Umstrittenes Gesetz

Ben-Gvir baut Galgen für palästinensische Terroristen

Foto: Screenshot

Itamar Ben-Gvir lässt Galgen bauen. Der israelische rechtsextreme Minister für nationale Sicherheit postete am Donnerstag ein Video auf der Plattform X, das ihn auf einer Baustelle zeigt, auf der angeblich eine Hinrichtungsanlage für palästinensische Gefangene entstehen soll. Stolz fügte er hinzu, dass es auch eine Zuschauertribüne geben werde.

Von der aus sollen Angehörige von Terroropfern die Hinrichtungen verfolgen können. »Terroristen werden durch Erhängen hingerichtet«, sagte der Vorsitzende der Partei Jüdische Macht (Otzma Jehudit) und fügte hinzu: »Wir setzen unser Versprechen um«. Zwar sind auf den Aufnahmen erste Bauarbeiten zu sehen, ein Datum für die Fertigstellung nannte er jedoch nicht.

Die Hinrichtungsanlage ist Teil eines Gesetzes, das die Knesset im März verabschiedet hatte und das im Mai in Kraft trat. Es sieht die Todesstrafe für Palästinenser vor, die vor Militärgerichten wegen tödlicher Terroranschläge verurteilt werden. Für israelische Staatsbürger und Einwohner gilt das Gesetz nicht. Genau diese Unterscheidung wurde bereits bei der Verabschiedung als diskriminierend kritisiert.

Todesstrafe muss nicht verhängt werden

Automatisch, wie Ben-Gvir es in seinem ursprünglichen Gesetzesvorschlag gefordert hatte, muss die Todesstrafe allerdings nicht verhängt werden. Das Gesetz knüpft sie unter anderem an die Voraussetzung, dass der Angriff mit dem Ziel verübt wurde, die Existenz Israels oder die Autorität des Militärkommandanten in dem Gebiet zu negieren. In bestimmten Fällen können Richter deshalb weiterhin eine lebenslange Haftstrafe verhängen.

Die Todesstrafe existiert zwar bis heute im israelischen Recht, wurde aber bislang nur einmal vollstreckt, als im Jahr 1962 der NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann hingerichtet wurde.

Für Ben-Gvir ist der Galgen mittlerweile zum politischen Symbol geworden , um das er seine Anhänger um sich schart. Zu seinem 50. Geburtstag schenkten die ihm eine Torte mit einer Schlinge darauf. Stolz ließ er sich neben seiner Frau damit ablichten.

Außenminister Gideon Sa’ar warf ihm bereits nach einer früheren Provokation vor, dem Ansehen des Landes zu schaden. »Nein, Sie sind nicht das Gesicht Israels«, schrieb Sa’ar damals. Der israelische Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, erklärte ebenfalls, Ben-Gvirs »rücksichtsloses Auftreten« repräsentiere nicht die Politik der israelischen Regierung.

Gideon Sa’ar: »Nein, Sie sind nicht das Gesicht Israels!«

Nun kommt zur Galgen-Botschaft eine weitere Äußerung hinzu, die international für Entsetzen sorgt. Erst wenige Tage zuvor hatte Ben-Gvir gefordert, im Gazastreifen jede Nacht 30 bis 40 Menschen gezielt zu töten. Dabei gehe es nicht nur um Menschen, die eine unmittelbare Gefahr darstellten. Es gebe im Gazastreifen Menschen, die »es nicht verdient haben zu leben«, sagte er. »Sie sollten nicht leben. Sie sind nicht einmal Menschen.«

Ben-Gvir hat keine Befehlsgewalt über die israelische Armee. Als Minister für Nationale Sicherheit kontrolliert er jedoch die Polizei und den israelischen Gefängnisdienst und gehört zu den einflussreichsten Politikern in der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Lesen Sie auch

Worte lösten heftige Reaktionen aus

Seine Worte lösten heftige Reaktionen aus. Bundeskanzler Friedrich Merz verurteilte die Forderung nach täglichen Tötungen scharf. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot bezeichnete Ben-Gvirs Äußerungen als »unerträglich und unmenschlich«.

In Europa wächst deshalb der Ruf nach Konsequenzen. Mehrere Staaten fordern Sanktionen gegen Ben-Gvir. Frankreich hatte bereits nach einer früheren Affäre ein Einreiseverbot gegen den Minister verhängt und drängt auf EU-weite Strafmaßnahmen. Italien brachte ebenfalls Sanktionen ins Gespräch. Nun soll auf EU-Ebene erneut darüber beraten werden. Für Sanktionen gegen einen einzelnen israelischen Minister ist allerdings die Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten notwendig. Bislang scheiterte ein solcher Vorstoß an dieser Hürde.

Gaza

Hamas: Sinwars »rechte Hand« überlebt israelischen Angriff

Bei einem israelischen Luftangriff in dem Palästinensergebiet sollen am Wochenende mehrere Menschen getötet worden sein. Israel zielte auf den ranghöchsten Hamas-Führer in dem Küstenstreifen ab – doch der hat wohl überlebt

 06.10.2026

Be’eri

»Ich musste ihre Geschichte erzählen«

Dafna Gerstner hat die Hamas-Massaker überlebt und wagt einen vorsichtigen Blick in die Zukunft

von Geneviève Hesse  06.10.2026

Geiseln

Überlebt

505 Tage war Omer Shem Tov in der Gewalt der Hamas in Gaza. Seine Schilderungen zeigen, wie leicht es sich all jene machen, die bei der Bewertung des Krieges die perfide Taktik der Terroristen ausblenden

von Sabine Brandes  06.10.2026

Interview

»Wir haben Angst, dass Shani und Carolin vergessen werden«

Sonja Bohl-Dencker und Ricarda Louk leben seit dem 7. Oktober mit einer unvorstellbaren Wunde – dem Tod ihrer Töchter, die von Hamas-Terroristen ermordet wurden

von Sophie Albers Ben Chamo  06.10.2026

7. Oktober

»Ich hatte keine Ahnung, wie sehr wir gehasst wurden«

Unsere Autorin ist an der Grenze zu Gaza aufgewachsen und lebt heute in Berlin. Hier beschreibt sie, wie das Hamas-Massaker ihr Leben verändert hat – und was es mit ihr macht, dass sie und ihr Land plötzlich weltweit als genozidal verleumdet werden

von Adi Kaslasy-Way  06.10.2026

Terror

Augenzeuge der Flydubai-Attacke: »Im Cockpit war niemand«

Die Minuten nach der Gewalttat sind dramatisch: ein leeres Cockpit, ein schwer verletzter Pilot, improvisierte Fesseln, geschockte weitere Piloten unter den Passagieren. Ein Augenzeuge berichtet

 06.10.2026

Natur

Die Kraniche sind da!

Im Hula-Tal hat der alljährliche Herbstzug begonnen – Millionen weiterer Zugvögel werden in den kommenden Wochen erwartet

von Sabine Brandes  06.10.2026

Israel

Netanjahu: »Es wird keine Hamas-Herrschaft geben«

Bei dem Gedenken der Opfer des Hamas-Massakers vor drei Jahren droht der Ministerpräsident den an dem Überfall beteiligten Terroristen

 05.10.2026

Terroranschlag

Rückholflüge aus den Emiraten haben begonnen

Aktion beginnt nach der Beilegung eines Streits über Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen von Dubai

von Sabine Brandes  05.10.2026