US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben einen für heute vorgesehenen Militärschlag gegen den Iran zunächst ausgesetzt. Grund seien ebenso intensive wie aussichtsreiche diplomatische Bemühungen mehrerer Golfstaaten.
Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump, die Führungen Katars, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate hätten ihn darum gebeten, den Angriff vorläufig nicht durchzuführen, da derzeit »ernsthafte Verhandlungen« liefen. Amerikanische Medien berichteten.
Trump zeigte sich überzeugt, dass eine Einigung möglich sei, die für die Vereinigten Staaten »sehr akzeptabel« wäre. Zugleich machte er deutlich, dass Washington an seiner harten Linie festhalte.
»KEINE ATOMWAFFEN FÜR IRAN!«, schrieb der Präsident in Großbuchstaben. Sollte Teheran keinem aus Sicht der USA tragfähigen Abkommen zustimmen, könne jederzeit ein »umfassender Großangriff« erfolgen.
Später sagte Trump vor Journalisten, die Entwicklung sei »sehr positiv«, allerdings bleibe abzuwarten, ob tatsächlich ein Durchbruch erreicht werde. In der Vergangenheit habe es bereits mehrfach Phasen gegeben, in denen eine Einigung nahe schien, die Gespräche letztlich aber scheiterten. Diesmal sei die Situation jedoch »etwas anders«. Es gebe eine »sehr gute Chance« auf ein Abkommen. »Wenn wir das erreichen können, ohne sie in Grund und Boden zu bombardieren, wäre ich sehr glücklich«, erklärte Trump.
Raketen und Drohnen
Die Spannungen in der Region dauern unterdessen an. Seit Ende Februar hatten israelische und amerikanische Streitkräfte massive Angriffe gegen Ziele im Iran geflogen. Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenattacken auf Israel sowie auf US-Einrichtungen in mehreren Golfstaaten. Ein im April vereinbarter Waffenstillstand hält zwar weitgehend, es kommt aber weiterhin vereinzelt zu militärischen Zwischenfällen.
Vor allem die arabischen Golfstaaten fürchten eine weitere Eskalation. Nach Einschätzung regionaler Sicherheitskreise verfügt der Iran weiterhin über erhebliche Raketen- und Drohnenkapazitäten. Im Fall neuer US-Angriffe könnten erneut Flughäfen, petrochemische Anlagen oder Entsalzungsanlagen in den Golfstaaten ins Visier geraten.
Zusätzlichen Druck übt Teheran über die Straße von Hormus aus. Der Iran kontrolliert weiterhin die strategisch wichtige Meerenge, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggasexports transportiert wird. Die Einschränkungen im Schiffsverkehr haben die Ölpreise international steigen lassen. Die USA wiederum verschärften zuletzt ihre Blockade iranischer Häfen, um den Druck auf die Führung in Teheran zu erhöhen.
Aus dem Iran kamen zugleich scharfe Warnungen. Ein hochrangiger Militärkommandeur riet Washington, keine weiteren »strategischen Fehler und Fehleinschätzungen« zu begehen. Die Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte zudem Aussagen von Revolutionsführer Mojtaba Khamenei, wonach neue Fronten eröffnet würden, auf denen der Gegner besonders verwundbar sei. Die Agentur griff dabei offenbar auf ältere Äußerungen Khameneis zurück.
Hinter den Kulissen laufen die Gespräche zwischen Washington und Teheran weiter. Iran erklärte am Montag, auf den jüngsten amerikanischen Vorschlag geantwortet zu haben. Vermittelt werde unter anderem über Pakistan. Iranische Medien berichteten allerdings, die USA seien bisher kaum zu Zugeständnissen bereit.
Nach Angaben iranischer Nachrichtenagenturen fordert Teheran unter anderem ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen auf allen Fronten, ein Ende der amerikanischen Seeblockade sowie Garantien gegen weitere Angriffe. Zudem verlangt der Iran offenbar Entschädigungen für Kriegsschäden und die Anerkennung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus.
Friedliche Zwecke
Die USA sollen im Gegenzug verlangt haben, dass der Iran nur noch eine Atomanlage betreibt und seine Bestände hoch angereicherten Urans an Washington übergibt. Trump hatte zuletzt angedeutet, statt einer vollständigen Aufgabe des iranischen Atomprogramms möglicherweise auch einer 20-jährigen Aussetzung zuzustimmen.
Die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten werfen dem Iran weiterhin vor, am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran weist dies zurück und betont seit Jahren, das eigene Nuklearprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken. im