Jerusalem

Netanjahu: Zustimmung der Hamas zu Waffenruhe ist Zeichen von Schwäche

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: copyright (c) Flash90 2025

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat die von der Hamas erklärte Zustimmung zu einem neuen Waffenruhe-Vorschlag als Ausdruck von Druck und Schwäche abgetan. »Die Hamas steht unter immensem Druck«, sagte Netanjahu nach Beratungen mit der Armeeführung in der Nähe des Gazastreifens. Zitiert wurde er von israelischen Medien. Der Ministerpräsident betonte zugleich, dass Israel an seinem Plan festhalte, Gaza-Stadt einzunehmen und die dortige Bevölkerung in den Süden des Küstenstreifens zu verlegen.

Mit seiner deutlichen Absage reagierte Netanjahu auf die Ankündigung der Hamas, einem von Ägypten und Katar ausgehandelten Vorschlag zuzustimmen. Dieser sieht eine 60-tägige Feuerpause sowie die Freilassung von zehn israelischen Geiseln vor. Netanjahu machte klar, dass Israel den Vorschlag zwar prüfe, die eigenen Kernforderungen jedoch unverändert blieben. Dazu zählten die vollständige Freilassung aller Geiseln, die Entwaffnung der Hamas, eine dauerhafte Sicherheitskontrolle durch Israel sowie die Übergabe der Verwaltung des Gazastreifens an eine neue Instanz – nicht an die Palästinensische Autonomiebehörde.

Nach Informationen aus Diplomatenkreisen beinhaltet das Angebot der Vermittler zudem die Freilassung von 150 palästinensischen Häftlingen sowie die Übergabe der Leichname israelischer Geiseln. Auch andere Terrorgruppen im Gazastreifen hätten signalisiert, dass sie sich dem Vorschlag anschließen würden. Die Vermittlerländer hoffen, dass eine begrenzte Feuerpause zumindest eine Grundlage für umfassendere Gespräche schaffen könnte.

Kurz vor der Umsetzung

Gespräche mit der Hamas sind und waren immer schwierig. Denn das erklärte Ziel der Terroristen ist eine Auslöschung Israels. Nur unter militärischen Druck waren sie bisher zu Zugeständnissen bereit.

Lesen Sie auch

Verteidigungsminister Israel Katz äußerte sich ähnlich wie Netanjahu. »Die Hamas hat nur deshalb Verhandlungsbereitschaft signalisiert, weil sie fürchtet, dass wir Gaza-Stadt tatsächlich erobern«, sagte er. Armeechef Eyal Zamir sprach von einem »Wendepunkt im Krieg« und kündigte an, die Pläne für die nächste Phase der Offensive stünden kurz vor der Umsetzung.

Auch aus den USA kam Rückendeckung für Israels harte Linie. Präsident Donald Trump erklärte, dass eine Rückkehr der Geiseln nur durch eine militärische Zerschlagung der Hamas erreicht werden könne. »Wir werden die Rückkehr der Geiseln erst sehen, wenn die Hamas zerstört ist«, schrieb er in seinem sozialen Netzwerk. Nach Angaben der israelischen Regierung hält die Hamas weiterhin rund 50 Menschen in ihrer Gewalt, von denen nur noch 20 am Leben sein sollen. Die Terrororganisation foltert Verschleppte und hungert sie aus. 75 Geiseln wurden von der Hamas bei den Massakern vom 7. Oktober oder später im Gazastreifen ermordet.

»Jede Chance nutzen«

Unterdessen reagierten internationale Akteure unterschiedlich. Die Vereinten Nationen äußerten sich vorsichtig optimistisch und appellierten an »beide Seiten«, den Vorschlag ernsthaft zu prüfen. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul rief dazu auf, »jede Chance auf eine Feuerpause zu nutzen, um humanitäre Hilfe nach Gaza zu bringen«. In Brüssel erklärte die EU, sie unterstütze die Vermittlungsbemühungen Ägyptens und Katars.

Seit Monaten versuchen internationale Vermittler, eine dauerhafte Waffenruhe zu erreichen. Frühere Initiativen waren jedoch wiederholt an den weit auseinanderliegenden Positionen gescheitert: Während Israel auf der vollständigen Zerschlagung der Hamas besteht, um seine Bevölkerung zu schützen, fordert die Terrororganisation ein Ende ihres eigenen Krieges. im

Die iranische Atomanlage Fordo vor den amerikanischen Angriffen

Iranisches Atomprogramm

Fordo: Der Mossad war da

Yossi Cohen leitete den israelischen Auslandsgeheimdienst von 2015 bis 2021. Unter seiner Ära hätten israelische Spione die iranische Atomanlage Fordo mehrmals in Augenschein genommen

 12.08.2026

Israel

Tel Aviv bekommt offiziell einen »Geiselplatz«

Der Platz vor dem Kunstmuseum der israelischen Metropole wurde zum Sammelort für alle, die ihre Solidarität mit den Geiseln in Gaza ausdrücken wollten. An diese dramatische Zeit soll nun seine offizielle Umbenennung erinnern

von Andrea Krogmann  12.08.2026

Kommentar

UNRWA: Fakten statt Tabus

Warum Kritik am Palästinenserhilfswerk auf Schweigen und Ablehnung stößt

von Duki Dror  12.08.2026

Tel Aviv/Gaza/Brüssel

Israel verlängert zwei EU-Missionen in Palästinensergebieten

Die EU hilft bei der Ausbildung palästinensischer Polizisten und der Überwachung des Rafah-Grenzübergangs. Beide EU-Missionen können nun aus Sicht Israels bis 2027 weitergehen

von Cindy Riechau  12.08.2026

Eskalation

Israelisches Ministerium droht mit Schließung heiliger Stätten

Kein Geld, kein Service: Weil ein Haushaltsstopp auch den Betrieb heiliger Stätten betrifft, droht das zuständige Religionsministerium in Israel mit Schließungen - wenige Wochen vor den höchsten Feiertagen

 12.08.2026

Nahost

Abbas zu Gesprächen mit Erdoğan in Ankara

Der Palästinenserpräsident will sich zwei Tage in der Türkei aufhalten. Israels Finanzminister Smotrich fordert Netanjahu auf, Abbas die Rückkehr zu verweigern

 12.08.2026

UNO

Kein Rückzug aus Siedlungen

»Wir werden nirgendwo hingehen. Die jüdischen Gemeinden werden in Judäa und Samaria bleiben«, sagt Israels UNO-Botschafter Danny Danon

 12.08.2026

Jerusalem/Caracas

Israel und Venezuela nähern sich nach 17 Jahren wieder an

Beide Staaten verständigen sich auf die Wiederaufnahme konsularischer Kontakte und die Einrichtung eines offiziellen Koordinierungskanals

 12.08.2026

Westjordanland

Israels Armee verurteilt illegale Siedlerposten innerhalb palästinensischer Dörfer

Die IDF bezeichneten die jüngsten Vorgänge in dem Gebiet als »illegal, verwerflich und inakzeptabel«. Aber tun sie etwas dagegen?

 12.08.2026