»Sie haben die Stadt verkauft, nichts weniger als das«, kommentierte eine Quelle der Polizei am Montagmorgen gegenüber Reportern. Der Ort, der hier im Fokus steht, ist die israelische Vorstadt Kfar Saba, nordöstlich von Tel Aviv gelegen. Am Montagmorgen sind hier 17 Personen festgenommen worden, darunter der Bürgermeister Rafi Saar und seine Frau Meital. Die beiden stehen mit anderen in Verdacht, in einen massiven Korruptionsskandal verwickelt zu sein.
Dabei sollen Bestechungsgelder, zumeist in bar, Geschäftsleuten den Weg zu lukrativen Aufträgen der Stadtverwaltung geebnet haben. Die mutmaßliche Korruption wurde nach fast eineinhalb Jahren der Ermittlungen von der nationalen Betrugsermittlungseinheit Lahav 433 aufgedeckt.
Projekte im Wert von Dutzenden Millionen Schekel
Informierten Kreisen zufolge betreffe die Bestechungsaffäre Projekte im Wert von Dutzenden Millionen Schekel. Die israelische Nachrichtenseite Walla schreibt, dass sich unter den Verdächtigen auch ein ehemaliger Fußballspieler und ein weiteres Familienmitglied des Paares befindet.
Im Zentrum des Skandals stehen Ausschreibungen und Projekte in einer Vielzahl von Bereichen der Stadt: Imbisswagen, Renovierungen, die Sanierung von Bildungseinrichtungen während der Sommerferien, Transportwesen, Reinigung, Beleuchtung, Ampeln und generelle Stadterneuerung. Aufträge dafür seien an Vertraute, Geschäftsleute und Kriminelle vergeben worden – im Austausch gegen mit Bargeld gefüllte Umschläge, heißt es in der Anklageschrift. Die Umschläge habe stets Frau Saar erhalten, die den direkten Kontakt zu diesen Personen gepflegt haben soll.
Die verdeckten Ermittlungen begannen im Mai 2025, doch laut einem hochrangigen Beamten der israelischen Staatsanwaltschaft betreffen die gesammelten Informationen auch Straftaten, die bereits im Jahr 2019 begangen wurden. Von Beginn der Ermittlungen an hätten die Ermittler technische Mittel eingesetzt, darunter Telefonüberwachung und die Auswertung vieler Dokumente.
Die Polizei erklärte, dass die im Laufe der Zeit gesammelten Erkenntnisse den Verdacht erhärteten und es schließlich ermöglicht hätten, die Verbindungen zwischen dem Bürgermeister, seiner Frau, Geschäftsleuten und kriminellen Elementen aufzudecken.
Staatsanwaltschaft: »Das Phänomen, dass eine Stadt gegen Bestechungsgelder veräußert wird, muss unbedingt bekämpft werden.«
Der Einfluss der Bürgermeistergattin soll eine Hauptrolle in dem Skandal gespielt haben. Quellen, die mit den Ermittlungen vertraut sind, beschreiben sie als »die einflussreichste Frau der Gemeinde«. Obwohl sie keine offizielle Position innehatte, habe Frau Saar praktisch als »amtierende Bürgermeisterin« agiert und sei in nahezu alle Bereiche der Stadtverwaltung involviert gewesen.
Auch der Geschäftsführer eines Wirtschaftsunternehmens in Kfar Saba steht im Verdacht, eine zentrale Rolle im System innegehabt zu haben. Er soll dazu beigetragen haben, die Verfahren gegenüber den Gemeinderatsmitgliedern zu verschleiern.
Die Ermittler untersuchten auch den Lebensstil des Paares, der deutlich über ihre angegebenen finanziellen Möglichkeiten hinausging. Die Saars sollen regelmäßig zu Shoppingtrips ins Ausland geflogen sein und hauptsächlich bar bezahlt haben. Vor Kurzem hätten sie zwei neue Luxusfahrzeuge angeschafft.
Auch früherer Bürgermeister wurde wegen Korruption angeklagt
Während der Polizeirazzien entdeckten Ermittler zudem große Mengen Bargeld, verpackt und an verschiedenen Orten versteckt. Ein hochrangiger Beamter der Staatsanwaltschaft erklärte, dass das Geld in den Wohnungen der Hauptverdächtigen, in Kleiderschränken, Taschen, Aktenkoffern und in den Autos gefunden wurde. Auch Luxusgegenstände wie teure Uhren und Handtaschen seien sichergestellt worden.
»Das Phänomen, dass eine Stadt gegen Bestechungsgelder veräußert wird, muss unbedingt bekämpft werden«, fügte der Beamte hinzu. »Wir werden den Verkauf öffentlicher Vermögenswerte an Interessengruppen nicht zulassen.«
Bürgermeister Sada hat sein Amt inzwischen vorübergehend ruhen lassen. Für viele Bewohner von Kfar Saba rufen die jetzigen Festnahmen unangenehme Erinnerungen wach. Auch der frühere Bürgermeister der Stadt, Yehuda Ben Hamo, wurde in einem Korruptionsfall angeklagt und im April 2022 zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt.