Die Schrecken des 7. Oktober 2023 sind, auch drei Jahre danach, kaum zu begreifen. Hinter dem erschütternden Ausmaß der Hamas-Massaker verbergen sich Schicksale von unvorstellbarer Grausamkeit und unermesslichem Leid. Es sind Schicksale von Menschen, die niemals vergessen werden dürfen.
Baby Kfir zum Beispiel. Oder sein Bruder Ariel. Die beiden rothaarigen israelischen Jungen waren zum Zeitpunkt ihrer Verschleppung nach Gaza durch palästinensische Terroristen gerade Mal neun Monate und vier Jahre alt. Videos ihrer Entführung zeigen den Schock und die grenzenlose Verzweiflung in den Augen ihrer Mutter Shiri, als die Allahu Akbar schreienden Islamisten die junge Familie auf einen Pick-up prügeln und nach Gaza entführen.
Monate später ging die Nachricht um die Welt, dass die Terroristen die Brüder und ihre Mutter mit bloßen Händen ermordeten. In einem abgrundtief zynischen Schauspiel übergab die Hamas die Leichen der Israelis dem Roten Kreuz. Inszeniert als Familienfest mit Musik und Jubel.
Auf den Särgen der Jungen prangten Fotos von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, dargestellt als Vampir, der das Blut der Familie Bibas trinkt. Statt der getöteten Geisel Shiri Bibas übergab die Hamas den Leichnam einer palästinensischen Frau.
Verabscheuungswürdiger geht es kaum.
Yarden, der Vater von Kfir und Ariel, Shiris Mann, überlebte die 484 Tage in Hamas-Gefangenschaft. Er wird seine Kinder und seine Frau nie wieder sehen. Nichts wird für Yarden je wieder gut. Nichts. Niemals.
Oder Vivian Silver. Die 74-jährige israelische Friedensaktivistin lebte im Kibbuz Beeri, direkt an der Grenze zu Gaza. Wöchentlich fuhr sie mit ihrem Auto zur Grenze, um dort krebskranke palästinensische Kinder zur Behandlung in israelische Krankenhäuser zu bringen. Am 7. Oktober stürmten Hamas-Terroristen ihr Haus, schossen um sich und warfen anschließend mehrere Handgranaten in den Schutzraum, in dem Vivian Silver sich zu schützen versuchte. Es brauchte mehrere Wochen, um ihre sterblichen Überreste identifizieren zu können. Man fand ihre Zähne unter einem Haufen Asche.
Oder Shani Louk, die strahlend schöne 22-jährige Deutsch-Israelin, die auf dem Nova-Festival tanzen und feiern wollte, dann aber – wie so viele andere israelischen Frauen auch – von palästinensischen Terroristen geschlagen, misshandelt, erschossen und anschließend – als die Hamas ihren Leichnam triumphierend den Menschen in Gaza vorführte – von einer Horde palästinensischer Zivilisten abermals geschlagen bespuckt und geschändet wurde.
Zur Erinnerung: Am 7. Oktober 2023 durchbrach die Hamas am frühen Morgen die Grenze zu Israel und hatte nur ein Ziel: möglichst viele Juden töten. Mehr als 1200 Israelis ermordete die genozidale Hamas im Süden Israels. Parallel dazu wurde Israel aus dem Gaza-Streifen mit Hunderten von Raketen angegriffen.
Unterstützt wurden die palästinensischen Terroristen von der durch Teheran hoch gerüsteten Hisbollah-Miliz im Libanon. Auch aus dem Jemen, Iran, Syrien, Irak und dem Westjordanland versuchten die Verbündeten der Hamas den jüdischen Staat – und mit ihm seine Bürger, eben: »From the River to the Sea!« – auszulöschen.
Israel war umgeben von einem schiitischen Feuerring. Israel sah sich über Nacht mit einem 7-Fronten Krieg konfrontiert. Das Land musste von nun an – wieder einmal – um seine Existenz kämpfen. Zeitgleich verschleppte die Hamas mehr als 250 unschuldige israelische Staatsbürger in den Gaza-Streifen. Es ist überliefert, dass die Geiseln vergewaltigt, misshandelt, bestialisch gequält und bis an die Grenze zum Tod ausgehungert wurden.
Wochenlang ignorierte die Hamas die Angebote Israels, die Geiseln herauszugeben. Jerusalem reagierte auf den Angriffskrieg der Hamas. Oder genauer: Israel unternahm das, was jeder Staat in Israels Situation getan hätte. Es setzte sich zur Wehr und versuchte den Dauerbeschuss aus Gaza zu unterbinden und seine entführten Bürger lebend zurück zu bekommen.
Warum diese lange Vorrede zu einer Filmrezension? Weil all das »NAZA« (abgeleitet von dem hebräischen Wort für »Kollateralschaden«) nicht zeigt. Das ist sein gutes Recht. Aber es ist unlauter.
Wäre ein Film seriös, der die Angriffe der Alliierten auf Nazi-Deutschland zeigt, ohne auf den Grund dieser Angriffe einzugehen? Wäre ein Film seriös, der den Eindruck vermittelt, die Alliierten hätten Nazi-Deutschland einfach so, ganz ohne Grund, angegriffen? Oder gar aus einem bloßen Affekt des Blutrausches heraus, andere Menschen einfach töten zu müssen?
Stattdessen stellt »NAZA« den Krieg gegen die palästinensische Terrororganisation Hamas in perfider Art und Weise in die Nähe des Holocaust. Vergleicht Soldaten der israelischen Verteidigungsstreitkräfte mit NS-Tätern, die den Mord an sechs Millionen Juden zu verantworten haben. Stellt die Frage, was israelische Soldaten noch genau von SS-Massenmördern unterscheide. Suggeriert, dass Israel die Schoa instrumentalisiert, um einen eigenen angeblichen Völkermord an den Palästinensern zu verschleiern.
Es muss so klar gesagt werden: Dieser Film ist ein einziger Skandal. Dieser Film ist – ob von den Regisseuren Yuval Abraham und Rachel Szor intendiert oder nicht – der manipulativste Film, der seit langer Zeit in den Kinos zu sehen gewesen ist. Weil »NAZA« so unschuldig daherkommt. Scheinbar objektiv. Einzig und allein interessiert an der Menschlichkeit und der Wahrung demokratischer Werte in Israel.
Doch mit welchem moralischen Anspruch kann ein Film über den Gaza-Krieg gedreht werden, ohne die Rolle der Hamas, die diesen grausam-blutigen Kampf begonnen hat und diesen innerhalb von Minuten – siehe oben – hätte beenden können, zu beleuchten? Ohne das Dilemma Israels zu thematisieren, das Golda Meir, Ex-Premierministerin Israels, wie folgt zum Ausdruck brachte: »Wir werden es den Arabern nie verzeihen, dass sie uns angegriffen haben und wir ihre Söhne töten mussten«? Ohne zu erwähnen, dass jene Kräfte, die den jüdischen Staat für immer vernichten wollen, nachweislich alles dafür tun, um dies in die Tat umzusetzen?
Ohne zu erwähnen, dass Israels Militär im Gegensatz zur Hamas mit Heerscharen von unabhängigen Juristen pedantisch darauf achtet, den sogenannten Verhältnismäßigkeitsgrundsatz des humanitären Völkerrechts einzuhalten, der vorgibt, das »Kollateralschäden« an der Zivilbevölkerung im Verhältnis zum erwarteten militärischen Vorteil stehen müssen? Ohne zu erwähnen, dass es zum Beispiel keinerlei Beweise dafür gibt, dass bei einem Angriff des israelischen Militärs 500 getötete Zivilisten in Kauf genommen wurden? Ohne zu erwähnen, dass es zur Taktik der Hamas in dem Krieg gehört, die Zahlen getöteter palästinensischer Tote in die Höhe zu treiben (O-Ton Hamas-Chef Sinwar »Wir kommen nur mit Blut in die Schlagzeilen. Kein Blut, keine Nachrichten. Werdet Märtyrer!«), während Israel möglichst viele Zivilisten zu schützen versuchte?
Ohne zu erwähnen, dass es zur elementaren Strategie der Hamas gehört, palästinensische Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu benutzen? Ohne zu erwähnen, dass das Einrichten von Fluchtrouten durch Israel, das Warnen der Zivilbevölkerung vor Angriffen, die Evakuierung von Zivilisten aus der Gefahrenzone, über eine Million Polio-Impfungen für die Einwohner Gazas, das Verteilen von mehr als zwei Millionen Tonnen an Lebensmitteln kein Genozid darstellt, sondern das genaue Gegenteil? Ohne zu erwähnen, dass es ein empirischer Fakt ist, dass Israel mehr getan hat, um zivile Opfer im Krieg zu verhindern als jede andere Armee in der Geschichte?
Ohne zu erwähnen, dass die im Film erwähnten Opferzahlen mit über 70.000 Menschen von der Hamas stammen und zudem nicht zwischen Terroristen und Zivilisten unterscheiden? Ohne zu erwähnen – die Aufzählung ließe sich schier endlos fortsetzen ...
Nichts wird für den palästinensischen Vater, der seine unter Schutt vergrabenen beiden kleinen Kinder sucht, je wieder gut. Nichts. Niemals.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Dieser Krieg war grausam. Das Leben in Gaza war die Hölle. Ein israelischer Kampfpilot, der Einsätze über Gaza geflogen ist, sagte unlängst im Gespräch mit der israelischen Zeitung Ynet: »Jeder Luftangriff birgt das Risiko, unbeteiligte Menschen zu verletzen, und
auf menschlicher Ebene ist das schrecklich. Krieg ist die Hölle.«
Die Szene gegen Ende des Films ist nicht auszuhalten, als ein verzweifelter palästinensischer Vater seine unter Schutt vergrabenen beiden kleinen Kinder sucht. Auch sie werden nie wieder zurückkommen. Nichts wird für diesen Vater je wieder gut. Nichts. Niemals. Dasselbe gilt für viele andere Menschen im Gazastreifen.
Ein der Wahrheit verpflichteter Film hätte den trauernden palästinensischen Vater UND den israelischen gezeigt. Er würde auf die perfide Taktik der Hamas eingehen. Er würde Israels Bemühungen um Menschlichkeit und Israels zwangsläufiges partielles Scheitern an den eigenen Ansprüchen spiegeln. Weil Krieg die Hölle ist.
Ein der Wahrheit verpflichteter Film würde zeigen, dass nicht alles, was Israel in diesem Krieg getan hat, rechtens war, was zugleich nicht bedeutet, dass dieser Krieg illegitim gewesen ist. Denn: Dieser Krieg war notwendig - und ohne Alternativen.
Er würde das Leid in Israel und das Leid in Gaza zeigen. Nicht als False Balance oder Äquidistanz, sondern als das, was Aufgabe von politischen Dokumentarfilmen ist: Berichten, was ist.
Die Genozid-Lüge nimmt in »NAZA« breiten Raum ein: Was früher das Gerücht über den Juden war, ist hier das Gerücht über den jüdischen Staat.
Doch in Bezug auf »NAZA« gilt noch nicht einmal der ebenso alte wie kluge jüdische Sprichwort, wonach die halbe Wahrheit eine ganze Lüge ist. NAZA opfert vielmehr die Wahrheit auf dem Altar der geradezu fanatischen Gegnerschaft zur gegenwärtigen israelischen Regierung und des Militärs, denen massives Unrecht im Film nie nachgewiesen, sondern bloß unterstellt, hinterhergeraunt wird. So funktioniert Propaganda. So funktioniert Demagogie. So funktioniert Verleumdung.
Auch die Genozid-Lüge nimmt in »NAZA« breiten Raum ein: Was früher das Gerücht über den Juden war, ist hier das Gerücht über den jüdischen Staat. Die Geschichte des Antisemitismus ist und bleibt eine Geschichte der Lüge. Was früher dem Juden als Individuum unterstellt wurde, wird nun Israel als Nation vorgeworfen. Nicht mehr dem Juden wird die Ritualmordlegende hinterhergerufen, sondern der Heimstatt von Millionen von Juden. Das ist perfide.
Mit weit reichender Wirkung: Bei den Filmfestspielen von Venedig wurde NAZA mehr als 25 Minuten lang mit Standing Ovations gefeiert. Es ist ebenso faszinierend wie erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt im Westen sich gerade selbst – ohne es zu bemerken, in der Annahme sie seien Streiter für die Menschlichkeit – zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen.
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