Der Herbstzug hat begonnen: In den vergangenen Nächten haben die ersten Kraniche ihren Weg nach Israel gefunden. Die Familienverbände landeten am See des Hula-Tals im Norden des Landes, berichteten Vogelschützer und -beobachter. Sie sind die Vorboten der Millionen Zugvögel, die in den nächsten Wochen folgen werden.
Die in Israel eintreffenden Kraniche stammen vorwiegend aus Nordrussland sowie aus Finnland und Estland. Es handelt sich meist um Familien, zu denen auch Jungvögel gehören, die im vergangenen Frühjahr geschlüpft sind. Das Hula-Tal in Obergaliläa liegt direkt auf der Route der Zugvögel und dient ihnen als wichtiger Rastplatz. Dank des reichhaltigen Nahrungsangebots und sicheren Lebensraums können sich die Tiere hier ausruhen und neue Energie tanken, bevor es weiter bis nach Afrika geht, betonen israelische Vogelschützer.
Schätzungsweise 500 Millionen Zugvögel machen hier Rast
Dabei sind die Kraniche nur ein kleiner Teil des gewaltigen Vogelzugs über Israel. Jedes Jahr ziehen Schätzungen zufolge rund 500 Millionen Zugvögel durch das Land, das auf einer der wichtigsten Routen zwischen Europa, Asien und Afrika liegt. Allein Zehntausende Kraniche machen auf ihrem Weg in den Süden im Hula-Tal Station. Hinzu kommen Zehntausende Pelikane sowie Hunderttausende Greifvögel, Störche und zahlreiche andere Arten.
Auch im Hula-Tal gesellen sich die Kraniche nun zu einer Vielzahl von Vögeln, die bereits in der Gegend heimisch sind oder dort Station machen, darunter Flamingos, Löffler, Watvögel, Ibisse und Reiher.
Eyal Ostrovsky: »Es ist weit mehr als ein einzigartiges Naturgebiet, es ist ein Ankerpunkt sowie ein bedeutender touristischer und wirtschaftlicher Aktivposten für die Bewohner des Nordens und Galiläas.«
In diesem Jahr scheint sich die biologische Uhr der Kraniche jedoch etwas verschoben zu haben. Normalerweise treffen die ersten Exemplare zwischen dem 23. September und Monatsende ein, doch diesmal kamen sie etwas später, am 4. Oktober. Möglicherweise haben die Vögel aufgrund des warmen Wetters in Europa mit dem Aufbruch gewartet. Das gab den Jungvögeln zusätzliche Tage, um kräftiger zu werden und sich vor der langen Reise noch etwas mehr Fettreserven anzufressen.
Für die Verantwortlichen im Hula-Tal ist die Ankunft der Vögel nicht nur ein spektakuläres und – dank der charakteristischen Rufe der Kraniche – geräuschvolles Naturereignis, sondern auch ein bedeutender Motor für die regionale Wirtschaft.
»Agamon Hula-KKL-JNF ist weit mehr als ein einzigartiges Naturgebiet, es ist ein Ankerpunkt sowie ein bedeutender touristischer und wirtschaftlicher Aktivposten für die Bewohner des Nordens und Galiläas«, betont Eyal Ostrovsky, der Vorsitzende von KKL-JNF.
Kraniche machen viel Lärm
»Die alljährliche, faszinierende Rückkehr der Kraniche erinnert uns daran, wie wichtig der Naturschutz ist, und zugleich an unsere Verantwortung, Galiläa, den lokalen Tourismus sowie die dort lebenden und arbeitenden Gemeinschaften weiter zu stärken. KKL-JNF wird weiterhin in die Region investieren und daran arbeiten, dass Agamon und Galiläa als Ganzes weiterwachsen, sich entwickeln und zahlreiche Besucher aus ganz Israel und der ganzen Welt anziehen.«
Für Reisende ist dies erst der Auftakt des alljährlichen Herbstzugs. In den kommenden Wochen und Monaten werden Zehntausende weitere Kraniche und Hunderttausende zusätzliche Zugvögel in dem Gebiet erwartet. Die grauflügeligen, langhalsigen Vorboten sind bereits eingetroffen. Und wenn die ersten Kraniche kommen, dauert es meist nicht lange, bis ihnen die nächsten Scharen folgen.