Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Särge mit den Überresten von Schimon und Rivka Herzl wurden in Jerusalem beigesetzt Foto: Flash90 2026

Auf den Tag genau 77 Jahre nach der Umbettung der sterblichen Überreste von Theodor Herzl (1860-1904) sind auch seine Großeltern väterlicherseits auf dem nach dem Begründer des Zionismus benannten Ehrenfriedhof in Jerusalem beigesetzt worden.

Schimon und Rivka Herzl lagen bislang auf einem jüdischen Friedhof in der serbischen Hauptstadt Belgrad begraben. Die von Theodor Herzl gegründete World Zionist Organization (WZO) hatte sich für die Umbettung und Überführung nach Israel eingesetzt, weil Herzl in seinem Testament den Wunsch geäußert hatte, dass er und seine Familie dereinst in Israel ihre letzte Ruhe finden sollten, wenn sein Traum von einem jüdischen Staat Wirklichkeit würde.

Premier Benjamin Netanjahu, Präsident Isaac Herzog und WZO-Vorsitzender Yaakov Hagoel bei der Zeremonie auf dem Herzlberg am 5. August 2026Foto: copyright (c) Flash90 2026

Schimon Herzl (1797–1879) gilt als einer der prägenden Gestalten im Leben des jungen Theodor und hatte Einfluss auf seine späteren Ideen. Die Familie lebte in der Nähe von Belgrad. »Träume werden nicht schriftlich weitergegeben, sondern am Schabbat-Tisch«, sagte Israels Präsident Isaac Herzog bei der Gedenkfeier.

Vor der erneuten Beisetzung wurden die beiden Särge mit derselben Fahne bedeckt, die am 5. August 1949 auch auf dem von Theodor Herzl gelegen hatte. Herzl war nach seinem Tod am 3. Juli 1904 im niederösterreichischen Edlach an der Rax zunächst in Wien beerdigt worden. Auch die sterblichen Überreste seiner Eltern Jakob und Jeanette und seiner Schwester Pauline wurden 1949 nach Israel überführt und dort beigesetzt. 2006 wurden dann auch zwei der drei Kinder des Staatsgründers, Pauline Hift-Herzl und Hans Herzl, in Jerusalem begraben.

Als Hans vom frühen Tod seiner drogenabhängigen Schwester erfuhr, nahm er sich aus Kummer das Leben und bat in seinem letzten Willen, an Paulines Seite beigesetzt zu werden. Dies wurde ihm jedoch zunächst verwehrt, denn er war zum Katholizismus konvertiert.

Seine Beisetzung auf dem Herzlberg 2006 war deshalb nicht unumstritten. Allerdings erkannte ihn der damalige israelische Oberrabbiner Schlomo Amar posthum als jüdisch an und legte zudem fest, dass er unmittelbar von seinem Selbstmord diesen bereut habe, sodass ein Begräbnis nach jüdischem Ritus statthaft sei.

Statue von Theodor Herzl in JerusalemFoto: copyright (c) Flash90 2026

Die Mutter der drei Kinder und Ehefrau von Theodor Herzl, Julie Naschauer, wurde nach ihrem Tod 1907 kremiert. Trude Neumann, das dritte Kind des Ehepaares, wurde im September 1942 ins NS-Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und starb dort wenige Wochen später

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte bei der Umbettungszeremonie in Jerusalem: »Die lange Reise der Familie Herzl von fremdem Boden zum Boden Zions endet heute hier, auf dem Herzlberg.« mth

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