Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat erklärt, dass die Regierung an Plänen zur Ausreise großer Teile der palästinensischen Bevölkerung aus dem Gazastreifen festhält. Das Vorhaben sei nach seinen Angaben nicht aufgegeben, sondern derzeit lediglich zurückgestellt. Sobald US-Präsident Donald Trump grünes Licht gebe, könne Israel die Umsetzung vorantreiben, sagte er israelischen Publikationen zufolge.
Katz sagte am Mittwoch bei einer Konferenz der israelischen Zeitung »Yedioth Ahronoth«, Israel sei darauf vorbereitet, Menschen aus Gaza »auf jedem möglichen Weg« ausreisen zu lassen.
Nach Darstellung des Verteidigungsministers wollen angeblich rund 80 Prozent der Bewohner des Gazastreifens das Gebiet verlassen. Katz berief sich dabei auf Umfragen, die Israel durchgeführt habe, nannte jedoch keine konkreten Untersuchungen oder Zahlen.
»Organisiert und bereit«
»Es gibt letztlich keine wirkliche Lösung für Gaza ohne diese Auswanderung«, sagte Katz. Die Hamas verhindere die Ausreise, während zugleich kein Land bereit sei, Menschen aus dem Gazastreifen aufzunehmen. Trump habe das Thema auf die internationale Tagesordnung gesetzt. Nun müsse jedes Land bereit sein, Menschen aufzunehmen, erklärte der Minister.
Sollten sich andere Staaten zur Aufnahme von Bewohnern Gazas bereit erklären, sei Israel vorbereitet. »Die Regierung ist organisiert und bereit, sie herauszubringen – auf dem Seeweg, auf dem Luftweg, auf jedem möglichen Weg«, sagte Katz.
Die Idee einer Umsiedlung der Bevölkerung des Gazastreifens war ursprünglich von Trump selbst öffentlich ins Spiel gebracht worden. Im Februar 2025 sprach er davon, die rund 2,3 Millionen Bewohner des Küstenstreifens an andere Orte zu verlegen und Gaza anschließend wirtschaftlich neu zu entwickeln. In Israel wurde daraufhin im Verteidigungsministerium eine eigene Abteilung eingerichtet, die eine »freiwillige Auswanderung« unterstützen sollte.
Erheblicher Widerstand
Der Vorschlag stieß international auf erheblichen Widerstand. Besonders Ägypten lehnte eine Aufnahme großer Teile der Bevölkerung ab. Auch von palästinensischer Seite wurde der Plan scharf zurückgewiesen. Später rückte Trump von der Idee ab. In seinem Gaza-Friedensplan vom Oktober 2025 war stattdessen davon die Rede, die Bewohner zum Bleiben zu ermutigen und ihnen bessere Lebensbedingungen in Gaza zu ermöglichen.
Katz zufolge ist die ursprüngliche Idee jedoch weiterhin Bestandteil der politischen Diskussion. Trump habe sie nicht gestrichen, sondern wegen des Drucks arabischer Staaten lediglich »eingefroren«. »Der Plan ist nicht abgesagt worden. Er wird ständig diskutiert, auch jetzt, und ich denke, es gibt keine andere Lösung zum Wohle aller«, sagte Katz.
Wann Israel den Plan tatsächlich umsetzen könnte, ließ der Minister offen. Er verwies auf die Vereinbarungen mit der Hamas im Rahmen des von den USA unterstützten Gaza-Plans. Sollte sich herausstellen, dass die Terrororganisation ihre Verpflichtungen nicht einhalte, könne sich die Lage ändern. Dann werde Israel grünes Licht erhalten, »militärisch, territorial und auch in anderen Bereichen« vorzugehen.
Kein Rückzug
Während Katz über eine mögliche Ausreise von Bewohnern Gazas sprach, machte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zugleich deutlich, dass Israel seine militärische Präsenz in Teilen des Gazastreifens nicht aufgeben will. Bei einem Besuch eines IDF-Stützpunkts nahe der sogenannten Gelben Linie erklärte er, Israel werde sich aus dem derzeit kontrollierten Gebiet nicht zurückziehen.
»Wir bleiben an dieser Linie«, sagte Netanjahu. Israel kontrolliere rund 60 Prozent des Gazastreifens. Zudem werde das Gebiet weiter ausgedehnt, während die Armee Terroristen bekämpfe, die Israel bedrohten.
Netanjahu bekräftigte damit seine bisherige Position, wonach ein vollständiger israelischer Rückzug erst nach einer vollständigen Entwaffnung der Hamas infrage kommt. Die Hamas hat sich grundsätzlich auf eine schrittweise Entwaffnung im Rahmen der internationalen Gespräche eingelassen, doch die Frage des Zeitpunkts eines israelischen Rückzugs gehört zu den größten Streitpunkten.
Weitere Aufgaben
Netanjahu sagte, Israel arbeite weiter daran, die Hamas zu entwaffnen und Gaza zu demilitarisieren. Das Gebiet solle künftig keine Bedrohung mehr für Israel darstellen. Ein großer Teil dieses Ziels sei bereits erreicht, erklärte der Ministerpräsident, zugleich gebe es noch weitere Aufgaben, die abgeschlossen werden müssten.
Der Besuch war Netanjahus erster Aufenthalt im Gazastreifen seit Beginn der Waffenruhe im Oktober 2025. Begleitet wurde er unter anderem von Generalstabschef Eyal Zamir und hochrangigen Kommandeuren der Südfront und der Gaza-Division. Die Militärführung informierte ihn über die laufenden Operationen und die Sicherung israelischer Truppen und Gemeinden.
Trotz der Waffenruhe kommt es im Gazastreifen weiterhin zu israelischen Militäroperationen. Die IDF erklärten, bei einem Angriff am Montag zwei Hamas-Mitglieder getötet zu haben. Unter ihnen sei ein Kommandeur der militärischen Sicherheitsabteilung des Hamas-Bataillons in Gaza-Stadt gewesen. Beide hätten nach Angaben der Armee an Angriffen auf israelische Soldaten und Zivilisten gearbeitet und versucht, die militärischen Fähigkeiten der Hamas wiederherzustellen. im