Nahost

Netanjahu: Israel warnte Türkei vor Militäraufbau in Syrien

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gibt am Montag bei den Vorwahlen des Likud seine Stimme ab. Foto: copyright (c) Flash90 2026

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach dem israelischen Luftangriff auf einen syrischen Militärflugplatz erklärt, Ankara sei vor einer militärischen Präsenz in der Region gewarnt worden. Israel werde keinen türkischen Militäraufbau in Syrien hinnehmen, wenn dieser sich nach Süden ausdehne und damit die Sicherheit Israels gefährde.

In einem Podcast-Interview sagte Netanjahu am Mittwoch, die Warnung an die Türkei sei bereits zuvor übermittelt worden. Auf die Frage nach seiner Botschaft an Ankara antwortete er auf Englisch knapp: »Don’t« – »Tut es nicht.«

Die Warnung sei zwar weitergegeben worden, offenbar aber nicht ausreichend ernst genommen worden, sagte Netanjahu. Deshalb habe Israel dafür gesorgt, dass die Botschaft »deutlicher« verstanden werde. Einen Tag zuvor hatte die israelische Luftwaffe einen Militärflugplatz im Nordwesten Syriens angegriffen. Israel begründete den Einsatz mit Plänen der Türkei, dort eigene Kräfte zu stationieren.

Heftige Reaktionen

Nach Angaben von drei mit dem Vorgang vertrauten Personen sprach unterdessen Mossad-Chef Roman Gofman bereits am 14. August telefonisch mit dem syrischen Außenminister Asaad al-Schaibani über die türkische Militärpräsenz in Syrien.

Der israelische Angriff hat sowohl in Ankara als auch in Damaskus heftige Reaktionen ausgelöst. Die syrische Regierung erklärte, der Luftschlag habe Sachschäden verursacht, jedoch keine Menschenleben gefordert. US-Botschafter Tom Barrack bezeichnete den Angriff als »unnötige Eskalation«.

Auch das syrische Außenministerium kritisierte das Vorgehen und erklärte, man habe sich bislang zurückgehalten, um die Stabilität zu fördern und eine weitere Zuspitzung zu verhindern.

Pufferzone im Süden

Das Verhältnis zwischen Israel und der neuen syrischen Führung bleibt trotz mehrerer direkter Gesprächsrunden angespannt. Ein wesentlicher Streitpunkt ist die Präsenz israelischer Truppen in einer Pufferzone im Süden Syriens. Gleichzeitig haben beide Seiten nach israelischen Angaben vereinbart, einen Mechanismus zum Austausch nachrichtendienstlicher Informationen einzurichten.

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Besonders kritisch beobachtet Israel jedoch die Rolle der Türkei. Netanjahus Büro hatte bereits kurz nach dem Angriff erklärt, eine türkische Stationierung auf dem Flugplatz würde eine zuvor vereinbarte »Status quo«-Regelung verletzen. Israel habe Syrien wiederholt darauf hingewiesen, dass eine solche Entwicklung eine Gefahr für die israelische Sicherheit darstelle. Damaskus habe diese Warnungen jedoch ignoriert.

Ankara weist die israelischen Vorwürfe zurück und bezeichnet sie als unbegründet. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte war dem Angriff allerdings ein Besuch einer türkischen Militärdelegation auf dem Flugplatz vorausgegangen. Mehrere syrische Vertreter bestätigten ebenfalls, dass sich zuletzt eine türkische Delegation dort aufgehalten habe.

Feindliche Kräfte

Seit dem Ende des Assad-Regimes hat Israel bereits zahlreiche Ziele in Syrien angegriffen. Die Einsätze richten sich unter anderem gegen militärische Infrastruktur und sollen verhindern, dass sich feindliche Kräfte nahe der israelischen Grenze festsetzen. Der jüngste Angriff erfolgte allerdings deutlich weiter im syrischen Landesinneren als die bisherige israelische Sicherheitszone.

Die neue syrische Führung unter Ahmed al-Scharaa wird von der Türkei unterstützt. Auch US-Präsident Donald Trump hat sich hinter Scharaa gestellt und ihn bei einem Treffen am Rande des NATO-Gipfels in Ankara im Juli getroffen.

Der frühere israelische Ministerpräsident Ehud Barak griff Netanjahu wegen des Vorgehens scharf an. Er bezeichnete die Verschärfung des Konflikts mit der Türkei als »leichtfertig und dumm« und warf dem Regierungschef vor, vor der bevorstehenden Parlamentswahl bewusst Ängste in der Bevölkerung zu schüren.

Einfluss der USA

»Die Türkei ist weder der Iran noch Assads Syrien«, schrieb Barak auf X. Ein strategischer Konflikt mit Ankara könne langfristig durch diskrete Gespräche gelöst, entschärft oder zumindest aufgeschoben werden. Dabei müsse auch der Einfluss der USA auf die Türkei und Syrien genutzt werden.

Netanjahu sei bei seinem Vorgehen »völlig aus der Spur geraten«, schrieb Barak weiter. Er warf dem Ministerpräsidenten zudem politische »Überlebensmanöver« vor. Eine endgültige Entscheidung über den Umgang mit der Türkei hätte seiner Ansicht nach besser bis nach der Wahl warten sollen. im

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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