Jerusalem

Netanjahu: Keine dauerhafte Besetzung Gazas geplant

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: copyright (c) Flash90 2025

In einem ausführlichen Interview mit »Fox News« hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Pläne seines Landes zum Vorgehen im Gazastreifen erläutert. Dabei stellte er klar, dass Israel nicht die Absicht habe, den Gazastreifen dauerhaft zu besetzen oder zu regieren. Stattdessen solle die Terrororganisation Hamas vertrieben werden, um der Bevölkerung ein Leben ohne Terror und Unterdrückung zu ermöglichen.

»Wir wollen unsere Sicherheit gewährleisten, indem wir die Hamas aus dem Gazastreifen vertreiben«, erklärte Netanjahu. »Ziel ist es, der Bevölkerung die Freiheit zurückzugeben und das Gebiet einer zivilen Verwaltung zu übergeben – einer Verwaltung, die nicht der Hamas oder einer Gruppe angehört, die die Zerstörung Israels anstrebt.« Netanjahu bezeichnete die Hamas mehrfach als »neue Nazi-Armee«, die nicht nur Israelis, sondern auch die eigene Bevölkerung brutal misshandele und terrorisiere.

Er betonte, dass die rund zwei Millionen Einwohner Gazas derzeit »wie Geiseln« von der Hamas gehalten würden – ein Zustand, der dringend ein Ende haben müsse. Im Gespräch mit »Fox News« verwies er auch auf Palästinenser im Gazastreifen, die gegen die Hamas kämpften und endlich Hoffnung auf eine bessere Zukunft sähen.

Keine dauerhafte Kontrolle oder Regierung

Auf die Frage, ob Israel vorhabe, die gesamte Fläche des 42 Kilometer langen Gazastreifens wieder unter seine Kontrolle zu bringen, antwortete Netanjahu deutlich: »Wir wollen keine dauerhafte Kontrolle oder Regierung. Wir wollen eine Sicherheitszone schaffen, aber die Verwaltung an arabische Kräfte übergeben, die den Gazanern ein gutes Leben bieten und uns nicht bedrohen.«

Der Ministerpräsident erläuterte die brutalen Methoden der Hamas, die sich sogar gegen die eigene Bevölkerung richteten. So würden Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht, wer versuche, Kampfzonen zu verlassen, würde erschossen, und es werde eine bewusste Hungerpolitik verfolgt.

Zum Thema der israelischen Geiseln im Gazastreifen sagte Netanjahu, man setze »alle verfügbaren Mittel« ein, um sie zu befreien. Er verwies darauf, dass von ursprünglich 255 Geiseln bisher 205 freigelassen worden seien, davon seien 148 am Leben. Entgegen düsteren Einschätzungen sei es durchaus möglich, mit der richtigen Kombination aus militärischen Maßnahmen und internationalem Druck alle oder zumindest den Großteil der Geiseln in ihre Heimat zurückzubringen. Er räumte aber ein, dass die Befreiung schwierig sei und Gefahren für die Geiseln bestünden.

Hilfslieferungen und Hamas

Stets wiederholte Anschuldigungen aus verschiedenen Teilen der Welt, Israel begehe im Gazastreifen einen Völkermord, wies Netanjahu scharf zurück: »Wenn das Genozid wäre, hätten wir die gesamte Bevölkerung bereits vernichtet. Stattdessen liefern wir seit Monaten humanitäre Hilfe in großem Umfang: zwei Millionen Tonnen Lebensmittel.«

Die großflächige Zerstörung in Gaza erklärte Netanjahu mit den zahlreichen Sprengfallen, die die Hamas in jedem Gebäude installiert habe. »Wir räumen zunächst die Bevölkerung aus den Kampfgebieten, doch die Terroristen sprengen dann die Häuser, wenn wir vorrücken. Dadurch entstehen die zerstörten Gebäude, die aber leer sind.« Zudem habe die Hamas Milliarden Dollar in ein unterirdisches Tunnelnetzwerk gesteckt, das als Terrorbasis diene. Israel zerstöre nun diese Tunnel, was ebenfalls Gebäudeschäden verursache.

Lesen Sie auch

Netanjahu betonte auch, dass die Hamas Hilfslieferungen blockiere, für sich selbst horte und die Lebensmittelpreise in Gaza künstlich in die Höhe treibe. »Die internationale Gemeinschaft wirft Israel vor, die Hilfsgüter zu blockieren – das stimmt nicht. Hamas stiehlt die Hilfe und verhindert deren Verteilung an die Bevölkerung«, so der Premier.

Humanitärer Aufschwung

Auf die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der von »Hungersnot« sprach, reagierte Netanjahu ebenfalls. Er lobte Trumps Unterstützung und berichtete, dass man mit dem US-Präsidenten bereits Maßnahmen für einen humanitären Aufschwung plane.

Dazu gehörten sichere Transportwege für Hilfslieferungen und eine Vervierfachung der Ausgabestellen, die von amerikanischem Personal der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) betreut werden. So soll die Umleitung von Nahrungsmitteln durch die Hamas verhindert werden. Auch weitere Luftabwürfe von Hilfsgütern seien geplant. Andere Länder seien eingeladen, sich daran zu beteiligen.

Netanjahu appellierte an die internationale Gemeinschaft, die Hamas zu entwaffnen und Gaza beim Aufbau einer zivilen und friedlichen Zukunft zu unterstützen: »Wir müssen diesen Terrorstaat eliminieren, sonst wird es keine Sicherheit für Israel und keine Zukunft für Gaza geben.« im

Terror

Hisbollah greift Israel an: Mehrere Soldaten verletzt

Im Norden des jüdischen Staates werden zwei Soldaten in Krankenhäuser gebracht. Einer von ihnen ist schwer verwundet. Ein weiterer Soldat wird im Süd-Libanon getroffen

 08.05.2026

Vorwurf

»Kult-Rabbi« aus Meron verhaftet

Ein Gemeindeführer der Breslov-chassidischen Bewegung soll seine Autorität für sexuelle Übergriffe missbraucht haben

von Sabine Brandes  08.05.2026

Gesellschaft

Regierung will Rückkehrrecht ändern

Entsprechend des Entwurfs sollen künftig nur noch orthodoxe Übertritte zum Judentum anerkannt werden

von Sabine Brandes  08.05.2026

Tel Aviv

Erster Hantavirus-Fall in Israel registriert

Die betroffene Person soll sich vor mehreren Monaten während eines Aufenthalts in Osteuropa angesteckt haben

 08.05.2026

Jerusalem

Bennett verklagt Ministerin und Fernsehsender wegen Behauptungen über psychische Erkrankung

Der Oppositionspolitiker fordert laut israelischen Medienberichten Schadenersatz in Höhe von zwei Millionen Schekel (0,59 Millionen Euro)

 08.05.2026

Jerusalem/Washington D.C./Ankara

Israel und USA wollen neue Gaza-Flottille stoppen, bitten Türkei um Hilfe

Konkret geht es demnach um 15 Boote, die sich in türkischen Häfen befinden und Teil der sogenannten »Global Sumud Flotilla« werden sollen

 08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Tel Aviv

Sirenen und Schlagzeilen

Unsere Israel-Korrespondentin Sabine Brandes über das Arbeiten im Ausnahmezustand

von Sabine Brandes  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026