Israel verzeichnet einen deutlichen Anstieg von Tollwutfällen bei Tieren. Nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der registrierten Fälle zwischen 2022 und 2025 um 252 Prozent – von 29 auf 102 Fälle. Damit wurde laut einem Bericht von »Ynet« der höchste Jahreswert der vergangenen Jahre erreicht.
Parallel dazu nahm auch die Zahl der Menschen zu, die nach einem möglichen Kontakt mit einem infizierten Tier medizinischen Rat suchen. Während sich 2010 rund 12.300 Menschen an die regionalen Gesundheitsämter wandten, waren es 2025 mehr als 24.200. Die Behörden warnen vor einer zunehmenden Ausbreitung der Krankheit und einer wachsenden Gefahr für Menschen und Haustiere.
Tollwut ist eine Virusinfektion, die das zentrale Nervensystem von Säugetieren und Menschen befällt. Die Übertragung erfolgt meist durch Bisse oder durch Speichel eines infizierten Tieres, der mit offenen Wunden oder Schleimhäuten in Kontakt kommt. Sobald Symptome auftreten, endet die Erkrankung in fast allen Fällen tödlich. Impfungen bei Tieren sowie eine schnelle Behandlung nach möglicher Ansteckung können die Krankheit jedoch verhindern.
Schakale und Wildtiere
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit weiterhin Zehntausende Menschen jährlich an Tollwut sterben – vor allem in Regionen, in denen Hunde die wichtigste Quelle für das Virus sind und der Zugang zu Impfungen und medizinischer Versorgung eingeschränkt ist.
In Israel war Tollwut bislang vor allem bei Wildtieren verbreitet, insbesondere bei Schakalen und Füchsen. Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums hat sich das Problem inzwischen deutlich ausgeweitet.
»Ich bin besorgt, weil wir zuletzt einen sehr beunruhigenden Anstieg der Tollwutfälle bei Wildtieren beobachten«, sagte Siegal Sadetzki, Leiterin der Abteilung für öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium. Das Virus breite sich von Schakalen auf andere Wildtiere aus, gleichzeitig komme es häufiger zu Begegnungen zwischen Menschen und Wildtieren, die zunehmend in Städte eindringen würden.
»Ganz Israel gilt inzwischen als Endemiegebiet«
Früher seien Schakale in Städten wie Tel Aviv eine Seltenheit gewesen. Heute würden sie in Gärten und auf Straßen auftauchen, weil sie nach Nahrung suchten – unter anderem in Mülltonnen oder an Futterstellen, die Menschen für Tiere einrichten. Sadetzki rief dazu auf, Wildtiere nicht zu füttern.
Die Krankheit sei inzwischen nicht mehr auf bestimmte Regionen beschränkt. »Heute gilt ganz Israel als Endemiegebiet für Tollwut«, sagte sie. Tiere könnten sich schnell über größere Entfernungen bewegen. Besonders problematisch seien Fälle, in denen infizierte Hunde aus einer Region in eine andere gebracht würden.
Nach Angaben des Ministeriums wurden zuletzt auch neue Gebiete betroffen, darunter die Regionen Gilboa, Sharon, Hefer-Tal, Hadera und Hod Hasharon.
Krieg erschwert Impfkampagnen
Ein zusätzlicher Faktor ist laut »Ynet« der Krieg im Norden Israels. Die Verteilung von Impfködern für Wildtiere aus der Luft musste zeitweise aus Sicherheitsgründen ausgesetzt werden. Stattdessen mussten Impfstoffe mit Fahrzeugen und durch Soldaten verteilt werden – eine deutlich weniger effektive Methode.
»Aufgrund der Situation im Norden gab es keine Flüge. Die Impfstoffe mussten manuell verteilt werden, und das war nicht ausreichend«, erklärte Dr. Oren Shattach Catabi, Leiter der Abteilung für zoonotische Krankheiten im Gesundheitsministerium. Sobald es die Sicherheitslage erlaubt habe, habe die israelische Natur- und Parkbehörde eine groß angelegte Aktion zur Verteilung von Impfködern gestartet.
Diese Köder richten sich vor allem gegen Schakale. Sie wirken jedoch nicht gegen streunende Hunde, die inzwischen einen immer größeren Anteil der Infektionen ausmachen.
Hunde als wichtigste Infektionsquelle
Die jüngsten Zahlen zeigen eine Verschiebung bei den Überträgern. Von Januar bis Mai 2026 wurden in Israel bereits 63 Tollwutfälle bei Tieren festgestellt, davon allein 17 im Mai. 62 Prozent der infizierten Tiere waren Hunde. Schakale machten dagegen nur noch 21 Prozent der Fälle aus. In früheren Jahren galten Schakale als Hauptquelle des Virus.
Die Entwicklung bereitet den Behörden Sorgen, weil Hunde deutlich näher mit Menschen zusammenleben als Wildtiere. Dadurch steigt das Risiko, dass Menschen mit infizierten Tieren in Kontakt kommen. Das Gesundheitsministerium rechnet damit, dass die Zahl der Fälle bei Tieren im Jahr 2026 weiter steigen könnte – auf etwa 150.
Zwischen Januar und April 2026 meldeten sich 7838 Menschen bei regionalen Gesundheitsämtern, nachdem sie möglicherweise Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier hatten. Rund die Hälfte von ihnen – 3924 Personen – erhielt eine vorbeugende Behandlung nach einer möglichen Ansteckung. 1815 Menschen bekamen zusätzlich Immunglobuline gegen Tollwut.
Letzter Todesfall 2024
165 dieser Fälle betrafen Kontakte mit Tieren, bei denen Tollwut tatsächlich nachgewiesen wurde. Bei den übrigen Betroffenen konnten die Tiere nicht gefunden oder ihr Gesundheitszustand nicht geklärt werden. Die meisten Anfragen gingen in den Bezirken Tel Aviv, Jerusalem und Petach Tikwa ein. Gemessen an der Bevölkerungszahl lagen jedoch die nördlichen Regionen Safed, Kinneret und Afula besonders hoch, da dort weiterhin wichtige Tollwut-Hotspots liegen.
Obwohl Tollwut in Israel wieder häufiger auftritt, bleiben Todesfälle bei Menschen selten. Der bislang letzte Todesfall in Israel ereignete sich 2024. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums handelte es sich um einen 77-jährigen Schafhirten, der eine vorbeugende Behandlung nach einem möglichen Kontakt abgelehnt hatte. im