Schlangen und Eidechsen gehörten offenbar über einen Zeitraum von rund 3000 Jahren zum Speiseplan der Natufier. Das zeigt eine Studie der Universität Haifa, für die Archäologen Tausende von Reptilienknochen aus einer prähistorischen Siedlung am Carmel untersucht haben. Die Funde liefern israelischen Medienberichten zufolge zugleich neue Hinweise darauf, wie sich die Ernährung veränderte, als die Menschen begannen, dauerhaft an einem Ort zu leben.
Die Natufier lebten vor etwa 15.000 Jahren in der Levante. Ihre Kultur markiert eine wichtige Übergangsphase: Aus mobilen Jägern und Sammlern wurden zunehmend Gemeinschaften, die länger an einem Ort blieben, feste Strukturen errichteten und ihre Nahrung stärker aus der unmittelbaren Umgebung bezogen.
»Der Übergang zu einer dauerhaften Besiedlung bedeutete, dass die Menschen über längere Zeit auf Nahrungsressourcen aus ihrer unmittelbaren Umgebung angewiesen waren«, sagt Maayan Lev von der Schule für Archäologie und maritime Kulturen der Universität Haifa, die die Untersuchung leitete und zugleich am Institut für prähistorische und frühgeschichtliche Archäologie der Universität Kiel tätig ist.
Zunehmende Sesshaftigkeit
Die Wissenschaftler wollten unter anderem herausfinden, ob Reptilien tatsächlich regelmäßig gegessen wurden, welche Arten bevorzugt auf dem Speiseplan standen und ob sich deren Nutzung mit der zunehmenden Sesshaftigkeit der Bewohner veränderte.
Dafür untersuchten sie Tausende Knochen aus 20 archäologischen Schichten auf der sogenannten el-Wad-Terrasse im Carmelgebirge. Der Fundort liegt im heutigen Naturschutzgebiet Nahal Me’arot. Die Schichten stammen von vor 15.000 Jahren und dokumentieren die Besiedlung durch Natufier über mehrere Jahrtausende.
Unter dem Mikroskop suchten die Forscher nach charakteristischen Spuren. Dazu gehörten Schnittspuren, Verbrennungen sowie Hinweise auf Verdauung oder das Zertrampeln der Knochen. Auf diese Weise ließ sich unterscheiden, ob ein Tier von Menschen als Nahrung genutzt worden war oder ob die Überreste beispielsweise durch Raubtiere an den Fundort gelangten.
Schnitte an Wirbeln
Besonders aussagekräftig waren 82 Wirbel großer Schlangen. An ihnen fanden sich Schnittspuren, die jeweils an vergleichbaren Stellen lagen. Teilweise wiesen einzelne Wirbel mehrere Schnitte auf. Für die Forscher ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Tiere gezielt zerlegt und für den Verzehr vorbereitet wurden.
Auch die große Zahl der Funde spricht gegen eine gelegentliche Nutzung. Schlangen- und Eidechsenreste tauchten in sämtlichen 20 untersuchten Schichten auf. Die Reptilien waren damit über einen sehr langen Zeitraum Bestandteil der Ernährung.
Besonders häufig fanden die Archäologen Reste von drei größeren Arten: der Scheltopusik beziehungsweise Panzerschleiche, der Pfeilnatter und der Montpellier-Schlange. Andere Arten, darunter Vipern, wurden offenbar seltener erbeutet.
Auffällig ist zudem ein Zusammenhang zwischen der Siedlungsweise und dem Reptilienkonsum. In Phasen, in denen die Menschen länger und intensiver am Fundort lebten, war der Anteil der Reptilien, die vermutlich als Nahrung dienten, höher. Wenn die Besiedlung wieder stärker saisonal geprägt war, ging ihre Bedeutung zurück. im