Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verlangt, dass gegen die Soldaten, die anonym in dem Film »NAZA« aufgetreten sind, strafrechtlich ermittelt wird. Er fordert die Ermittler auch auf, ihre Identitäten offenzulegen. Dies schrieb der Premier an IDF-Stabschef Eyal Zamir, den Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, David Zini, und Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara.
»Es besteht die Besorgnis, dass die an dem Film Beteiligten Straftaten begangen haben, darunter schwere Verstöße im Zusammenhang mit der Weitergabe geheimer Informationen und einem Verstoß gegen die Informationssicherheit einer besonders sensiblen Nachrichtendiensteinheit«, heißt es in dem Schreiben aus Netanjahus Büro.
Ministerpräsident fordert dringendes Handeln
Er forderte »dringendes Handeln, um die Identität all jener aufzudecken, die an dem verleumderischen Film beteiligt sind oder darin auftreten«. Netanjahu hatte sich bereits zuvor für den Entzug der israelischen Staatsbürgerschaft der Filmemacher Rachel Szor und Yuval Abraham ausgesprochen.
»NAZA«, der Titel ist ein hebräisches Akronym für »Kollateralschaden«, enthält Aussagen von 24 digital unkenntlich gemachten Personen, bei denen es sich laut den Filmemachern um Soldaten handelt. Sie sollen vorwiegend aus Nachrichtendiensteinheiten der israelischen Armee IDF stammen.
Die im Film geschilderten Aussagen beziehen sich auf den Krieg Israels gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen, nachdem die das blutige Massaker mit etwa 1200 Toten und 251 Geiseln in südlichen israelischen Gemeinden angerichtet hatte. Doch diesen Hintergrund lässt »NAZA« weitgehend aus.
IDF: »Der Film vermittelt ein verzerrtes, irreführendes und unaufrichtiges Bild der Zielplanung und der Angriffsprozesse der IDF und besteht aus erheblichen faktischen Fehlern.«
Die Soldaten sagen in dem Film unter anderem aus, dass Militärschläge genehmigt worden seien, denen bis zu 500 zivile Opfer in Kauf genommen wurden. Auch soll angeblich Künstliche Intelligenz für die Auswahl der Angriffsziele herangezogen worden sein.
Die IDF hatte bereits Anfang des Monats eine umfassende Stellungnahme veröffentlicht, in der die Vorwürfe zurückgewiesen wurden. Darin hieß es unter anderen, allein Menschen seien für die Auswahl und Genehmigung von Angriffen im Gazastreifen verantwortlich. Und weiter, dass kein Angriff jemals 500 Zivilisten getötet oder darauf ausgelegt gewesen sei, dies zu tun.
Zusammenfassend kritisierte die Armee, dass der Film »ein verzerrtes, irreführendes und unaufrichtiges Bild der Zielplanung und der Angriffsprozesse der IDF vermittelt und auf erheblichen faktischen Fehlern besteht, die aus einer manipulativen Falschdarstellung der Realität resultieren«.