Präsident Isaac Herzog hat sich zur kriminellen Gewalt in den arabischen Gemeinden Israels geäußert. Auf einer von der Tageszeitung Yedioth Acharonot organisierten Konferenz sagte er, dass »dieses Land die Kapazitäten der Polizei übersteigt.«
Herzog prangerte die anhaltenden Tötungen in der arabischen Gesellschaft an, wo die Gewaltkriminalität in den letzten Jahren massiv zugenommen hat. »Die Kriminalität in der arabischen Gesellschaft ist eine Katastrophe«, sagte er. »Es geht um eine riesige Zahl von Bürgern – mehr als 1,3 Millionen Menschen, die Tag und Nacht unter Terror leben.«
Es brauche weitaus größere Polizeikraft
Auf die Frage nach dem Mangel an staatlicher Führung meinte der Präsident: »Unsere Polizei tut ihr Bestes, aber die Aufgabe, dieses Land zu bewältigen, ist für sie schlicht zu groß. Wir brauchen eine stärkere und weitaus größere Polizeikraft, denn es gibt hier so viele Herausforderungen.«
Er sprach sich auch gegen die Gewalt von Ultraorthodoxen aus: »Auch das, was wir in Modi’in nach der Festnahme von Wehrdienstverweigerern erlebt haben, ist unerträglich. Und was mich am meisten beunruhigt – was mich nachts nicht schlafen lässt –, ist die Gewalt, die wir in Judäa und Samaria sehen. Sie ist ein gewaltiger Schandfleck für den Staat, ein moralischer Makel.« Herzog benutzte für das palästinensische Westjordanland den biblischen Begriff »Judäa und Samaria«.
Nach Angaben der Beobachtungsorganisation »Abraham Initiatives« habe die Polizei in diesem Jahr lediglich 12 Prozent der Tötungsdelikte in arabischen Gemeinden aufgeklärt, während die Gewaltkriminalität in Städten und Ortschaften in ganz Israel immer weiter zunimmt.
Bericht des IDI: »Israel steckt inmitten einer beispiellosen Krise der Strafverfolgung.«
In einem am Dienstagabend veröffentlichten Bericht teilte die Organisation mit, dass in der arabischen Gemeinschaft im ersten Halbjahr 144 Menschen durch Tötungsdelikte ums Leben kamen. Zu den Opfern zählen 140 arabische Staatsbürger sowie vier palästinensische Bewohner Ostjerusalems, die in die Zuständigkeit der israelischen Polizei fallen. Viele der jüngsten Morde stehen vermutlich im Zusammenhang mit anhaltenden Fehden und Rachefeldzügen zwischen kriminellen Organisationen und Familien.
Dieser Anstieg fiel mit der Amtszeit von Itamar Ben-Gvir, dem rechtsradikalen Minister für Nationale Sicherheit, zusammen, dessen Ministerium die israelische Polizei beaufsichtigt. Kritiker werfen der Polizei wiederholt Ineffektivität und in manchen Fällen sogar eklatante Fahrlässigkeit im Kampf gegen die organisierte Kriminalität in arabischen Städten vor.
Die Polizei weist diese Vorwürfe zurück und betont, sie arbeite mit begrenzten Ressourcen gegen immer raffiniertere kriminelle Netzwerke. Höhere Polizeibeamte argumentieren wiederholt, dass Staatsanwaltschaft, Gerichte und unzureichende Ermittlungstechnologien allesamt zu der niedrigen Verurteilungsrate beitragen.
»Israel steckt inmitten einer beispiellosen Krise der Strafverfolgung. Im Jahr 2025 wurden 309 israelische Staatsbürger ermordet – doppelt so viele wie unmittelbar vor dem Amtsantritt der aktuellen Regierung«, wie Amichai Cohen und Mirit Lavi in einem Bericht für das Israel Democracy Institute (IDI) schreiben.
Trauriger Rekord in 2025 mit 252 Opfern
»Innerhalb der arabisch-israelischen Bevölkerung wurde 2025 mit 252 Opfern ein trauriger Rekord verzeichnet – und allein in der ersten Hälfte des Jahres 2026 waren es bereits 144 Menschen, die im Zuge von Gewalt und Kriminalität im arabischen Bevölkerungsteil starben«, führen die Autoren aus.
Umfragen des Israel Democracy Institute unterstreichen den Ernst der Lage hinsichtlich der persönlichen Sicherheit in Israel. Einer Ende 2025 durchgeführten Umfrage des Instituts zu Polizeiarbeit und innerer Sicherheit zufolge befürchteten 80 Prozent der arabisch-israelischen Befragten, dass sie selbst oder ihre Familienangehörigen im Zuge krimineller Auseinandersetzungen Opfer schwerer Gewalt oder von Schüssen werden könnten.