Tel Aviv

Israelische Forscher entwickeln Bluttest zur Erkennung von Lungenkrebs

Foto: picture alliance / Zoonar

Ein Bluttest israelischer Forscher könnte die Diagnose von Lungenkrebs künftig deutlich einfacher machen. In einer klinischen Studie erreichte das Verfahren eine Genauigkeit von fast 93 Prozent. Nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler könnte die Methode langfristig eine wesentlich günstigere Alternative zu aufwendigen genetischen Untersuchungen werden. »The Jerusalem Post« berichtete.

An der Untersuchung waren Forscher der Universität Tel Aviv, des Bnai Zion Medical Center, des Sheba Medical Center und des Unternehmens JaxBio Technologies beteiligt. Geleitet wurde die Studie von Abed Agbaria, dem Leiter der Onkologie am Bnai Zion Medical Center. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift »npj Precision Oncology« veröffentlicht.

Für die Studie wurden 103 Menschen untersucht. Der neue Test benötigt lediglich eine Blutprobe. Dabei werden im Blut zirkulierende Fragmente sogenannter zellfreier DNA analysiert. Eine spezielle Chip-Technologie und eine Fluoreszenzanalyse sollen dabei charakteristische Veränderungen im Erbgut sichtbar machen.

Biologischer Vorgang

Im Mittelpunkt steht die sogenannte DNA-Methylierung. Bei diesem biologischen Vorgang werden bestimmte chemische Gruppen an die DNA angeheftet. Dadurch kann die Aktivität einzelner Gene verändert oder unterdrückt werden. Bei Krebs können sich solche Muster verändern und damit Hinweise auf krankhaft veränderte Zellen liefern.

Die israelischen Forscher machten sich diese Unterschiede zunutze. Anhand der charakteristischen Methylierungsmuster soll der Test nicht nur erkennen können, ob Krebszellen vorhanden sind. Er kann nach den bisherigen Ergebnissen auch zwischen verschiedenen Formen von Lungenkrebs unterscheiden.

Bei Patienten mit Lungenkrebs im Stadium zwei bis vier erreichte das Verfahren eine Sensitivität von 93,1 Prozent. Die Spezifität lag bei 90,3 Prozent. Außerdem konnte der Test zwischen Adenokarzinomen und Plattenepithelkarzinomen unterscheiden.

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Finanzieller Vorteil

Der finanzielle Vorteil ist ebenfalls erheblich. Die Forscher gehen von durchschnittlichen Kosten von rund 60 Dollar für einen Test aus. Damit könnte das Verfahren deutlich günstiger sein als komplexe genetische Sequenzierungen, die bislang für bestimmte diagnostische Fragestellungen eingesetzt werden.

Agbaria betont, dass gerade bei Lungenkrebs der Zeitpunkt der Diagnose entscheidend sein kann. »Lungenkrebs ist eine Erkrankung, bei der der Zeitpunkt der Diagnose von enormer Bedeutung ist. Je früher wir die Krankheit erkennen können, desto größer sind die Möglichkeiten für Behandlung und Heilung«, sagte der Onkologe laut »The Jerusalem Post«.

Das Ziel sei ein Verfahren, das unkompliziert, zugänglich und breit verfügbar sein könne. »Unser Ziel ist es, ein Werkzeug zu entwickeln, das einfach, zugänglich und leicht verfügbar ist und uns dabei helfen kann, die Krankheit in einem Stadium zu erkennen, in dem ein sinnvoller Eingriff noch möglich ist«, erklärte Agbaria.

Größere Studie

Allerdings ist der Bluttest noch nicht für den routinemäßigen Einsatz bereit. Die bisherige Untersuchung war vergleichsweise klein. Nach Angaben der Forscher läuft deshalb bereits eine größere Studie, an der mehrere medizinische Zentren in Israel und Europa beteiligt sind.

Erst wenn diese weiterführenden Untersuchungen die bisherigen Ergebnisse bestätigen, kann beurteilt werden, ob sich die Methode tatsächlich für eine breite Anwendung in der Krebsdiagnostik eignet. Die bisherigen Daten liefern jedoch einen Hinweis darauf, dass sich Blutproben künftig wesentlich stärker für die Suche nach bestimmten Krebsarten nutzen lassen könnten.

Die Forscher sehen darin insbesondere eine Chance für eine frühere Diagnose. Bei Lungenkrebs werden Tumoren nicht selten erst entdeckt, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Ein relativ einfacher und kostengünstiger Bluttest könnte deshalb langfristig eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, verdächtige Veränderungen früher zu erkennen. im

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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