Nach dem gemeinsamen Angriff Israels und der USA auf den Iran, wurde die Sicherheitsstufe in der gesamten Hauptstadt erhöht, im Zuge dessen auch vor jüdischen und israelischen Einrichtungen, teilte die Berliner Polizei auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen mit. Man sei sehr wachsam und habe weitere Einsatzkräfte mobilisiert, hieß es Samstagmittag.
In der Vergangenheit wurden jüdische Einrichtungen insbesondere nach Spannungen und kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten regelmäßig Ziel von islamistischen Bedrohungen.
Ganz Israel wurde am Samstagmorgen um halb neun Uhr von einem Alarm geweckt, der klarmachte, dass der Präventivangriff gegen den Iran begonnen hat. Israels Luftraum ist für zivile Flüge geschlossen. Der Ben-Gurion-Flughafen bleibt bis Montag zu. Rund 100.000 Israelis sollen außerhalb des Landes gestrandet sein. Die deutsche Lufthansa gab bekannt, den gesamten Nahen Osten vorerst nicht mehr anzufliegen. Verteidigungsminister Israel Katz hat im ganzen Land den sofortigen Ausnahmezustand ausgerufen.
»Der Staat Israel hat eine Präventivoffensive gegen den Iran gestartet, um Bedrohungen für den Staat Israel zu beseitigen. Daher wird in naher Zukunft ein Raketen- und UAV-Angriff auf den Staat Israel und seine Zivilbevölkerung erwartet«, hieß es in der offiziellen Mitteilung.
Und weiter: »Deshalb hat Verteidigungsminister Israel Katz in Übereinstimmung mit seiner Befugnis nach dem Zivilschutzgesetz eine Sonderanordnung unterzeichnet, wonach ein Ausnahmezustand an der Heimatfront im gesamten Staat Israel verhängt wird. Folgen Sie den Anweisungen des Heimatfront-Kommandos und der Behörden und bleiben Sie in geschützten Gebieten.«
Operation »Brüllen des Löwen«
Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wandte sich in einer Videobotschaft an die israelische Bevölkerung: »Es darf nicht zugelassen werden, dass sich das mörderische Terrorregime mit Atomwaffen ausrüstet, die es ihm ermöglichen würden, die gesamte Menschheit zu bedrohen«. Zudem dankte er US-Präsident Donald Trump »für seine historische Führung«.
»Unser gemeinsames Handeln wird die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das mutige iranische Volk sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Die Zeit ist gekommen für alle Teile des iranischen Volkes (…), das Joch der Tyrannei abzuwerfen und ein freies, friedliebendes Iran zu schaffen.«
Er rief die Bürger Israels dazu auf, sich an die Anweisungen des Zivilschutzes zu halten. »In den kommenden Tagen der Operation ‚Brüllen des Löwen‘ werden wir alle Geduld und seelische Stärke benötigen.«
Am Samstagnachmittag meldete sich auch Generalstabschef Eyal Zamir mit einer Video-Ansprache zu Wort: »Jeder Feind, der Israels Sicherheit bedroht, wird einen hohen Preis zahlen«, sagt er darin. Den Staat Israel erwarte ein »bedeutender, schicksalhafter und beispielloser Feldzug. (...) Vertrauen Sie uns und vertrauen Sie auf die Macht der IDF, kraftvoll und kompromisslos auf allen Fronten zu handeln.«
Zamir sagte außerdem, dass der Zweck des Angriffs darin bestehe, »die Fähigkeiten des iranischen Terrorregimes zu zerstören, das eine anhaltende existenzielle Bedrohung für die Sicherheit des Staates Israel darstellt.«
Video von Präsident Trump
Um 8:40 Uhr verbreitete auch US-Präsident Donald Trump auf seiner Social-Media-Plattform Social Truth ein Video, in dem er sagt, dass das US-Militär umfangreiche Angriffe gegen den Iran begonnen hat. »Unser Ziel ist es, das amerikanische Volk zu verteidigen, indem wir die unmittelbare Bedrohung durch das iranische Regime, eine brutale Gruppe sehr harter und schrecklicher Menschen, beseitigen. Seine bedrohlichen Aktivitäten stellen eine direkte Gefahr für die Vereinigten Staaten, unsere Truppen, unsere Stützpunkte im Ausland und unsere Verbündeten auf der ganzen Welt dar. «Vom Libanon über den Jemen und Syrien bis zum Irak hat das Regime terroristische Milizen bewaffnet, ausgebildet und finanziert, die die Erde mit Blut und Eingeweiden getränkt haben. Es hat versucht, sein Atomprogramm wieder aufzubauen und die Entwicklung von Langstreckenraketen voranzutreiben», hieß es unter anderem.
Der israelische Journalist Barak Ravid zitiert auf X einen hochrangigen israelischen Beamten mit den Worten: «Ziel ist es, alle Voraussetzungen für den Sturz des iranischen Regimes zu schaffen. Wir nehmen die gesamte iranische Führung – politisch und militärisch – ins Visier: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die weitere Entwicklung wird auch davon abhängen, inwieweit sich das iranische Volk erhebt.»
Lage im Iran
Nur wenige Informationen aus dem Iran dringen nach außen. Die Behörden haben eine Internetsperre verhängt. Internationale Medien berichten, dass es im Zentrum von Irans Hauptstadt Explosionen gab. Im Netz kursieren verschiedene Videos, deren Echtheit jedoch nicht zu verifizieren ist. Fotos zeigen verstopfte Straßen, da Tausende Teheraner versuchen, die Stadt zu verlassen.
Explosionen wurden auch außerhalb Teherans gemeldet, unter anderem aus Ghom, Lorestan, Kermanschah, Karadsch und Tabris. Auch nahe Isfahan gab es Explosionen. Dort befindet sich ein zentrales Nuklearzentrum, das bereits im Krieg im vergangenen Jahr Ziel von US-Bombardierungen wurde. Getroffen wurden Berichten zufolge Raketendepots, Luftverteidigungsanlagen und Ziele nahe Regierungsgebäuden.
Eine iranische Quelle sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass bei den Angriffen ranghohe Kommandeure der Revolutionsgarde und politische Funktionäre getötet wurden. Nach Augenzeugenberichten aus Teheran wurde unter anderem die schwer gesicherte Residenz des Ajatollah Ali Chamenei getroffen. Er selbst sei an einen sicheren Ort gebracht worden, heißt es. Im Netz kursieren Videos von Menschen in Teheran, die die Angriffe auf das Mullah-Regime feiern.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtet von einem Raketeneinschlag in einer Schule im Süden Irans, wobei mehrere Schülerinnen getötet worden seien, so der dortige Vizegouverneur. Die Schule liegt in der Provinz Hormusgan, wo sich mehrere Marinestützpunkte der iranischen Streitkräfte befinden. Zu verifizieren sind die Angaben nicht.
Am Samstagmittag zitierte Fox News eine US-Quelle mit der Ansage, dass die Angriffe im Iran nicht Stunden, sondern Tage dauern würden.
Der Angriff erfolgt zwei Tage nach einer weiteren Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran über das umstrittene Atomprogramm der Islamischen Republik. Einen Durchbruch hatte es bei den Gesprächen in Genf nicht gegeben.
US-Präsident Trump hatte der iranischen Führung in den vergangenen Wochen wiederholt mit militärischen Angriffen gedroht – auch vor dem Hintergrund des brutalen Vorgehens des iranischen Sicherheitsapparats gegen die Proteste der eigenen Bevölkerung zu Jahresbeginn. Trump stellte dem Iran kürzlich ein Ultimatum bis Anfang März. «Entweder wir erzielen eine Einigung oder es wird für sie bedauerlich».
Am frühen Samstagnachmittag zitierte der öffentlich-rechtliche US-Sender PBS einen ranghohen US-Beamten mit den Worten, dass der Krieg mit einem koordinierten Angriff der Vereinigten Staaten und Israels begonnen habe, mit gleichzeitigen Angriffen beider Länder. Dabei habe sich die israelische Armee auf Angriffe gegen die Führung konzentriert, während die US-Armee militärische Infrastruktur angriffen habe. «Das ist erst der Anfang», so der Beamte.
Am Samstagabend gab der Iranische Rote Halbmond bekannt, dass im Iran mindestens 201 Menschen getötet wurden und 747 verletzt. 24 Provinzen von den 31 des Landes seien betroffen, heißt es weiter in dem von der Nachrichtenagentur ISNA veröffentlichten Mitteilung.
Antwort aus dem Iran
Der Iran hat mit schwerem Raketenfeuer auf Israel geantwortet. Am Nachmittag waren es schon 13 Alarme im ganzen Land. Die israelische Bevölkerung muss immer wieder in die Schutzräume flüchten. In vielen Teilen Israels und des Westjordanlands gab es Luftalarm, Sirenen heulten im Großraum Tel Aviv, in Jerusalem, in Samaria und im Negev, wie die Nachrichtenseite Ynet berichtete. Auch aus dem Norden Israels wurde Luftalarm gemeldet.
Den israelischen Abwehrsystemen sind mehrere Abschüsse gelungen, doch sei der Schutz nicht «hermetisch», so die Warnung. Sowohl im Norden als auch im Süden Israels soll es zu Schäden durch herabfallende Raketenteile gekommen sein, berichtete «Kan». Laut «Times of Israel» seien Granatsplitter in Jerusalem und in Beit Schemesch niedergegangen und wurden beseitigt. In Tirat Carmel südlich von Haifa sei ein Gebäude beschädigt worden. Im Norden wurde ein Mann durch die Druckwelle einer Explosion verletzt, so der Bericht.
Am Nachmittag meldeten israelische Medien, dass ein Gebäude in Bnei Brak bei Tel Aviv von einer Rakete getroffen worden sei. Dabei seien auch Menschen zu Schaden gekommen. Der Rettungsdienst Magen David Adom ist vor Ort.
Angriff auf US-Stützpunkte
Ein ranghoher iranischer Beamter drohte auf «Al Jazeera» mit den Worten: «Alle Ressourcen und Interessen der Vereinigten Staaten und Israels im Nahen Osten sind legitime Ziele für uns. Nach diesem Angriff gibt es keine roten Linien mehr und alles ist möglich, selbst Szenarien, die in der Vergangenheit nicht vorgeschlagen wurden. Die Vereinigten Staaten und Israel haben einen Krieg begonnen, dessen Folgen weitreichend und langfristig sein werden. Wir waren von diesem gemeinsamen Angriff nicht überrascht und haben eine komplexe und zeitlich begrenzte Reaktion. Jede Forderung, die Aggression einzudämmen, nicht zu reagieren und sich zu ergeben – wird abgelehnt, und das sind Träume.»
Tatsächlich gibt es Berichte, dass der Iran auch Bahrain, Katar Kuwait und Abu Dhabi angegriffen hat. Der Iran selbst geben an, vier US-Militärstützpunkte in der Region attackiert zu haben: Al-Udeid in Katar, Al-Salem in Kuwait, Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die US-Flotte in Bahrain, wie die Nachrichtenagentur Fars berichtete. Die pro-iranischen Huthi in Jemen haben angekündigt, ihre Angriffe wieder aufzunehmen. Auch die irakische Terrororganisation Kataib Hisbollah kündigt an, mit Angriffen auf amerikanische Stützpunkte beginnen zu wollen.
Eine amerikanische Quelle sagte gegenüber dem US-Sender Fox News, dass es bei den iranischen Angriffen auf die US-Basis in Bahrain keine Verletzten gegeben habe.
In Dubai sollen alle paar Stunden Explosionen zu hören sein, berichteten Anwohner. Laut mehreren Anwohnern wurden auch die Einkaufszentren geschlossen, in denen sich vor allem am Wochenende viele Familien aufhalten. An einem Luxushotel auf der künstlichen Insel Palm Dschumaira brach ein Feuer aus. Es war unklar, ob an dem Hotel eine mutmaßlich iranische Rakete einschlug oder ob etwa Trümmerteile nach dem Abschuss einer Rakete niedergingen und einen Brand auslöste. Der Zivilschutz teilte mit, das Feuer sei unter Kontrolle. Vier Menschen seien verletzt worden.
Das emiratische Verteidigungsministerium teilte mit, die Luftabwehr habe eine neue Welle iranischer Raketen und Drohnen abgefangen. Es habe «keinen bedeutenden Schaden» gegeben. In Dubai und der Hauptstadt Abu Dhabi seien mehrere Trümmerteile von abgefangenen Raketen niedergegangen. Mindestens ein Mensch kam dabei bisher ums Leben.
Saudi-Arabien verurteilt die Angriffe des Iran auf die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar, Kuwait und Jordanien und sichert zu, «alle seine Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um sie bei allen von ihnen ergriffenen Maßnahmen zu unterstützen».
Am Nachmittag behauptete das iranische Militär, dass das US-Schlachtschiff MST durch Raketen schwer beschädigt wurde. Das US-Militär hat sich dazu bisher nicht geäußert.
Am Samstagabend warnte der Iran Schiffe in der Straße von Hormus. Nach Angaben regimenahen Nachrichtenagentur Tasnim habe die Revolutionsgarde den Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Straße von Hormus eingeschränkt. Demnach erhielten Schiffe wiederholt Funkmeldungen, in denen ihnen die Durchfahrt untersagt werde. Die Besatzungen würden aufgefordert, die Maschinen zu stoppen und sich auf ein mögliches Entern vorzubereiten.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge. Jede Störung hat Einfluss auf die Energiepreise und die internationalen Märkte.
Deutsche Reaktionen
Die Bundesregierung beobachte die Entwicklung genau und befinde sich in enger Abstimmung mit den europäischen Partnern, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius mit. Kanzler Friedrich Merz (CDU) habe sich außerdem mit seinen Fachministern der sicherheitsrelevanten Ressorts beraten und werde im Laufe des Tages weitere Gespräche führen. Die Bundesregierung sei am Morgen über die Militärangriffe Israels auf den Iran vorab informiert worden, sagte Kornelius. Merz habe nach den Angriffen mit Netanjahu telefoniert. Das habe er auch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Großbritanniens Premierminister Keir Starmer. Außerdem stehe «die Bundesregierung in engem Austausch mit dem amerikanischen Partner».
Nach den Gesprächen des Kanzlers mit Macron und Starmer hatten die drei Beteiligten eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie eine Wiederaufnahme der Verhandlungen fordern und deutlich machen, dass sie an den Angriffen auf den Iran nicht beteiligt waren.
Man stehe in engem und ständigem Kontakt mit den Botschaften im Iran und in Israel sowie weiteren Vertretungen in der Region, so ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Deutsche Staatsangehörige im Iran, in Israel und der weiteren Region sind aufgefordert, sich in der Krisenvorsorgeliste «Elefand» registrieren, um Informationen und Unterstützung zu erhalten.
Die Deutsch-Israelische-Gesellschaft fordert eine klare politische Haltung Deutschlands. Präsident Volker Beck: «Israels Existenz und Sicherheit werden vom iranischen Regime seit Jahren permanent bedroht. Der Angriff ist gerechtfertigt.» Wenn ein Staat existenziell bedroht werde, dürfe die Weltgemeinschaft nicht schweigen oder relativieren. «Der Iran ignoriert und verletzt systematisch Artikel 2 der UN-Charta.» Das müsse sich jetzt in einer eindeutigen politischen Haltung und in konkreter Unterstützung niederschlagen.
Auch CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sieht eine Berechtigung für den Angriff auf den Iran. «Der Iran hintergeht seit Jahren das internationale Atomabkommen und vermittelt den Eindruck, militärische Nuklearmacht zu werden», sagte er dem Nachrichtenportal «t-online». Zugleich erkenne der Iran das Existenzrecht Israels nicht an, sondern wolle Israel vernichten. «Der sorgfältig über Wochen geplante und begrenzte Militärschlag hat damit eine Berechtigung.» Hinzu komme «der kürzliche Massenmord und jahrzehntelange Terror der Mullahs an der eigenen Bevölkerung».
Kiesewetter äußerte die Einschätzung, es bestehe «Aussicht auf Erfolg». Dieser müsse sich auch daran messen, dass es «zu einem möglichen Systemwechsel im Iran und nicht zu einer Ausweitung des Krieges in der Region kommt».
Die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann äußerte ebenfalls die Hoffnung auf ein Ende des autoritären Regierungssystems im Iran. «Gelingt es, das Mullah-Regime zu stürzen, wäre das für die Menschen im Iran, auch für die Menschen im Nahen Osten und darüber hinaus in Europa eine Chance eines friedlichen, gemeinsamen Neubeginns», sagte sie der «Rheinischen Post». Die Frage sei aber zunächst, «wie erfolgreich der Präventivschlag» Israels und der USA jetzt sein werde.
Die Linkspartei kritisiert die Angriffe Israels und der USA auf den Iran. Parteichef Jan van Aken erklärte: «Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind in diesen Stunden bei den Menschen in Teheran, Tel Aviv und der gesamten Region.» Noch sei das Ziel der Angriffe unklar. «Es steht zu befürchten, dass Israel und die USA einen Regimewechsel herbeibomben möchten.» Van Aken betonte: «Es ist richtig, dass eine Atombombe des Iran auf jeden Fall verhindert werden muss.» Dies könnten aber keine militärischen Angriffe erreichen, sondern nur Verhandlungen und engmaschige Überwachungen vor Ort.«
Internationale Reaktionen
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bezeichnete die Lage im Nahen Osten als »gefährlich«. Sie habe mit Israels Außenminister und weiteren Ministern in der Region gesprochen, schrieb sie auf X. Die EU arbeite zudem eng mit arabischen Partnern zusammen, um diplomatische Wege auszuloten. Die EU-Marineoperation »Aspides« im Roten Meer bleibe »in höchster Alarmbereitschaft« und stehe bereit, »um die Durchgängigkeit des Seewegs zu sichern«.
Am Nachmittag verurteilte Moskau die Angriffe auf den Iran und forderte eine umgehende Rückkehr zur Diplomatie. Umfang und Art der »militärpolitischen und propagandistischen Vorbereitungen« ließen keinen Zweifel daran, dass es sich um einen »im Voraus geplanten und unprovozierten Akt bewaffneter Aggression gegen einen souveränen und unabhängigen Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen handelt«, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Dies sei ein »unüberlegter Schritt«, der gegen das Völkerrecht verstoße.
Die USA und Israel hätten ein weiteres Mal ein gefährliches Abenteuer unternommen, das die Region rasch einer »humanitären, wirtschaftlichen und womöglich radiologischen Katastrophe« näherbringe. Moskau warf beiden Ländern vor, die Führung eines ihnen unliebsamen Staats beseitigen zu wollen. Die Verantwortung für die negativen Folgen dieser »menschengemachten Krise«, einschließlich einer unvorhersehbaren Kettenreaktion und Spirale der Gewalt, liege vollständig bei ihnen, hieß es weiter.
Russland und der Iran arbeiten eng zusammen. Teheran steht in der Kritik, weil es Moskau in seinem seit mehr als vier Jahren andauernden Angriffskrieg gegen Kiew unterstützt.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Lage als »gefährlich für alle« bezeichnet. Die Eskalation müsse gestoppt werden, schrieb er auf X und forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates.
»Das iranische Regime muss verstehen, dass es keine andere Wahl mehr hat, als ernsthafte Verhandlungen aufzunehmen«, um sein Atom- und Raketenprogramm wie auch »seine Aktionen zur regionalen Destabilisierung« zu beenden. »Dies ist absolut notwendig für die Sicherheit aller im Mittleren Osten.«
Das iranische Volk müsse seine Zukunft frei gestalten können. »Die vom islamischen Regime verübten Massaker diskreditieren es und erfordern, dass dem Volk wieder Gehör verschafft wird.«
Israels Nachbar Jordanien machte deutlich, dass es sich an keiner regionalen Eskalation beteiligen werde. Zuvor hatte die jordanische Armee ballistische Raketen abgefangen, die aus dem Iran auf einen US-Stützpunkt in Jordanien abgefeuert wurden. Auch die Terrororganisation Hisbollah im Libanon meldete sich zu Wort. Sie bekundete Solidarität mit dem Iran, kündigte jedoch nicht an, eingreifen zu wollen.
Die Arabische Liga verurteilte am Nachmittag die iranischen Angriffe auf arabische Mitgliedsstaaten und bezeichnete sie als »eine eklatante Verletzung der Souveränität friedliebender Länder.«
China fordert Ende der militärischen Handlungen
Nach den Angriffen der USA und Israels gegen den Iran zeigt sich Peking besorgt. Irans Souveränität müsse respektiert werden.
Am Abend hat sich auch China offiziell »zutiefst besorgt« gezeigt. Die staatliche Souveränität, Sicherheit und territoriale Unversehrtheit Irans müssten respektiert werden, erklärte das Außenministerium in Peking. Man rufe dazu auf, die militärischen Handlungen sofort einzustellen, eine weitere Eskalation der Spannungen zu vermeiden sowie den Dialog und die Verhandlungen wieder aufzunehmen.
Befürchtungen für Europa
In Europa wächst nun die Angst vor Angriffen durch sogenannte Schläfer, die im Namen des Mullah-Regimes Sabotage-Akte oder auch Anschläge begehen. In der Vergangenheit handelte es sich bei solchen »Schläfern« oft nicht um Iraner. Wie der »Tagesspiegel« berichtet griffen vielmehr iranische Dienste auf Männer zurück, die wie die Herrscher im Iran zwar überwiegend Schiiten waren, aber aus dem Libanon, Pakistan oder Afghanistan stammten.
Gerechnet wird aber auch mit Gewalt durch anti-israelische Aktivisten, wie es nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 der Fall war.
»Freiheit für Iran«
In Berlin findet am Samstag außerdem eine vor der Militäroperation angemeldete Großdemonstration unter dem Motto »Freiheit für Iran. Protest gegen falsche Information von ARD und ZDF« statt. In mehreren deutschen Städten sind mittlerweile Exil-Iraner auf die Straße gegangen, die hoffen, dass das iranische Regime gestürzt wird.
In Frankfurt versammelten sich die Demonstranten zunächst zu einer Kundgebung auf dem Goetheplatz in der Innenstadt - dann zogen sie zum Römerberg. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf rund 2000. Das Motto der bereits vor den Angriffen geplanten Demonstration war »Freiheit und Demokratie im Iran«. Eine Rednerin bedankte sich unter dem Applaus der Zuhörer und Zuhörerinnen für die Intervention der USA.
In Berlin nahmen nach Angaben der Polizei rund 1600 Menschen an einer Demonstration teil. Allerdings laufe die Kundgebung noch, sagte eine Polizeisprecherin am späten Nachmittag. Bislang sei die Versammlung friedlich und störungsfrei verlaufen. Ursprünglich waren 3.000 Teilnehmer zur Demonstration für »Freiheit für Iran« angemeldet. Die Kundgebung startete am Nachmittag am Potsdamer Platz und sollte am Brandenburger Tor enden
»Angesichts der aktuellen Entwicklung im Nahen Osten beobachten wir die Lage sehr genau und stehen in engem Austausch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden«, hatte eine Polizeisprecherin am Vormittag gesagt. Auf der Plattform X teilte die Polizei mit, dass sie mit rund 450 Polizisten in Berlin-Mitte im Einsatz sei.
In München kamen nach Polizeiangaben rund 250 Teilnehmende zu einer Kundgebung am Gärtnerplatz zusammen. Diese wollten unter dem Motto »Nein zur Islamischen Republik Iran!« durch die Landeshauptstadt ziehen.. ja/dpa