Archäologie

Ton, Steine, Scherben in der Datenbank

Der Beit Shean National Park Foto: Flash 90

Eines der ehrgeizigsten Digitalisierungsprojekte im Bereich der Archäologie weltweit hat begonnen: Fast vier Millionen Einträge verzeichnet Israels Archäologie-Archiv online. Mit der »Israel National Archaeological Database« hat die Altertumsbehörde (IAA) kürzlich eine Plattform freigeschaltet, die nahezu das gesamte archäologische Wissen des Landes zentral bündelt und frei zugänglich macht, für Forscher ebenso wie für die breite Öffentlichkeit.

Die Datenbank zählt zu den größten digitalen Archiven ihrer Art weltweit. Das System umfasst aktuell 3.910.005 Einträge, darunter 964.393 archäologische Objekte, mehr als 1,22 Millionen Bilder, 15.164 dreidimensionale Modelle von Funden und Ausgrabungsstätten sowie Grabungsberichte, Archivdokumente und wissenschaftliche Publikationen. Erfasst sind Entdeckungen aus allen Epochen, von der Frühgeschichte über biblische Zeiten bis in die islamische und osmanische Periode.

Recherche nach Fundorten, Zeiträumen, Objektarten oder Stichworten

Über verschiedene Suchfunktionen können Nutzer auf Hebräisch und Englisch gezielt nach Fundorten, Zeiträumen, Objektarten oder Stichworten recherchieren. Ein zentrales Element ist die interaktive geografische Suche: Damit lässt sich auf einer digitalen Karte ein beliebiges Gebiet markieren, woraufhin sämtliche zugehörigen archäologischen Informationen angezeigt werden. Und das alles inklusive Fotos, 3D-Scans, Grabungsprotokollen und Fachliteratur. Was früher monatelange Archivarbeit und Reisen erforderte, ist nun in Sekunden abrufbar.

»In einem Land mit einem so reichen kulturellen Erbe wie Israel hat sich über Jahrzehnte hinweg eine enorme Menge an archäologischen Informationen angesammelt«, erklärt Alby Malka, Leiter der Technologieabteilung der Israelischen Altertumsbehörde. »Nach israelischem Gesetz muss jeder archäologische Fund gemeldet, dokumentiert und in den Nationalarchiven hinterlegt werden. So entsteht kontinuierlich ein riesiger Datenbestand – von Schriftrollen und Münzen über Keramik, Schmuck bis hin zu architektonischen Fragmenten.«

Die neue Datenbank sei deshalb weit mehr als ein technisches Upgrade, betont Malka: »Sie ist eine echte Revolution. Statt Monate in gedruckten Archiven zu verbringen, kann heute jeder – Forscher ebenso wie interessierte Laien – ein Wort eingeben oder einen Punkt auf der Karte markieren und erhält sofort alle verfügbaren Informationen. Ohne Einschränkungen, von überall auf der Welt.«

Masada ist mit Tausenden Funden dokumentiert

Wie umfassend dieses digitale Archiv ist, zeigt sich beispielhaft an Israels bekanntesten Ausgrabungsstätten. Die Felsenfestung Masada in der Nähe des Toten Meers, Symbol des jüdischen Widerstands gegen das Römische Reich, ist mit Tausenden Funden dokumentiert – von Keramik und Münzen bis zu detaillierten Bauplänen und Grabungstagebüchern.

In Beit Schean (Skythopolis), einer der bedeutendsten Städte der antiken Dekapolis – zehn antike Städte östlich und südlich des Sees Genezareth, zwischen Damaskus im Norden und Philadelphia, heute Amman, im Süden –, kann man anhand von Bildern, Plänen und Beschreibungen digital auf römischen Straßen umherwandern oder Thermen, Theater und byzantinische Kirchen betreten. Durch die Artefakte aus Caesarea, der einzigartigen Hafenstadt von Herodes, wird erkennbar, wie einzelne Fundorte Teil eines größeren historischen Geflechts sind.

Auch wissenschaftlich eröffnet das Archiv neue Dimensionen. Débora Sandhaus, Chefwissenschaftlerin der Altertumsbehörde, spricht von einem globalen Durchbruch: »Das Israel National Archive for Archaeology ist nicht nur ein Schatz für Israel, sondern ein Gewinn für die internationale Forschung. Es ermöglicht erstmals groß angelegte vergleichende Studien zur Geschichte der Levante, die zuvor schlicht nicht möglich waren.«

Israel ist das Land mit den meisten Ausgrabungen

Sandhaus betont, dass die Initiative alle Phasen des archäologischen Prozesses, von der Planung einer Ausgrabung bis zur Veröffentlichung oder Ausstellung der Funde, vereint. »Israel ist das Land mit den meisten Ausgrabungen weltweit, und dieser immense Datenschatz wird nun Forschern im In- und Ausland leicht zugänglich sein«, sagt sie. »Diese Zugänglichkeit ist in Zeiten erschwerter Reisen nach Israel besonders wichtig.«

Neben der Forschung richtet sich das Projekt bewusst auch an die jüngere Generation. Die visuelle Aufbereitung, die 3D-Modelle und die intuitive Navigation sollen Geschichte erlebbar machen und den Zugang zum kulturellen Erbe erleichtern.

Mit dem neuen Archiv positioniert sich Israel an der Spitze der digitalen Archäologie. Die Plattform verbindet jahrzehntelange Feldforschung mit modernster Technologie und macht deutlich, dass der Blick in die Vergangenheit heute mehr denn je von offenen Daten, globaler Zusammenarbeit und digitalem Zugang geprägt ist.

Der Direktor der Altertumsbehörde, Eli Escusido, verweist auf die besondere Verantwortung Israels: »Dieses Land war über Jahrtausende hinweg eine Kreuzung der Kulturen. Wir sind die Hüter der Spuren jeder Glaubensrichtung, Kultur und Religion, die jemals durch dieses Land gezogen ist – das ist unser moralischer und gesetzlicher Auftrag.«

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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