
Die Ursprünge des Engagements reichen in Lauders Zeit als US-Botschafter in Österreich Ende der 1980er-Jahre zurück. Damals besuchte er in Wien einen Kindergarten für Kinder sowjetischer Juden. Einige Familien, die ursprünglich nur auf der Durchreise waren, hatten sich entschieden, in Österreich zu bleiben. Lauder beschloss daraufhin, eine jüdische Schule aufzubauen. Er kaufte nach eigener Darstellung nach und nach Wohnungen neben dem Kindergarten auf, bis schließlich »wir eine jüdische Schule in Wien hatten«. Von dort aus entwickelte sich ein europaweites Bildungsprojekt. im