Geiseln

Schaut hin!

Die Terroristen der Hamas und des Islamischen Dschihad veröffentlichten Aufnahmen von Evyatar David (l.) und Rom Braslavski (r.) Foto: Collage

Die Zeit des Unglaubens ist lange vorbei, zu viel Unmögliches haben die Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 real werden lassen. Aber die Bilder aus dem von den Terroristen inszenierten und am vergangenen Freitag veröffentlichten Video, in dem der vom Nova-Festival verschleppte und seitdem im Gazastreifen gefangen gehaltene 24-jährige Zivilist Evyatar David sein eigenes Grab gräbt und sich vor lauter Entkräftung auf die Schaufel stützen muss, ist eine weitere Grenzverschiebung des Möglichen.

Wie »eine Million Schläge ins Herz« hat es Davids Schwester beschrieben, als sie darum bat, das Video nicht zu veröffentlichen, weil ihre Mutter und ihr Bruder es noch nicht gesehen hätten. Natürlich hielt sich niemand daran. Zu sehr labt sich die Welt an der Eskalation dieses Konflikts, der längst nichts mehr mit den Menschen zu tun hat, die in ihm zerrieben werden. So er es denn je hatte.

»Ein lebendes Skelett, lebendig begraben«

»Wir sind gezwungen mitanzusehen, wie unser geliebter Sohn und Bruder Evyatar in den Tunneln der Hamas absichtlich und zynisch ausgehungert wird. Ein lebendes Skelett, lebendig begraben«, schrieb die Familie später in einem Statement. »Die Hamas-Terroristen kennen keine Grenzen, wenn es darum geht, den Geiseln und den Bewohnern von Gaza Leid zuzufügen.«

Zwei jungen Männern wird zu Propagandazwecken das Essen verweigert. Seit fast zwei Jahren sind sie in jedem Augenblick der physischen und psychischen Folter durch Terroristen ausgesetzt, deren höchstes Ziel es ist, alle Juden auf der Welt zu töten. Pars pro toto wird die Agonie der Geiseln zur Schau gestellt. Der 21-jährige Deutsch-Israeli Rom Braslavski musste vor laufender Kamera um sein Leben betteln, während er sich vor Schmerzen wand.

So sicher fühlen sich die im Gazastreifen herrschenden Terrororganisationen, dass selbst solche Bilder – inszeniert, um den Horror der Schoa heraufzubeschwören, als die Nazis und ihre Verbündeten in Europa Juden unter anderem dazu zwangen, Gräber auszuheben, bevor sie darin erschossen wurden – den Hass auf Israel nicht mindern, sondern noch verstärken werden. Denn, so offensichtlich das Kalkül und die bei linksextremen »propalästinensischen« Aktivisten vertretene Meinung: Die Juden haben ja selbst Schuld.

Wie »eine Million Schläge ins Herz« beschreibt Evyatar Davids Schwester das Video.

Und diese Bilder zeigen noch etwas, und zwar den Juden, den die Welt sich wünscht, weil sie ihn jahrtausendelang hervorgebracht hat: zu schwach, um für sich selbst zu kämpfen. Eine Tatsache, die sich mit der Gründung Israels geändert hat und die, wie wir nun tagtäglich sehen, von großen Teilen der Welt als Affront empfunden wird. Ja, auch von Deutschland, das einen besonderen Opfer-Fetisch pflegt.

Aber was werden diese unerträglichen Bilder nach sich ziehen, welche Folgen hat das Wissen darum, dass David und Braslavski in diesem Moment mit dem Hungertod kämpfen, so sie ihn nicht schon erlitten haben? Eine vereinte Anstrengung europäischer und arabischer Staaten, um die Hamas endgültig auszuschalten, die noch in Gaza verbliebenen mehr als 50 Geiseln und die vom Terror instrumentalisierte palästinensische Bevölkerung zu befreien? Mehr Verständnis und Unterstützung für die Menschen in Israel, die seit mehr als 670 Tagen in einem Trauma leben müssen, denn die posttraumatische Phase ist noch nicht einmal erreicht? Einfach alles, damit die Region endlich Frieden und eine Zukunft findet, in der Kinder aufwachsen können?

Pfand für ein Ende der Gewalt, vor allem aber Druckmittel gegen Israel

Weit gefehlt. Westliche Länder wie Frankreich, Großbritannien und Kanada locken mit der Anerkennung eines Palästinenserstaates, als Pfand für ein Ende der Gewalt, vor allem aber als Druckmittel gegen Israel, das weiterhin als Aggressor gezeichnet wird. Es soll also als Belohnung für den Terror einen Staat geben, in dem die Hamas weiterhin ihr Ziel der Ermordung aller Juden auf der Welt verfolgen kann?

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Oder wie ist es zu verstehen, dass der Hamas-Sprecher und Unterhändler Ghazi Hamad gerade in einem Interview mit Al Jazeera Mubasher sagte, die Massaker des 7. Oktober, die er »Widerstand« nennt, seien ein großer Erfolg, denn vorher habe niemand über einen Palästinenserstaat gesprochen? Derselbe Mann, der am 24. Oktober 2023 im britischen Radio verkündete, der 7. Oktober sei erst der Anfang gewesen. Und natürlich sei die völlige Zerstörung Israels das Ziel.

Der US-Nahost-Gesandte Steve Witkoff hat jüngst verkündet, dass die Terroristen Bereitschaft bekundet hätten, ihre Waffen niederzulegen. Tags darauf widersprach die Hamas vehement. Das werde man nur tun nach der Errichtung eines unabhängigen und souveränen Staates auf dem historischen Gebiet Palästinas mit Jerusalem als Hauptstadt. Also unter Auslöschung des Staatsgebietes Israels. Und damit wirklich jeder versteht, wie das aussehen soll, wurden die Videos von Evyatar David und Rom Braslavksi gleich mitgeschickt. Die Zeit des Unglaubens ist lange vorbei.

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