Genf

UN-Kommission wirft Israel Genozid vor

Navi Pillay ist Vorsitzende der »Kommission zur Prüfung möglicher Verletzungen des internationalen Völkerrechts in den besetzten palästinensischen Gebieten und Israel«. Sie bezichtigte Israel schon vor Monaten der »Apartheid«. Foto: picture alliance/KEYSTONE

Israel begeht nach Auffassung der Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats (UNHRC) im Gazastreifen Genozid. Vier der fünf in der UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 erwähnten Tatbestände seien erfüllt, befindet die dreiköpfige Kommission. 

Der Botschafter Israels in Genf, Daniel Meron, sprach von einem skandalösen Bericht. »Israel weist die verleumderische Tirade kategorisch zurück«, sagte er. Mit keinem Wort würden die Terrorakte der Hamas erwähnt. Er warf den Kommissionsmitgliedern vor, antisemitische Neigungen zu haben. 

Israel erkennt wie die USA unter Präsident Donald Trump den UN-Menschenrechtsrat als Autorität nicht an und wirft ihm und seinen Kommissionen grundsätzlich vor, gegen Israel voreingenommen zu sein. Der Menschenrechtsrat besteht aus 47 Ländern, die jeweils für drei Jahre von der UN-Generalversammlung gewählt werden. 

Antiwestliche Diktatur-Apologeten

In den vergangenen 20 Jahren hat der UN-Menschenrechtsrat mehr Resolutionen gegen Israel verabschiedet, als gegen jedes andere Land auf der Welt. Zugleich verurteilt das Gremium so gut wie keine Menschenrechtsverstöße autoritärer Regime in China, Lybien, Katar, Russland oder Venezuela und in anderen Staaten.

In ihrem Bericht nennt die UNHRC-Kommission als Tatbestände: Tötung, schwere körperliche oder seelische Schädigung, vorsätzliche Schaffung von Lebensbedingungen, die auf die vollständige oder teilweise Zerstörung der palästinensischen Bevölkerung abzielen, und Maßnahmen zur Verhinderung von Geburten. Zivilisten würden getötet, humanitäre Hilfe blockiert, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen systematisch zerstört und religiöse Einrichtungen angegriffen. 

Dabei bekämpft Israel in Gaza die Hamas, die weiterhin 48 Geisel in ihrer Gewalt hat, Israel auslöschen will und weitere Massaker im Stil des 7. Oktober 2023 mehrfach angekündigt hat. Parallel versorgt der jüdische Staat die Bevölkerung Gazas. Seitdem die Hamas den aktuellen Krieg begann, sorgte Israel für die Einfuhr von mehr als zwei Millionen Tonnen an Hilfsgütern.

Lesen Sie auch

In dem Bericht heißt es dennoch: »Es gibt indirekte oder Indizienbeweise für einen besonderen Vorsatz im Verhaltensmuster der politischen und militärischen Behörden Israels sowie in den Militäroperationen, die unter Berücksichtigung der Gesamtheit der Beweise die erforderliche spezifische Absicht zur Begehung von Völkermord belegen.« 

Vorsitzende der 2021 eingerichteten Kommission zur Prüfung möglicher Verletzungen des internationalen Völkerrechts in den besetzten palästinensischen Gebieten und Israel ist Navi Pillay (83). Sie war früher Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Pillay hat aus Gesundheitsgründen ihren Rücktritt eingereicht, der im November wirksam wird.

Seit Jahren ist sie als »Israelkritikerin« bekannt. Unter anderem warf sie Israel »Apartheid« vor, obwohl gut ein Fünftel seiner Bevölkerung aus Arabern besteht, die in der Knesset repräsentiert sind. Als Ärzte, Richter, Armeekommandeure und in anderen Berufen sind sie gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft. dpa/ja

Jerusalem

Herzog ruft vor Parlamentswahl in Israel zu Einigkeit auf

Israels Präsident warnt vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft. Eine Entwicklung schmerzt ihn besonders

 06.08.2026

Vorurteile

Können wir mal reden?

Warum persönliche Begegnungen und Gespräche heute wichtiger sind denn je – insbesondere beim Thema Israel

von Sabine Brandes  06.08.2026

Nahost

Zwei israelische Reservisten bei Einsatz im Südlibanon getötet

Während des Einsatzes betraten die Opfer ein mit Sprengfallen präpariertes Haus. Vier weitere Soldaten wurden schwer verletzt

 06.08.2026

Daniel Theis im März 2026 bei einem EuroLeague-Spiel seines Ex-Klubs Monaco

Basketball

Deutscher Weltmeister Daniel Theis geht nach Israel

Der frühere NBA-Star sollte eigentlich zum französischen Klub ASVEL Villeurbanne wechseln, doch der Transfer platzte. Nun holt sich Maccabi Tel Aviv den 34-Jährigen. Auf Social Media hagelt es israelfeindliche Kommentare

 06.08.2026

Wahlkampf

Who’s who in Jerusalem?

Israels Parteien buhlen nicht nur um potenzielle Wähler, sondern auch um mögliche Bündnisse

von Sabine Brandes  05.08.2026

Inflation

Perücken-Preisexplosion in Israel: 11.000 Euro für einen Scheitel

Orthodoxe Kopfbedeckungen werden auch für Männer immer teurer. Das Rabbinatsgericht von Chabad soll endlich Preiskontrollen einführen, fordert eine Anwältin

 05.08.2026

Nachrichten

Preise, Geisel, Beben

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  05.08.2026

Meinung

Danke, Boy George!

Wie die 80er-Jahre-Ikone gegen alle Widerstände für Israel eintritt, verdient unseren Dank

von Sophie Albers Ben Chamo  05.08.2026

Jerusalem

Netanjahu weist Entwaffnungsplan für Hamas in vorliegender Form zurück

Der israelische Ministerpräsident: »Wir werden unsere derzeitigen Linien nicht verlassen, bis die Hamas vollständig entwaffnet ist.«

 05.08.2026