Westjordanland

Sicherheitsbehörden: Angriffe gewaltbereiter Siedler gehen zurück

Eine Konfrontation israelischer Siedler mit Palästinensern im Westjordanland´am 3. Juli 2026 Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Die Zahl schwerer Gewalttaten extremistischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland ist nach Angaben israelischer Sicherheitsbehörden zuletzt deutlich zurückgegangen. Seit dem Höchststand im März sei die Zahl der Angriffe, bei denen Palästinenser verletzt oder ihre Leben gefährdet wurden, um rund 25 Prozent gesunken.

Die neuen Zahlen wurden laut einem Exklusivbericht der »Jerusalem Post« am Mittwoch der israelischen Führung vorgelegt. Werden sämtliche Gewalttaten berücksichtigt, also auch Vorfälle ohne unmittelbare Lebensgefahr, beträgt der Rückgang demnach etwa elf Prozent.

Sicherheitskreise führen die Entwicklung auf verstärkte Maßnahmen von Armee, Inlandsgeheimdienst Schin Bet und Polizei zurück. Gegen besonders gewalttätige israelische Extremisten seien Ermittlungen eingeleitet, Festnahmen vorgenommen und Einschränkungen verhängt worden.

Erfolge bei Ermittlungen

Der Kommandeur des Zentralkommandos der israelischen Armee, Generalmajor Avi Bluth, erließ in den vergangenen Wochen 23 sogenannte Verwaltungsanordnungen gegen mutmaßlich Beteiligte. Diese können unter anderem Ortsverweise für das Westjordanland oder in bestimmten Fällen Hausarrest für bis zu sechs Monate umfassen.

Auch die Polizei meldete Erfolge bei Ermittlungen. Unter anderem wurden sechs Israelis festgenommen, die verdächtigt werden, ein palästinensisches Wohnhaus in Brand gesetzt zu haben. Zudem nahm die Polizei vier Israelis fest, denen vorgeworfen wird, ein CNN-Fernsehteam im Dorf Sinjil in der Nähe von Ramallah angegriffen zu haben.

Nach Angaben der Behörden sollen die Verdächtigen Journalisten körperlich angegriffen und die Reifen ihres Fahrzeugs beschädigt haben. Sicherheitskräfte griffen ein, nahmen die mutmaßlichen Täter fest und ermöglichten dem Fernsehteam eine sichere Weiterfahrt.

UN macht gegensätzliche Angaben

Die Vereinten Nationen teilten am vergangenen Donnerstag mit, dass die Gewalt durch Siedler im Westjordanland ein Rekordniveau erreicht habe; täglich komme es im Durchschnitt zu sechs Angriffen, die Verletzte oder Sachschäden zur Folge hätten.

Lesen Sie auch

Gewaltwelle im Februar

Die israelischen Sicherheitsbehörden sehen hingegen die jüngste Gewaltwelle als zurückgehend. Sie habe mit dem Start der israelisch-amerikanischen Militäroperationen gegen den Iran am 28. Februar begonnen, hieß es. Die Zunahme jener Angriffe damals bezeichneten Vertreter der Sicherheitsorgane als »beispiellos«.

Nach Einschätzung der Behörden hatte es bislang meist nach palästinensischen Terroranschlägen eine Zunahme von Gewalt extremistischer Israelis gegeben. Die aktuelle Entwicklung sei jedoch anders: Erstmals habe eine solche Welle stattgefunden, während Israel eine Militäroperation zur Verbesserung der eigenen Sicherheitslage durchführe.

Nach Angaben israelischer Sicherheitsvertreter stehen etwa 70 Personen im Verdacht, als zentrale Organisatoren hinter den Angriffen zu stehen. Weitere rund 300 Menschen werden als Mitläufer eingestuft, die von diesen Gruppen mobilisiert worden seien.

Anarchistische Randgruppe

Die Behörden betonen zugleich, dass es sich bei vielen Beteiligten nicht um Bewohner des Westjordanlands handele. Ein großer Teil werde als anarchistische Randgruppe junger Extremisten beschrieben, die sich weder an familiäre Autorität noch an rabbinische Führung oder staatliche Institutionen gebunden fühle.

Politische und sicherheitspolitische Verantwortliche in Israel verurteilen die Angriffe als illegal und unvereinbar mit jüdischen Werten. Sie warnen, solche Taten lenkten vom Kampf gegen palästinensischen Terrorismus ab, schadeten dem internationalen Ansehen Israels und gefährdeten die gesellschaftliche Identität des Landes.

Gleichzeitig räumen Behörden ein, dass weitere Maßnahmen notwendig seien, um die »illegale Selbstjustiz« einzudämmen. Vorwürfe, der Staat unternehme nichts gegen die Täter, weisen sie jedoch zurück. Israelische Menschenrechtsorganisationen wie Yesh Din oder B’Tselem argumentieren seit Jahren, dass Siedlergewalt im Westjordanland nicht ausreichend wirksam strafverfolgt würde.

Die Zahl der palästinensischen Terroranschläge auf Israelis im Westjordanland von Oktober 2023 bis April 2026 beziffert das israelische Außenministerium auf 1420. ja

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei stellt Suche ein

Europol hat die Ermittlungen im Fall der in Wien vermissten Israelinnen übernommen. Auch der Mossad soll vor Ort sein. Es wird davon ausgegangen, dass Mutter und Tochter nicht mehr in der Stadt sind

 14.08.2026

Religiosität

Mehr Israelis für jüdische Präsenz im öffentlichen Raum

Wie hält es der Israeli mit der Religion und genauer: mit dem öffentlich gelebten Judentum? Dieser Frage ging ein Rabbinernetzwerk nach

von Andrea Krogmann  14.08.2026

Washington/Tel Aviv/Gaza

US-Ermittler untersuchen Spendenkampagnen mit möglichen Verbindungen zu Terrorgruppen

Hunderttausende Euro sollen an die Hamas und den Palästinensischen Islamischen Dschihad weitergegeben worden sein

 14.08.2026

Nahost

Benjamin Netanjahu auf Gegenkurs zu Donald Trump

Israels Premier weist den Gaza-Plan des US-Präsidenten zurück

von Sophie Albers Ben Chamo  14.08.2026

Israel

Die Stimme, der man traut: Oren Nahari ist tot

Mit nur 70 Jahren ist der beliebte Journalist Oren Nahari gestorben. Wenige Tage nach seiner letzten Radiosendung

 13.08.2026

Wien

Vermisste Israelinnen: Gerüchte sorgen für Aktiensturz

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter in Österreich haben Gerüchte in den sozialen Medien zu einem Kurssturz bei der israelischen Bank geführt, bei der eine der Frauen arbeitet

 13.08.2026

Nahost

Ex-Botschafter Seibert fordert »klare europäische Position« zu Israel

Bis vor kurzem war er das Gesicht deutscher Diplomatie in Israel: Steffen Seibert. In einem Interview äußert er sich zu Grenzen der Staatsräson, Siedlungen, dem Terror der Hamas und gegen Boykotte

 13.08.2026

Militär

Gefährlicher Schwarm

Experte Danny Orbach über neue Technologie in der Kriegsführung, Herausforderungen beim Zivilschutz und den Drohnenfund in Leipzig

von Sabine Brandes  13.08.2026

Nachrichten

Warnung, Netzwerke, Jahrzeit

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  13.08.2026