Gazastreifen

Morgens Krankenpfleger, nach Feierabend Terrorist

Ibrahim Abd al-Raouf al-Farra arbeitete als Krankenpfleger, war aber auch gleichzeitig Mitglied der Hamas Foto: Screenshot

Neue Veröffentlichungen der palästinensischen Terrororganisationen Hamas und Islamischer Dschihad werfen ein Schlaglicht auf die Rolle zahlreicher Mitarbeiter des Gesundheitswesens im Gazastreifen. Nach einer Auswertung von Todesanzeigen und Nachrufen der beiden Terrorgruppen durch »The Times of Israel« waren mindestens 18 Personen, die nach ihrem Tod als Ärzte, Krankenpfleger, Sanitäter oder Krankenhausmitarbeiter bezeichnet wurden, zugleich Mitglieder bewaffneter Einheiten.

Einem Bericht der israelischen Publikation zufolge wurden die Namen zunächst von dem unabhängigen Forscher Salo Aizenberg zusammengetragen und anschließend überprüft. Die Hamas und der Islamische Dschihad hatten ihre gefallenen Terroristen während des Krieges lange Zeit kaum namentlich genannt. Erst in den vergangenen Monaten veröffentlichten beide Organisationen Hunderte Nachrufe auf Mitglieder ihrer militärischen Verbände.

Unter den identifizierten Personen befindet sich Mohammed Akram al-Kafarna. Nach seinem Tod im September 2025 würdigten sowohl der palästinensische Pflegeverband als auch der Internationale Rat der Krankenschwestern (ICN) den Leiter des Pflegewesens im Gazastreifen als medizinischen Funktionär. Später veröffentlichte jedoch auch die Hamas einen Nachruf, in dem al-Kafarna als Kämpfer des Nidal-Nasser-Bataillons der Nord-Gaza-Brigade bezeichnet wurde. Fotos zeigten ihn in Militäruniform mit einem Sturmgewehr.

Labortechniker und Terroristen-Trainer

Zu den weiteren Fällen zählt Ahmad Adel Abu al-Hilal. Nach palästinensischen Angaben arbeitete er als Krankenpfleger im Europäischen Krankenhaus von Khan Junis. Der Islamische Dschihad führte ihn später jedoch als Kommandeur einer Einheit seiner Rafah-Brigade auf. Auch Ayman Suleiman Abu Tir, der als Krankenpfleger beziehungsweise Leiter der klinischen Ernährungsabteilung des Nasser-Krankenhauses beschrieben wurde, erschien später in den Veröffentlichungen des Islamischen Dschihad als Kommandeur einer Einsatzeinheit.

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Weitere Beispiele betreffen Jaber Abd al-Hamid Mohammadin, der als Intensivpfleger des Rantisi-Kinderkrankenhauses bekannt war und später als Kommandeur einer Produktionsabteilung des Islamischen Dschihad bezeichnet wurde, sowie Ibrahim Abd al-Raouf al-Farra, der in mehreren Datenbanken als Krankenpfleger geführt wird, während die Hamas ihn als Angehörigen ihrer Khan-Junis-Brigade identifizierte. Ahmad al-Dalu war Labortechniker im Krankenhaus, allerdings auch Kommandeur in der Training-Abteilung des Islamischen Dischihad.

Auch Salem Jumaa Shirab, Mohammed Abu al-Harbid, Haitham Mohammed Hammad und weitere Beschäftigte des Gesundheitswesens tauchen laut der Untersuchung sowohl in medizinischen Verzeichnissen als auch in den Nachrufen der Terrororganisationen auf. Teilweise sollen sie in militärmedizinischen Einheiten, teilweise in anderen bewaffneten Funktionen tätig gewesen sein.

Für militärische Zwecke missbraucht

Der Bericht verweist zudem auf den Fall des Physiotherapeuten Fadi Jihad al-Wadiya, der für Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières) arbeitete. Nach seinem Tod erklärte die Hilfsorganisation zunächst, sie habe keinerlei Hinweise auf eine militärische Tätigkeit gehabt. Monate später veröffentlichte der Islamische Dschihad jedoch einen Nachruf, in dem al-Wadiya als Mitglied einer militärischen Produktionseinheit geführt wurde. Ärzte ohne Grenzen betonte daraufhin, Israel habe der Organisation vor oder nach seinem Tod keine entsprechenden Belege vorgelegt und man würde niemals wissentlich Personen beschäftigen, die an militärischen Aktivitäten beteiligt seien.

Nicht alle identifizierten Personen arbeiteten unmittelbar in der Patientenversorgung. Einige waren Laborangestellte oder Verwaltungsmitarbeiter des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen und wurden später ebenfalls als Angehörige der Hamas oder des Islamischen Dschihad genannt.

Die Enthüllungen dürften die Debatte über die Rolle des Gesundheitswesens im Gazastreifen weiter verschärfen. Israel wirft der Hamas seit Beginn des Krieges vor, Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen systematisch für militärische Zwecke zu missbrauchen, darunter als Kommandozentralen, Waffenlager und Standorte unterirdischer Tunnel. Diverse Menschenrechtsorganisationen weisen diese Darstellung trotz Video- und Foto-Belegen zurück. im

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