Tourismus

Wenn Akko leuchtet

Die Lichtershow kommt ganz ohne Sprache oder Untertitel aus. Foto: Old Akko Development Company

Eine Festung, die 1000 Tage Krieg und Tausende Jahre von Imperien und Eroberungen überstanden hat, erwacht wieder zum Leben – und zwar mit jeder Menge Tam-Tam. Doch während die imposanten Kreuzritterhallen der Altstadt von Akko ab sofort in Licht, Musik und bunten Bildern die 2000-jährige Geschichte der Stadt erzählen, kämpft die Hafenstadt selbst noch immer mit den Folgen von Pandemie, Unruhen und Krieg – und um die Rückkehr der Touristen.

Mit knapp viereinhalb Millionen Euro finanzierte das Tourismusministerium die nächtliche »Sound-and-Light-Show«. 22 besonders leistungsstarke Projektoren und mehr als zehn Kilometer Glasfaserkabel wurden herangeschafft und im Innenhof der Kreuzritterfestung installiert. Die aufwendigen Vorbereitungen haben ihren Preis: 59 Schekel kostet der Eintritt, etwa 17 Euro.

Kreiert hat die Show das französische Studio Cosmoav, das unter anderem an Video-Mapping-Inszenierungen für die Wiedereröffnung von Notre-Dame in Paris beteiligt war. Kuratiert wurde das Projekt von Eilat Lieber, der Leiterin der Davids­zitadelle in Jerusalem.

Lichteffekte, Farben und laute Musik

Die 35 Minuten lange Show, die jeden Abend nach Sonnenuntergang läuft, setzt auf Lichteffekte, Farben und laute Musik. Es gibt weder Sprache noch Untertitel, die durch die Jahrhunderte führen; Erzähler ist allein die emotionale Dramaturgie. Die Aufführung wurde barrierefrei gestaltet und mit besonderen Elementen für Menschen mit Hör- und Sehbehinderungen versehen.

Die visuelle Reise beginnt in der Antike und bewegt sich durch hellenistische, römische und byzantinische Zeiten.

Die visuelle Reise beginnt in der Antike und bewegt sich durch hellenistische, römische und byzantinische Zeiten. Es folgen die Epoche der christlichen Kreuzfahrer – für die Akko berühmt ist –, die osmanische Herrschaft und das Britische Mandat bis hin zur Gründung des Staates Israel 1948 und zur Gegenwart.

Akko, eine der ältesten und geschichtsträchtigsten Städte Israels, war viele Jahrhunderte lang ein Knotenpunkt der Region. Händler, Armeen, Pilger, Reiche und Arme kamen, siedelten und hinterließen ihre Spuren. Die Kreuzritter machten die Stadt zeitweise zur Hauptstadt ihres Königreichs. Ihre Hinterlassenschaften sind heute UNESCO-Weltkulturerbe. Zwischen den alten Mauern pulsiert die Gegenwart mit Marktständen, Restaurants, Werkstätten und Wohnhäusern.

Nachtleben und Tourismus in die Altstadt zurückbringen

Für Yuval Porat, Generaldirektor der Old Akko Development Company, ist es wichtig, dass die Geschichte »auf kraftvolle, emotionale und visuell beeindruckende Weise« dargestellt wird. »Denn unser Ziel ist es, Nachtleben und Tourismus in die Altstadt zurückzubringen, Menschen auch in den Abendstunden anzuziehen und so Unternehmertum, Kultur und Investitionen zu fördern.« Denn derzeit gibt es in Akko besonders wenige Touristen aus dem Ausland. Viele Läden im türkischen Basar sind geschlossen, und vor allem abends liegt die Altstadt oft verlassen da.

Wie tief die Krise die Tourismusbranche traf, beschrieb der bekannte Koch und Gastronom Uri Buri im Herbst 2024. Die Sicherheitslage wirke sich »total auf die Buchungen aus«, so der Betreiber eines Restaurants und Hotels. Innerhalb einer Woche seien die Reservierungen um 90 Prozent eingebrochen.

Auch Meir Davidzon, Besitzer des Boutiquehotels »Akotika«, spricht von einem dramatischen Rückgang: Sein Haus habe sich innerhalb weniger Wochen »fast vollständig geleert«. Vereinzelt gebe es noch Gäste, »aber das ist nichts«. Andere Hotels und Geschäfte seien ganz geschlossen oder arbeiteten nur noch eingeschränkt.

Das jüngste Kapitel einer Reihe von Rückschlägen

Dabei ist die gegenwärtige Krise nur das jüngste Kapitel einer Reihe von Rückschlägen. Erst kam die Corona-Pandemie. 2021 wüteten die gewaltsamen Unruhen zwischen jüdischen und arabischen Israelis in der gemischten Stadt besonders hart. Es kam zu Verletzten, Sachbeschädigungen und Brandstiftungen. Daniel Arma, Leiter der städtischen Tourismusabteilung, schlussfolgerte damals: »Ein beschädigtes Geschäft zu renovieren, ist kein Problem. Doch das Vertrauen zurückzugewinnen – das ist schwer und jetzt unsere wichtigste Aufgabe.«

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Ab 2023 dann schreckte der Krieg mit der Hisbollah im nahen Libanon viele Besucher ab. Raketenteile trafen in Akko unter anderem ein Wohnhaus, einen Kindergarten und ein Einkaufszentrum. Wie schwer die touristische Infrastruktur besonders im Norden des Landes noch immer betroffen ist, zeigt sich auch an aktuellen Zahlen: In den ersten vier Monaten des Jahres lag die Auslastung der Hotels bei lediglich 25 Prozent.

Mit Corona und Krieg sind die Übernachtungszahlen eingebrochen.

Vor diesem Hintergrund ist die millionenschwere Lichtshow mehr als nur eine neue Attraktion. Sie ist auch der Versuch, ein Stück dieses verlorenen Vertrauens zurückzugewinnen. Für das Tourismusministerium ist die Attraktion Teil eines größeren Versuchs, die touristische Infrastruktur an verschiedenen historischen Stätten von Nord nach Süd auszubauen.

Die Besucher sollen nicht »nur durch die alten Gassen spazieren, die Kreuzritterhallen besichtigen und anschließend wieder abreisen«, heißt es aus Jerusalem. »Sie sollen bleiben. Wir wünschen uns, dass sie auf dem Markt einkaufen, einen Abend in der Stadt verbringen, in die Restaurants und Bars einkehren und das Leben in der alten Hafenstadt nach Einbruch der Dunkelheit erleben.«

Eines der führenden Tourismusziele Israels

»Vor dem großen Zusammenbruch des Tourismus empfing Akko jährlich mehr als eine Million Besucher aus aller Welt«, erzählt Porat. »Und wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Stadt wieder zu ihrem früheren Status als eines der führenden Tourismusziele Israels zurückzubringen.«

Wenn am Abend die alten Steine zu leuchten beginnen, soll damit nicht nur die jahrtausendealte Geschichte in den Vordergrund gerückt werden, sondern auch der Blick in die Zukunft für die alten Gemäuer und ihre Bewohner. In der Hoffnung, dass mit den bunten Lichtern auch das touristische Leben in die Gassen zurückkehrt.

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