Jerusalem/Tel Aviv

Sa’ar kritisiert Seibert: »Besessenheit mit Juden, die in Judäa und Samaria leben«

Steffen Seibert, Deutschlands scheidender Botschafter in Israel Foto: picture alliance/dpa

Ein Streit zwischen Israel und Deutschland sorgt derzeit für Spannungen: Israels Außenminister Gideon Sa’ar hat den deutschen Botschafter in Israel, Steffen Seibert, öffentlich scharf kritisiert. Auslöser war ein Beitrag Seiberts in sozialen Netzwerken, in dem er verschiedene Gewaltakte in einen Zusammenhang stellte.

Seibert hatte ein gewaltgeprägtes Wochenende beschrieben und dabei Angriffe der Hisbollah im Norden sowie Raketenbeschuss durch den Iran im Süden und Zentrum Israels erwähnt. Gleichzeitig verwies er auf gewaltsame Ausschreitungen israelischer Siedler in palästinensischen Ortschaften nach dem Tod eines Israelis.

In seinem Beitrag schrieb er: »Ein Tag der Empörung und Trauer: ein Landwirt im Norden von der Hisbollah getötet, Hunderte durch iranische Raketen im Süden und Zentrum verletzt. Und in einer parallelen Realität: die gewaltsamen Ausschreitungen von Siedlern in palästinensischen Dörfern nach dem tragischen und zu untersuchenden Tod eines der Ihren.«

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Schwere Vorwürfe

Diese Gleichsetzung rief umgehend Kritik aus Jerusalem hervor. Sa’ar reagierte ebenfalls öffentlich und warf Seibert eine verzerrte Darstellung vor. »Botschafter Seibert fällt es sehr schwer, Angriffe gegen Israelis zu verurteilen, ohne die Palästinenser zu erwähnen«, erklärte er. Weiter schrieb er: »Seine Besessenheit mit Juden, die in Judäa und Samaria leben, hindert ihn sogar daran, den durch einen Palästinenser verursachten Tod eines Juden zu verurteilen.«

Besonders scharf fiel die abschließende Bemerkung des Außenministers aus: »Gut zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter eintreffen wird, der die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland stärken wird.«

Seibert ließ die Vorwürfe nicht unbeantwortet. In seiner Replik betonte er, Deutschland habe die Angriffe Irans auf israelische Zivilisten klar verurteilt. »Ich habe die wahllose Zielwahl Irans gegen israelische Zivilisten und den kriminellen Einsatz von Streumunition öffentlich verurteilt. Deutschland ist hier eindeutig. Wir stehen in diesem Krieg an der Seite Israels«, schrieb er.

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»Große Sorge«

Zugleich bekräftigte der Botschafter, dass die Bundesregierung auch die Gewalt radikaler Siedler thematisiere. »Die Gewalt von Siedlern bereitet auch uns große Sorge – ebenso wie dem israelischen Präsidenten und vielen anderen«, fügte er hinzu. Den palästinensischen Terror im Westjordanland erwähnte er in keinem seiner jüngsten Beiträge.

In jüngster Zeit waren mehrmals Palästinenser im Westjordanland durch israelische Siedler getötet worden; auch illegale Akte der Selbstjustiz durch Siedler wurden gemeldet, durch die Palästinenser angegriffen oder Fahrzeuge in Brand gesetzt wurden. Zugleich kommt es im Westjordanland seit langer Zeit regelmäßig zu von Palästinensern verübten Terrorakten. Zahlreiche Israelis kamen dabei um. im

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