Gesundheit

Sprunghafter Anstieg: Immer mehr Israelis rauchen

Ein israelischer Charedi in Jerusalem Foto: copyright (c) Flash90 2025

Die Zahl der Raucher in Israel ist im vergangenen Jahr spürbar gestiegen. Laut einer aktuellen Erhebung der Israelischen Krebsgesellschaft rauchen inzwischen rund 24 Prozent der Erwachsenen Zigaretten – ein Anstieg gegenüber 20 Prozent im Vorjahr. Der internationale Weltnichtrauchertag am 31. Mai diente als Anlass für die Veröffentlichung der Daten. Die Publikation »The Times of Israel« berichtete.

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Viele Konsumenten greifen offenbar verstärkt zur Zigarette, um mit psychischer Belastung umzugehen. Insgesamt gaben 37 Prozent der Befragten an, sie hätten in jüngerer Zeit häufiger geraucht, damit begonnen oder nach einer Pause wieder angefangen – ausgelöst durch Stress, Angst oder die Sicherheitslage. Dazu zählten auch Auswirkungen der militärischen Spannungen im Zusammenhang mit der US-israelischen Kampagne gegen das iranische Regime sowie dessen Atomanlagen und Raketenbasen.

Auch im sozialen Umfeld ist das Phänomen deutlich spürbar. Rund ein Drittel der Bevölkerung kennt jemanden, der im Zuge der aktuellen Lage das Rauchen aufgenommen oder wieder begonnen hat. Unter Rauchern selbst liegt dieser Anteil sogar bei etwa der Hälfte.

Belastung durch Passivrauch

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei jungen Menschen. In der Altersgruppe zwischen 16 und 34 Jahren nutzt inzwischen etwa ein Viertel E-Zigaretten. Insgesamt liegt der Anteil der Vaper bei 15 Prozent. Parallel dazu haben auch Wasserpfeifen und Zigarren an Popularität gewonnen.

Der Geschäftsführer der Israelischen Krebsgesellschaft, Moshe Bar-Haim, äußerte sich besorgt über die Ergebnisse und sprach von einer »besorgniserregenden Entwicklung, insbesondere unter jungen Menschen«.

Die Studie zeigt zudem eine hohe Belastung durch Passivrauch in der Öffentlichkeit. Insgesamt 93 Prozent der Bevölkerung geben an, regelmäßig Tabakrauch in öffentlichen Bereichen ausgesetzt zu sein. Besonders häufig geschieht dies an Bushaltestellen, in Restaurants, bei Veranstaltungen oder am Strand.

Lesen Sie auch

Konsequente Durchsetzung

Auch am Arbeitsplatz ist die Belastung erheblich: 40 Prozent berichten dort von Passivrauchen. Insgesamt spricht sich die Mehrheit der Bevölkerung – rund 80 Prozent – für eine konsequentere Durchsetzung von Rauchverboten im öffentlichen Raum aus.

Gleichzeitig wächst zwar das Bewusstsein für bestehende Regeln, doch die Kenntnis über das Rauchverbot bleibt lückenhaft. Immerhin ist der Anteil derjenigen, die sich über die gesetzlichen Bestimmungen im Klaren sind, von 37 auf 44 Prozent gestiegen. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen: Im arabischen Sektor etwa wird das Verbot häufiger ausschließlich auf klassische Zigaretten bezogen.

Bar-Haim forderte dem Bericht zufolge eine deutlich strengere Umsetzung der bestehenden Gesetze und betonte, der Kampf gegen das Rauchen sei eine nationale Aufgabe. »Das Gesetz existiert und ist klar. Der Kampf gegen das Rauchen ist ein nationales Ziel und muss sich in einer konsequenten und wirksamen Durchsetzung des Verbots im öffentlichen Raum widerspiegeln«, sagte er.

Abschaffung von Steuervergünstigungen

Auch auf politischer Ebene zeichnen sich Veränderungen ab. Die Regierung will Steuervergünstigungen für Tabakwaren schrittweise abschaffen. Bisher dürfen Reisende bei der Einreise begrenzte Mengen steuerfrei mitbringen – darunter Zigaretten, Tabak und E-Liquids für E-Zigaretten.

Diese Freigrenzen sollen in den kommenden Jahren zunächst halbiert und später vollständig gestrichen werden. Ziel ist es, den Konsum wirtschaftlich unattraktiver zu machen und zusätzliche Einnahmen zu erzielen.

Parallel dazu sieht ein neues Gesetz ab 2026 vor, dass Warnhinweise künftig nicht nur auf Zigarettenpackungen, sondern auch auf E-Zigaretten und andere Rauchprodukte in grafischer Form verpflichtend angebracht werden müssen. Dennoch glaubt weniger als die Hälfte der Befragten, dass diese Maßnahmen tatsächlich abschreckend wirken.

Besondere Sorge bereitet der Krebsgesellschaft die Entwicklung bei Jugendlichen. E-Zigaretten gelten dort häufig als weniger schädliche Alternative zu klassischen Tabakprodukten. Diese Einschätzung sei jedoch falsch, warnt die Organisation. im

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

 15.06.2026

Nahost

Hisbollah: Waffenruhe gilt auch für Libanon

Die geplante 60-tägige Waffenruhe zwischen den USA und Iran gelte auch für den Libanon, behauptet die Terror-Miliz. Doch eine Bestätigung gibt es dafür nicht

 15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Reisen

2,4 Millionen Israel-Flugtickets könnten storniert werden

Noch immer nehmen US-Maschinen den größten Teil des Ben-Gurion-Flughafens in Beschlag. Verkehrsministerin Regev warnt vor Schäden in Milliardenhöhe

von Sabine Brandes  15.06.2026

Rehovot

Israelis entwickeln neue Methode zur Suche nach außerirdischem Leben

Wissenschaftler des Weizmann-Instituts haben ein statistisches Analysewerkzeug entwickelt, das anhand von Molekülmustern erkennt, ob bestimmte Stoffe biologischen Ursprungs sind

 15.06.2026

Tel Aviv

Naftali Bennett: »Netanjahu kann es einfach nicht mehr«

»Er kann keine Kriege gewinnen. Er kann die Kriminalität nicht bekämpfen. Er kann die Preise nicht senken. Er kann die Ultraorthodoxen nicht in die israelische Gesellschaft integrieren«, sagt der Kandidat der Partei »Zusammen«

 15.06.2026

Kommentar

Die Welt atmet auf, viele Juden tun es nicht

Weder Hamas noch Hisbollah sind verschwunden. Das iranische Regime sitzt weiterhin in Teheran, mit derselben Ideologie, die den 7. Oktober verursacht hat

von Guy Katz  15.06.2026

Washington D.C.

Trump über Netanjahu: Er hat kein Urteilsvermögen

Der amerikanische Präsident beschwert sich über Israels jüngste Attacken auf Hisbollah-Ziele in der libanesischen Hauptstadt: »Warum musste Bibi einen verdammten Angriff durchführen?«

 15.06.2026

Palästinensische Gebiete

Abbas kündigt Präsidentschaftswahlen für 2027 an

Es wären die ersten seit 20 Jahren

 14.06.2026