Jerusalem

Ein Diplomat für die christliche Welt

Israels Außenminister Gideon Sa’ar im Gespräch mit George Deek Foto: Außenministerium Israel

Inmitten angespannter Beziehungen zwischen Israel und christlichen Gemeinschaften weltweit setzt die Regierung in Jerusalem auf einen neuen diplomatischen Ansatz. Außenminister Gideon Sa’ar hat den erfahrenen Diplomaten George Deek zum Sondergesandten für die christliche Welt ernannt – eine neu geschaffene Position, die gezielt Brücken bauen soll.

Die Entscheidung kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Vorfälle das Verhältnis zwischen Israel und christlichen Kirchen belastet. Dazu zählte etwa die Kontroverse um Zugangsbeschränkungen für Geistliche am Palmsonntag in der Grabeskirche in Jerusalem während der aktiven Phase des Krieges gegen den Iran.

Zerstörung einer Jesus-Statue sorgte weltweit für Empörung

Auch international sorgte ein anderer Vorfall für Empörung: Ein israelischer Soldat wurde dabei gefilmt, wie er im Südlibanon mit einem Vorschlaghammer eine Jesus-Statue zerstörte. Das Militär reagierte mit disziplinarischen Maßnahmen, der beteiligte Soldat wurde vom Kampfdienst abgezogen und zu einer Haftstrafe verurteilt, ebenso wie derjenige, der die Tat gefilmt hatte. Andere Soldaten, die nicht eingeschritten waren, bestrafte die IDF disziplinarisch.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Ernennung Deeks besondere Bedeutung. Der erfahrene Diplomat soll sich zunächst sicher um Schadensbegrenzung kümmern. Das Außenministerium erklärte, die neue Rolle solle dazu beitragen, »die Beziehungen zu christlichen Gemeinschaften weltweit zu vertiefen« und den Dialog mit religiösen Partnern auszubauen.

Außenminister Gideon Sa’ar: »Der Staat Israel misst seinen Beziehungen zur christlichen Welt und zu seinen christlichen Freunden große Bedeutung bei.«

Außenminister Sa’ar unterstrich die strategische Dimension der Entscheidung: »Der Staat Israel misst seinen Beziehungen zur christlichen Welt und zu seinen christlichen Freunden große Bedeutung bei.« Er zeigte sich überzeugt, dass Deek »maßgeblich dazu beitragen wird, die Freundschaft zu vertiefen und die Beziehungen zwischen dem Staat Israel und der christlichen Welt zu stärken«.

George Deek bringt eine beeindruckende Biografie mit. Der 18 Jahre im diplomatischen Dienst tätige Karrierediplomat war zuletzt Botschafter Israels in Aserbaidschan – und schrieb dort Geschichte als erster christlicher Botschafter des Landes überhaupt. Innerhalb des Außenministeriums wurde er zudem mit dem »Distinguished Administrator’s Award« ausgezeichnet.

Mit Deek setzt Israel auf einen Diplomaten, der die Spannungsfelder aus eigener Erfahrung kennt: als Vertreter des Staates ebenso wie als Angehöriger einer christlichen Minderheit. Seine Aufgabe soll es sein, Vertrauen zurückzugewinnen, Missverständnisse auszuräumen und den Dialog zu intensivieren.

Deek gehört zur arabisch-christlichen Gemeinde in Jaffa

Die Ernennung ist auch symbolisch bedeutsam. Deek gehört der arabisch-christlichen Gemeinschaft in Jaffa an, einer Minderheit innerhalb Israels, die sich selbst oft als Brücke zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen versteht. Sein Vater, Joseph Deek, war über Jahre hinweg Vorsitzender der orthodoxen christlichen Gemeinde in Jaffa und landesweit aktiv.

Die neue Position des Sondergesandten ist Teil eines breiteren Versuchs, Israels internationale Beziehungen in einer Phase politischer und militärischer Spannungen neu zu justieren. Gerade die Verbindung zur christlichen Welt hat dabei nicht nur religiöse, sondern auch geopolitische Bedeutung. Millionen Christen weltweit fühlen sich historisch und spirituell mit dem Heiligen Land verbunden, viele Staaten mit christlicher Prägung gehören zu Israels wichtigsten Partnern.

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