Covid-19

Mit relativ wenigen Impfungen aus der Krise

Das Forscherteam Munitz, Yamin und Gerlitz (v.l.) Foto: Tel Aviv Universität

Eine neue Studie der Tel Aviv Universität (TAU) hat herausgefunden, dass die britische Variante des Coronavirus 45 Prozent ansteckender ist als der Wildtyp. Gleichsam belegen die namhaften Wissenschaftler, dass »eine relativ geringe Menge an Impfungen gegen das Coronavirus benötigt wird, um ein Land aus der Krise zu holen«.

IMPFERFOLG Jedes entwickelte Land könne das Virus unterdrücken, argumentieren die Professoren Ariel Munitz und Moti Gerlitz von der Abteilung für klinische Mikrobiologie an der medizinischen Fakultät in Zusammenarbeit mit Dan Yamin und dem Doktoranden Matan Yechezkel, die im Labor für Epidemie-Modelle und Analysen beschäftigt sind. Das habe Israel bewiesen, als es von einem Covid-19-Hotspot zu einem Impf-Erfolg wurde.

Im Dezember 2020 habe der Anteil der britischen Variante bei den positiven Tests fünf Prozent betragen, weiß Munitz. »Lediglich sechs Wochen später waren es bereits 90 Prozent, und heute handelt es sich bei 99,5 Prozent der Neuinfektionen um die britische Variante.« Und die sei etwa eineinhalbmal so ansteckend.

»Wenn die Hälfte aller Menschen über 60 Jahre eines Landes geimpft ist, können die Behörden mit einem dramatischen Sinken der Fälle rechnen.«

Forscherteam Tel Aviv Universität

Dennoch werde lediglich eine relativ geringe Anzahl an Impfungen benötigt, um eine dramatische Wende herbeizuführen, heben die Forscher in ihrer Arbeit hervor. In dem Moment, in dem die Hälfte aller Menschen über 60 Jahre eines Landes geimpft sei, können die Behörden mit einem dramatischen Sinken der Fälle rechnen. Die Krankenhäuser würden dann nicht mehr überfüllt sein.  

Die Forscher untersuchten dafür 300.000 PCR-Tests, die sie vom Covid-19-Testlabor erhielten, das unmittelbar nach dem Ausbruch des Coronavirus in Kooperation mit der Electra-Gruppe an der TAU eingerichtet worden war. Die Studie ist in dem renommierten Wissenschaftsjournal »Cell Reports Medicine« veröffentlicht worden.  

WENDEPUNKT Nachdem das Team die Ansteckungsrate der britischen Variante ermittelt hatte, ging es zur nächsten Phase der Forschung über. Hierbei teilten die Wissenschaftler die Ansteckungsraten in Altersgruppen auf. Die Ergebnisse zeigten, wann der Wendepunkt für die Menschen 60+ erreicht war: genau zwei Wochen, nachdem die Hälfte dieser Bevölkerungsgruppe die erste Spritze mit dem Impfstoff erhalten hatte.

»Im Januar sahen wir noch eine lineare Entwicklung von nahezu 100 Prozent zwischen den unterschiedlichen Altersgruppen bei neuen Fällen pro 1000 Menschen«, so Yamin. »Zwei Wochen, nachdem die 60+-Jährigen die erste Dosis erhalten hatten, brach diese Linie extrem ein.« Beim Rest der Bevölkerung indes habe es zur selben Zeit eine Steigerung bei den Neuinfektionen gegeben.

»Das Vakzin hat Hunderte von Leben gerettet – auch auf kurze Sicht betrachtet.«

Dan Yamin

»Um es vereinfacht zu sagen: Mehr als 90 Prozent aller Personen, die an Covid-19 gestorben sind, waren über 60 Jahre alt. Das Vakzin hat Hunderte von Leben gerettet – auch auf kurze Sicht betrachtet.« Außerdem habe gezieltes Testen in Epizentren wie beispielsweise Seniorenheimen dazu beigetragen, die Zahl der Fälle herunterzudrücken.

BEDINGUNGEN Durch die oft beengten Lebensverhältnisse in Israel, große Haushalte und die Alterszusammensetzung darin sei die Lage besonders schwierig gewesen, erläutert Yamin. Das Virus habe hierzulande bessere Bedingungen vorgefunden, um sich zu verbreiten, als in den meisten westlichen Ländern.

»Unsere Botschaft an die Welt ist die: ‚Wenn es sogar mit der problematischen Ausgangslage in Israel einen bedeutenden Rückgang bei den Fällen gab, kann das jedes entwickelte Land schaffen.‘ Trotz der hohen Ansteckungsrate der britischen Variante wird die Kurve dramatisch einbrechen – wenn die Hälfte der älteren Bevölkerung geimpft ist.«

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Tel Aviv

Deutschlands neuer Botschafter in Israel stellt sich auf Instagram vor

Alexander Graf Lambsdorff übernimmt die deutsche Vertretung in Israel. In einer Videobotschaft betont der frühere Moskau-Botschafter die enge Zusammenarbeit beider Nationen

 24.07.2026

Wissenschaft

Israelische Forscher entdecken einzigartiges Immunsystem bei Seeanemonen

Die beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse langfristig zum Schutz von Korallenriffen beitragen könnten

 24.07.2026

Jerusalem

Likud-Abgeordneter verärgert Netanjahu mit behauptetem Angriff auf Iran

Das Likud-Mitglied Moshe Saada sagte in einem Interview: »Jeder weiß, dass wir kurz vor einem Angriff auf den Iran stehen – vielleicht sogar schon an diesem Wochenende.«

 24.07.2026

Westjordanland

Drei Terrorangriffe binnen 24 Stunden: Ein Israeli getötet, mehrere verletzt

Bei einer Attacke nahe der Gilad Farm wird ein Israeli erschossen. Eines der Opfer eines anderen Terrorangriffs wird schwer verletzt und per Hubscgrauber in ein Krankenhaus gebracht

 24.07.2026

Meinung

Wenn der »Spiegel« mit der Hamas kuschelt

Die Hamas verkündet, einen Nachfolger für Yahya Sinwar gefunden zu haben. Für das große deutsche Nachrichtenmagazin Grund, eine Runde Sympathie und Mitgefühl zu spendieren

von Sophie Albers Ben Chamo  23.07.2026

Nachruf

»Haim Yavin. Hier enden unsere Sendungen«

Der israelische Protestkünstler Shoshke Engelmayer verabschiedet sich von einer TV-Legende seines Landes

 23.07.2026

Naher Osten

Trump: Atom-Deal nur bei saudischer Anerkennung Israels

Washington und Riad stehen kurz vor einem Atomabkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Doch jetzt hat Donald Trump eine neue Bedingung gestellt

 23.07.2026