Libanon

Reaktion auf Drohnenangriff: Israel sprengt Hisbollah-Tunnelsystem

Mit 700 Tonnen Sprengstoff zerstörte Israel dieses Terrortunnelsystem der Hisbollah. Foto: IDF (Screenshot)

Die israelische Armee hat ein weit verzweigtes Tunnelsystem der libanesischen Terrororganisation Hisbollah unter dem Beaufort-Höhenzug im Südlibanon zerstört. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz teilten laut einem Bericht der »Times of Israel« mit, dass die Anlage mit rund 700 Tonnen Sprengstoff gesprengt worden sei.

Nach Angaben der beiden Politiker war die Sprengung ursprünglich bereits zu einem früheren Zeitpunkt geplant. Wegen der im Juni erzielten Rahmenvereinbarung zwischen Israel und dem Libanon sei der Einsatz jedoch verschoben worden. Auslöser für die nun erfolgte Zerstörung sei ein Drohnenangriff der Hisbollah am Mittwoch gewesen, bei dem ein unbemannter Bulldozer der israelischen Armee mit einer Sprengdrohne attackiert worden war. Die Regierung wertete dies als schweren Verstoß gegen die Waffenruhe.

Das unterirdische Bauwerk galt nach israelischen Angaben als wichtiger Bestandteil der Angriffspläne der Hisbollah gegen Ortschaften in Galiläa. Journalisten hatten das Tunnelnetz Anfang des Monats besichtigen können. Die Armee sieht darin einen zentralen Baustein der militärischen Infrastruktur der Terrororganisation.

»Hart und entschlossen«

Netanjahu und Katz betonten, Israel werde Verstöße gegen die Waffenruhe nicht hinnehmen. »Jeder Versuch der Hisbollah, Soldaten der IDF oder israelischen Zivilisten Schaden zuzufügen, wird mit einer harten und entschlossenen Antwort beantwortet werden, die einen hohen Preis für die Terrororganisation nach sich ziehen wird«, erklärten sie. Zugleich kündigten sie an, dass die israelischen Streitkräfte ihre Präsenz in der Sicherheitszone im Südlibanon aufrechterhalten und dort weiterhin terroristische Infrastruktur beseitigen würden, um einen Wiederaufbau der militärischen Fähigkeiten der Hisbollah zu verhindern.

Lesen Sie auch

Auch die israelische Armee bestätigte die Sprengung. In einer Mitteilung hieß es, mehrere wichtige unterirdische Tunnelabschnitte im Bereich des Beaufort-Höhenzugs seien zerstört worden. In den vergangenen Wochen hätten Soldaten das Gebiet vollständig gesichert, die Tunnel erkundet und für ihre Sprengung vorbereitet.

Bereits Mitte Juli hatte die Armee einen ersten Tunnel in diesem Komplex zerstört. Mit der jüngsten Operation sei nun der überwiegende Teil des unterirdischen Systems beseitigt worden.

Mögliches Friedensabkommen

Nach israelischen Angaben besteht jedoch weiterhin ein großes Tunnelsystem unter dem Ali-Taher-Höhenzug nahe Nabatijeh. Dort sollen sich noch Dutzende Hisbollah-Terroristen aufhalten. Aufgrund der geltenden Waffenruhe könne die Armee die Anlage derzeit jedoch nicht einnehmen, setze ihre Einsätze in anderen Teilen des Südlibanon aber fort.

Die im Juni vereinbarte Rahmenvereinbarung sieht vor, dass die libanesische Armee schrittweise Gebiete im Süden des Landes übernimmt, in denen die Hisbollah bislang militärisch präsent war. Im Gegenzug soll sich Israel nach und nach aus der von ihm kontrollierten Sicherheitszone zurückziehen. Zwischen dem 4. und 6. August wollen technische Arbeitsgruppen beider Seiten über die weitere Umsetzung der Vereinbarung beraten und damit den Weg für ein mögliches Friedensabkommen ebnen.

Nach einem Bericht des israelischen Senders Channel 12 hat Jerusalem den Vermittlern jedoch bereits signalisiert, vorerst keine weiteren Truppenabzüge südlich der sogenannten »Gelben Linie« vorzunehmen. Israel knüpft zusätzliche Rückzüge demnach an eine vollständige Entwaffnung der Hisbollah. im

Medien

Geglaubt und geteilt

»Antisemitismus«, definierte Adorno, sei »das Gerücht über Juden«. Was ist dann dessen Verbreitung? Die ARD muss sich einer längst fälligen Debatte stellen

von Esther Schapira  11.08.2026

Social Media

Shirin David, Bill Kaulitz und die Wassermelonen-Jünger

Bei der Rapperin reicht ein »Free Palestine« für die Verbündeten, bei dem Sänger ein »Tel Aviv! Love!« für die Gegner. Ein Kommentar

von Pola Sarah Nathusius  11.08.2026

Nahost

Israels Armee zerstört Haus im Westjordanland

Hintergrund ist eine tödliche Auseinandersetzung mit Siedlern und Soldaten im vergangenen Monat

 11.08.2026

Jerusalem

Netanjahu setzt umstrittenen Unternehmer auf Likud-Liste

Der neue Kandidat hatte US-Präsident Trump unlängst als »ein moralisch korrumpiertes Stück Scheiße« bezeichnet, revidierte seine Meinung jedoch nun. Derweil deutet sich im Likud ein Streit über Listenplätze an

 11.08.2026

Nahost

Israel erwartet Täuschung durch zwei arabische Staaten

Medienberichten zufolge soll der jüdische Staat mit scheinbaren diplomatischen Annäherungen in Sicherheit gewogen und dann angegriffen werden

 11.08.2026

Nordrhein-Westfalen

Medienminister übt scharfe Kritik an Georg Restle und dem WDR

Nathaniel Liminiski (CDU): »Israel und das Judentum sind kein Freiwild für jeden Vorwurf, auch nicht für Journalisten«

 11.08.2026 Aktualisiert

Archäologie

Die Fingerabdrücke von Qumran

Wie Wissenschaftler mithilfe von Künstlicher Intelligenz den Schriftrollen vom Toten Meer ihre letzten Geheimnisse entlocken wollen

von Sabine Brandes  11.08.2026

Diplomatie

Kolumbien erkennt Israels Souveränität über den Golan an

Die neue Regierung in Bogotá will auch die kolumbianische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Unterdessen hat Israel Soforthilfe für die Opfer des schweren Erdbebens in Kolumbien zugesagt

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026