Westjordanland

Qusra: US-Botschafter warnt Siedler vor Enteignung palästinensischer Familien

In Qusra belagern radikale Siedler Häuser von Palästinensern. Foto: copyright (c) Flash90 2026

Die Lage im Westjordanland-Dorf Qusra bleibt angespannt. Seit mehr als einer Woche werden dort drei palästinensische Häuser von israelischen Siedlern umstellt. Eines der betroffenen Gebäude gehört dem palästinensisch-amerikanischen US-Bürger Loui Abu Ridi. Israelische Medien wie »The Times of Israel« berichteten. Nun hat der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, die beteiligten Siedler deutlich gewarnt.

Huckabee erklärte am Donnerstag, niemand dürfe sich Eigentum aneignen, das ihm nicht gehöre. Auf die Frage, welche Botschaft die Regierung von US-Präsident Donald Trump an Siedler richte, die Häuser oder Grundstücke palästinensischer US-Bürger übernehmen wollten, verwies der Botschafter auf die Zehn Gebote. »Ich denke, die Botschaft ist größer als nur die Trump-Regierung. Es ist eine Botschaft grundlegender Höflichkeit und zivilisierten Verhaltens«, sagte Huckabee in Jerusalem.

Mit Blick auf das Gebot »Du sollst nicht stehlen« sagte der US-Botschafter, niemand solle sich aneignen oder nach etwas verlangen, das einem anderen Menschen gehöre. »Wenn jemand das Land besitzt und ihm sein Haus gehört, und dann jemand kommt, es übernimmt und die Familie daraus vertreibt, dann ist das nicht nur ein Verstoß gegen menschliches Recht. Es ist ein Verstoß gegen Gottes Gesetz«, sagte Huckabee.

»Israelische Terroristen«

Bereits in der vergangenen Woche hatte der US-Botschafter die Vorgänge in Qusra scharf verurteilt und die beteiligten gewalttätigen Siedler als »israelische Terroristen« bezeichnet. Gleichzeitig betonte Huckabee, dass er grundsätzlich ein Unterstützer israelischer Siedlungen sei. Gewalttätige Siedler seien eine Minderheit und repräsentierten nicht die gesamte Siedlergemeinschaft, erklärte er.

Lesen Sie auch

Nach Angaben Huckabees sind die USA über die Ereignisse in Qusra »entsetzt«. Die betroffenen palästinensischen Familien seien Opfer »unentschuldbarer und abscheulicher« krimineller Handlungen. Wer an der Belagerung beteiligt gewesen sei, müsse in Israel mit Konsequenzen rechnen.

Darüber hinaus schloss Huckabee mögliche US-Sanktionen gegen beteiligte Siedler nicht aus. Als Beispiel nannte er ein Einreiseverbot für die Vereinigten Staaten. Zugleich stellte er klar, dass ihm derzeit keine konkreten Pläne für solche Maßnahmen bekannt seien. Die Regierung Trump hatte zuvor Sanktionen gegen sieben gewalttätige israelische Siedler aufgehoben, die noch unter Präsident Joe Biden verhängt worden waren.

Bisher keine Festnahmen

Die Ereignisse in Qusra haben auch wegen des Vorgehens israelischer Soldaten für Kritik gesorgt. Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds wurden in der Nacht zum Donnerstag eine 70-jährige Frau und ein 15-jähriges Mädchen durch Splitter von Schüssen der israelischen Armee verletzt. Später meldete die Organisation außerdem drei Verletzte nach einem mutmaßlichen Angriff durch Soldaten während eines Einsatzes im Nabluser Stadtteil Rafidia.

Die israelische Armee wies die Darstellung zurück. Nach Angaben der IDF waren Soldaten während einer Patrouille in Qusra mit mehreren Palästinensern konfrontiert worden, die Steine geworfen hätten. Die Soldaten hätten daraufhin lediglich Schüsse in die Luft abgegeben, um die Angreifer zu vertreiben. Die beiden Frauen wurden nach Darstellung der Armee nicht durch Schüsse oder Splitter verletzt worden, sondern offenbar wegen einer Angstreaktion evakuiert worden.

Die israelischen Behörden haben bislang keine Festnahmen oder Anklagen gegen Siedler bekanntgegeben, denen die Beteiligung an der Belagerung der palästinensischen Häuser vorgeworfen wird. Ein führender Vertreter der Siedlerbewegung verurteilte die Vorgänge allerdings. im

Ben Gurion Airport

Gepäckstreik sorgt für Chaos an Tel Aviver Flughafen

Ein Streik beim Gepäckpersonal bringt den Flughafen bei Tel Aviv zum Stillstand. Lange Schlangen und dichtes Gedränge prägen einen der verkehrsreichsten Tage der Sommerferien

 20.08.2026

Umstrittenes Gesetz

Ben-Gvir baut Galgen für palästinensische Terroristen

Israels rechtsextremer Sicherheitsminister will palästinensische Terroristen hinrichten lassen. Der Ruf nach Sanktionen gegen Itamar Ben-Gvir wird lauter

von Sabine Brandes  20.08.2026

7. Oktober

Totgeglaubt – und endlich unter der Chuppa

Sie überlebte den Todesbunker von Re‘im, er 505 Tage in einem Hamas-Tunnel. Jetzt haben Ziv Abud und Eliya Cohen geheiratet

von Sabine Brandes  20.08.2026

Umfrage

Immer weniger Palästinenser sympathisieren mit der Hamas

Die Hamas hat weiter an Zustimmung bei den Palästinensern verloren. Immer mehr sprechen sich für eine Verhandlungslösung und weniger für Gewalt aus. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Umfrage

von Andrea Krogmann  20.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Gesundheit

Fühl den Schmerz!

Eine Studie aus Israel zeigt: Wer sich auf eine Entzündung konzentriert, kann die Reaktion des Körpers abschwächen

von Sabine Brandes  20.08.2026

Wahlkampf

Arabischer Dreierpakt für die Knessetwahl

Chadasch, Ta’al und Balad bilden eine neue Union ohne Ra‘am. Laut Umfragen wird die Regierungsbildung ohne arabische Beteiligung schwierig

von Sabine Brandes  20.08.2026

Nahost

Netanjahu: Stabilisierungstruppe hat keinen Zugang zu Gaza erhalten

Israel blockiert vorerst den Einsatz einer internationalen Stabilisierungstruppe in Gaza. Die Regierung verlangt eine Entwaffnung der Hamas in Kombination mit einem Entfernen der Waffen aus Gaza. Zugleich warnen Sicherheitsvertreter vor einer möglichen politisch motivierten Eskalation vor der Wahl

 20.08.2026

Tourismus

Wenn Akko leuchtet

Mit einer Lichtershow will die Hafenstadt im Norden Israels mehr Besucher anlocken

von Sabine Brandes  20.08.2026