Ein internationales Forscherteam hat in der südafrikanischen Wonderwerk-Höhle Belege für die bislang früheste gezielte Nutzung von Feuer durch frühe Menschen entdeckt. Beteiligt war auch Liora Kolska Horwitz von der Hebräischen Universität Jerusalem. Die im Fachjournal »Plos One« veröffentlichte Studie verschiebt den bisher angenommenen Zeitpunkt um mehrere hunderttausend Jahre nach hinten: Statt der bislang belegten eine Million Jahre gehen die Wissenschaftler nun von bis zu 1,8 Millionen Jahren aus.
Möglich wurde der Fund durch eine neu entwickelte Untersuchungsmethode, mit der sich Brandspuren an fossilen Knochen nachweisen lassen. Dabei wird eine Substanz auf den Knochen aufgetragen. Verbrannte Stellen leuchten anschließend unter UV-Licht weiß auf.
»Die neue Methode nutzt Lumineszenz, um Spuren von Verbrennungen nachzuweisen«, erläuterte Kolska Horwitz laut »The Times of Israel« (ToI). »Der Hauptgrund, warum wir eine neue Methode entwickeln wollten, ist, dass die gängigen Verfahren recht teuer und invasiv sind, da man ein kleines Knochenstück zermahlen muss und somit Beweise zerstört.« Ziel sei ein Verfahren gewesen, »das schnell und günstig ist und auch von Menschen vor Ort in einer kleinen Feldstation durchgeführt werden kann.«
20 Jahre an der Stätte
Die Wonderwerk-Höhle gilt unter Archäologen seit Langem als außergewöhnlich, da sie über rund zwei Millionen Jahre hinweg bewohnt war – von den frühesten bekannten Bewohnern bis zu einer Bauernfamilie, die dort Anfang des 20. Jahrhunderts vorübergehend Unterschlupf fand. »Die Besiedlung der Höhle beginnt vor etwa zwei Millionen Jahren und ist mit einer als Oldowan bezeichneten Steinwerkzeugkultur verbunden«, so Kolska Horwitz, die seit über 20 Jahren an der Stätte forscht.
»Die meisten Oldowan-Fundstätten waren kleine Lagerplätze im Freien. Hier haben wir eine Höhle, in die Menschen bewusst eingezogen sind – Wonderwerk ist somit das älteste bekannte Höhlenheim.« Da sich in keiner Schicht der Höhle menschliche Knochen fanden, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen, welche Frühmenschenart dort lebte.
»Es gab zu jener Zeit mehrere Hominiden-Arten im südlichen Afrika, und da wir keine menschlichen Überreste gefunden haben, ist es schwierig, dies mit Sicherheit festzulegen – aber wahrscheinlich war es eine Form des Homo erectus«, sagte die Forscherin dem ToI-Bericht zufolge. Sie hofft, bei künftigen Grabungen doch noch fündig zu werden: »Vielleicht passiert das, wenn wir im Juli wieder zur Ausgrabung zurückkehren.«
Nicht zwingend selbst entfacht
Dass es sich bei den nun nachgewiesenen Spuren um absichtlich entzündetes Feuer handelt, begründet das Team mit der Lage der Fundstelle tief im Innern der Höhle. »Wir können sagen, dass es sich nicht um ein natürliches Feuer handelt, denn die Brandstelle liegt mindestens 30 Meter vom Höhleneingang entfernt – ein Waldbrand hätte sich dort nicht hineinschleichen können«, erklärte Horwitz.
»Es gibt in dieser Schicht auch nichts, was eine sogenannte Selbstentzündung hätte auslösen können, etwa Guano-Ablagerungen, die sich durch ihre chemische Zusammensetzung plötzlich selbst entzünden. Das Feuer muss von jemandem dorthin gebracht worden sein«, so die Wissenschaftlerin. Dass Frühmenschen das Feuer selbst entfacht hätten, sei damit allerdings nicht bewiesen. »Es handelt sich um eine gezielte Nutzung von Feuer, was nicht bedeutet, dass die Menschen es entzündet haben – das sind zwei verschiedene Dinge«, betonte sie.
Die zeitliche Einordnung der Fundschicht stützt sich auf zwei Verfahren, die größtenteils von einem israelischen Team der Hebräischen Universität gemeinsam mit dem Geologischen Dienst Israels durchgeführt wurden: die paläomagnetische Datierung sowie die kosmogene Vergrabungsdatierung. Erstere macht sich Verschiebungen im Magnetfeld der Erde zunutze. Bei der zweiten Methode macht man sich winzige Quarzkörner im Bodensediment zunutze, die mit dem Eintritt in die Höhle aufhören, kosmische Strahlung der Sonne zu empfangen. im