Nachruf

Uri Lupolianski gestorben

Uri Lupolianski (1951 - 2026) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nachruf

Uri Lupolianski gestorben

Der langjährige Bürgermeister Jerusalems und Gründer der Hilfsorganisation Yad Sarah erlag einer Erkrankung, unter der er schon länger gelitten hatte. Die Beerdigung findet heute statt

 08.01.2026 09:35 Uhr

Uri Lupolianski, langjähriger Bürgermeister Jerusalems und Gründer der Hilfsorganisation Yad Sarah, ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Nach Angaben aus seinem Umfeld erlag er in der Nacht nach längerer Krankheit einer deutlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustands. Lupolianski hinterlässt seine Ehefrau und zwölf Kinder. Wie israelische Medien berichten, soll die Beisetzung am Vormittag in Jerusalem stattfinden.

Lupolianski wurde 1951 in Haifa geboren und diente in jungen Jahren als Sanitäter beim Militär. 1976 gründete er Yad Sarah, eine zunächst kleine Freiwilligeninitiative, die sich zu einer der größten sozialen Organisationen Israels entwickelte. Heute betreibt Yad Sarah Dutzende Niederlassungen im ganzen Land und stützt sich auf Tausende Ehrenamtliche, die medizinische Hilfsmittel und Unterstützung für Kranke, Alte und Menschen mit Behinderungen bereitstellen.

Für sein jahrzehntelanges Engagement im sozialen Bereich erhielt Lupolianski zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Israel-Preis, den Preis des Staatspräsidenten für Freiwilligenarbeit sowie Ehrungen der Knesset und verschiedener zivilgesellschaftlicher Organisationen. Den Israel-Preis nahm er stellvertretend für Yad Sarah entgegen.

Erster ultraorthodoxer Bürgermeister

Politisch trat Lupolianski Ende der 1980er-Jahre in Erscheinung. 1989 wurde er für die ultraorthodoxe Partei Degel HaTorah in den Jerusalemer Stadtrat gewählt. Von 2003 bis 2008 stand er als Bürgermeister an der Spitze der Stadt. Er war der erste ultraorthodoxe Bürgermeister Jerusalems und zugleich der erste, der eine religiös und säkular gemischte Metropole leitete. Auf eine zweite Amtszeit verzichtete er. Die Wahl gewann später Nir Barkat, heute Wirtschaftsminister Israels.

Lesen Sie auch

Seine politische Laufbahn wurde später durch den sogenannten Holyland-Korruptionskomplex überschattet. Lupolianski wurde wegen Bestechungsvorwürfen verurteilt, nachdem Gelder eines Kronzeugen an Yad Sarah weitergeleitet worden waren. Eine ursprünglich verhängte Haftstrafe wurde 2015 vom Obersten Gerichtshof aus gesundheitlichen Gründen in gemeinnützige Arbeit umgewandelt.

Zahlreiche Politiker würdigten Lupolianski nach seinem Tod. Der Knesset-Abgeordnete Uri Maklev erklärte: »Die Welt der Barmherzigkeit hat heute ihren größten Architekten verloren.« Lupolianski habe Nächstenliebe auf eine neue Ebene gehoben und sein ganzes Leben dem Wohl anderer gewidmet. Auch der Knesset-Abgeordnete Meir Porush sprach von einem außergewöhnlichen Menschen, dessen Wirken durch unzählige gute Taten weiterlebe.

Yad Sarah erklärte in einer Mitteilung: »Wir sind verwaist. Wir trauern um unseren verehrten Gründer, eine Säule der Menschlichkeit.« Das Lebenswerk von Uri Lupolianski werde fortbestehen und weiterhin Menschen in ganz Israel helfen. im

Jerusalem

50. Jahrestag: Israel gibt Geheimdokumente zu Entebbe frei

Am 27. Juni 1976 entführten Terroristen eine Air-France-Maschine nach Uganda. Fünf Jahrzehnte später stellt das israelische Staatsarchiv die Regierungsdokumente zur militärischen Befreiung bereit

von Hans Dahne  26.06.2026

Washington D.C.

Gespräche zwischen Israel und Libanon verlängert

Die USA drängen die beiden Staaten darauf, die Verhandlungen nicht ohne Ergebnis zu beenden. Deshalb sollen die Delegationen heute erneut zusammenkommen.

 26.06.2026

Medien

»Alle Juden haben genug von dir!« Trump soll Netanjahu angeschrien haben

Auslöser für den Streit war einem neuen Buch zufolge ein israelischer Angriff auf Hamas-Führungsmitglieder in Doha

 26.06.2026

Jerusalem

Sa’ar will Anerkennung des Armenier-Genozids

Der israelische Außenminister will eine entsprechende Resolution zunächst im Kabinett einbringen. Anschließend soll sie der Knesset zur Abstimmung vorgelegt werden

 26.06.2026

Jerusalem

Isaac Herzogs Hubschrauber muss notlanden

Die Hintergründe

 26.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Tel Aviv

Gemeinsames Seemanöver Deutschlands und Israels vor Haifa

Ein Schiff der Bundesmarine besucht Haifa, es folgt ein Manöver mit Israel. Die gemeinsame Seefahrt geschieht vor dem Hintergrund einer weiter angespannten Lage in der Region nach dem Iran-Krieg

 25.06.2026

Israel

Ex-Armeechef Eisenkot könnte Netanjahu ablösen

In Umfragen holt seine Partei Jaschar rasant auf und liegt auf dem zweiten Platz hinter Likud

von Sara Lemel  25.06.2026

Knesset

Wahltag mit Fragezeichen

Der 20. Oktober gilt als Favorit für Israels nächste Parlamentswahl. Doch Streit in der Koalition und offene Gesetzesvorhaben könnten den Zeitplan noch verändern

von Sabine Brandes  25.06.2026