Medizin

Studie aus Tel Aviv: Hautkrebs setzt Immunsystem gezielt außer Gefecht

Foto: picture alliance / PantherMedia

Israelische und internationale Forscher haben einen bislang unbekannten Mechanismus entdeckt, mit dem das gefährlichste Hautkrebsleiden, das Melanom, die Abwehrkräfte des Körpers gezielt ausschaltet. Die Tel Aviv University sprach von einem wissenschaftlichen Durchbruch, der neue Ansätze für künftige Therapien eröffnen könnte. »The Jerusalem Post« und andere israelische Medien berichteten zuerst.

Im Zentrum der Studie steht die Erkenntnis, dass Melanomzellen winzige, bläschenartige Partikel freisetzen, sogenannte extrazelluläre Vesikel. Diese Strukturen wirken wie präzise Waffen gegen das Immunsystem: Sie binden an bestimmte Abwehrzellen und setzen sie außer Gefecht – genau jene Zellen also, die Tumore normalerweise angreifen und zerstören sollen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift »Cell« veröffentlicht.

Melanome treten zwar seltener auf als andere Formen von Hautkrebs, sind jedoch besonders aggressiv. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation werden weltweit jährlich rund 325.000 Neuerkrankungen diagnostiziert, etwa 57.000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen der Krankheit.

Annahme bestätigt

Geleitet wurde die internationale Forschungsarbeit von Prof. Carmit Levy von der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften der Tel Aviv University. Beteiligt waren unter anderem Wissenschaftler des Sheba Medical Center, des Weizmann-Instituts, des Technion, mehrerer israelischer Krankenhäuser sowie Forschungseinrichtungen in den USA, Frankreich und der Schweiz.

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Bereits frühere Arbeiten hatten gezeigt, dass Melanomzellen große Vesikel – sogenannte Melanosomen – freisetzen, die die Ausbreitung des Krebses fördern. Die neue Studie geht jedoch deutlich weiter.

Levy schilderte, wie ihr im Labor ein entscheidendes Detail auffiel: »Ich bemerkte, dass sich auf der Membran dieser Vesikel ein Molekül – ein Ligand – befindet, das an einen Rezeptor bindet, der ausschließlich auf bestimmten Immunzellen vorkommt, nämlich auf Lymphozyten, die Krebszellen abtöten können.« Daraus habe sich die Hypothese ergeben, »dass dieser Ligand an die angreifenden Lymphozyten andockt und sie praktisch lähmt«. Laborversuche hätten diese Annahme bestätigt.

Außer Gefecht

Im Ergebnis, so Levy, gehe der Tumor aktiv zum Angriff über: »Der Krebs feuert diese Vesikel auf die Immunzellen ab, setzt sie außer Gefecht und tötet sie teilweise sogar.«

Aus Sicht der Forscher hat die Entdeckung erhebliche therapeutische Bedeutung. »Es eröffnet zwei Wege«, erklärte Levy. »Entweder wir stärken die Immunzellen so, dass sie den Angriff des Melanoms überstehen, oder wir blockieren die Vesikel, damit sie nicht mehr an die Abwehrzellen binden können.« Beide Ansätze könnten dazu beitragen, das Immunsystem wieder handlungsfähig zu machen und neue, wirksamere Behandlungen gegen Melanome zu entwickeln. im

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