Tel Aviv

Nur jeder sechste Israeli fährt mit Bus oder Bahn zur Arbeit, andauernde Staus als Folge

Zähflüssiger Verkehr auf der Ayalon-Autobahn Foto: copyright (c) Flash90 2026

Israels Straßen werden voller, doch der öffentliche Nahverkehr kann von dieser Entwicklung kaum profitieren. Neue Zahlen des israelischen Zentralamts für Statistik zeigen, dass der Anteil der Beschäftigten, die für den Weg zur Arbeit öffentliche Verkehrsmittel nutzen, innerhalb eines Jahrzehnts deutlich gesunken ist. Gleichzeitig greifen laut einem Bericht von »Ynet« immer mehr Menschen auf das eigene Auto zurück.

Im Jahr 2025 nutzten lediglich 16 Prozent der Israelis ab 20 Jahren Busse, Bahnen oder andere öffentliche Verkehrsmittel für ihren Arbeitsweg. Rund zehn Jahre zuvor waren es noch 20 Prozent. Etwa 62 Prozent fuhren dagegen mit einem privaten oder gewerblich genutzten Fahrzeug zur Arbeit. Dieser Anteil stieg im selben Zeitraum von 58 auf 62 Prozent.

Das Ergebnis fällt besonders auf, weil Israel sein öffentliches Verkehrsnetz in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut hat. Neue Bahnstrecken und Stadtbahnprojekte wurden eröffnet oder erweitert. Gleichzeitig haben die Staus auf den Straßen vielerorts zugenommen.

Bus verliert an Bedeutung

Besonders stark ist der Rückgang im Jerusalemer Bezirk. Dort sank der Anteil der Pendler mit öffentlichen Verkehrsmitteln von 30 auf 23 Prozent. Im Zentralbezirk fiel er sogar von 19 auf 12 Prozent. Im Großraum Tel Aviv nutzen heute 22 Prozent der Beschäftigten Bus und Bahn für den Arbeitsweg, nach 26 Prozent vor etwa zehn Jahren. Im Haifa-Bezirk ging der Anteil von 21 auf 18 Prozent zurück. Im Norden liegt er inzwischen nur noch bei 8,1 Prozent.

Der Bus bleibt zwar das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel des Landes, verliert aber ebenfalls an Bedeutung. Im vergangenen Jahr saßen etwa 3,2 Millionen Israelis mindestens einmal in einem Bus. Das entspricht rund der Hälfte der Bevölkerung und liegt deutlich unter dem Wert von 57 Prozent vor einem Jahrzehnt. Auch bei jungen Erwachsenen ist die Nutzung zurückgegangen: In der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren sank sie von 80 auf 73 Prozent.

Noch deutlicher wird die Entwicklung bei den regelmäßigen Fahrten. Nur 15 Prozent der Israelis gaben an, täglich oder nahezu täglich mit dem Bus unterwegs zu sein. Vor zehn Jahren waren es noch etwa 19 Prozent.

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Die Zufriedenheit mit dem Busverkehr fällt allerdings regional sehr unterschiedlich aus. Landesweit bewerteten 52 Prozent der Befragten das Angebot positiv, während 31 Prozent unzufrieden waren. Besonders gute Werte erzielten dem »Ynet«-Bericht zufolge Haifa mit 66 Prozent, Jerusalem mit 65 Prozent, Bnei Brak mit 64 Prozent und Beerscheba mit 60 Prozent. In Tel Aviv-Jaffa lag die Zustimmung dagegen bei 51 Prozent, in Petach Tikwa bei 49 Prozent und in Aschdod bei 46 Prozent.

Ein wesentliches Problem ist die Taktung der Verbindungen zwischen verschiedenen Städten. Nur 31 Prozent der Befragten zeigten sich damit zufrieden. In Tel Aviv-Jaffa waren es 29 Prozent, in Petach Tikwa 30 Prozent. Besser schnitten Bnei Brak mit 50 Prozent und Jerusalem mit 38 Prozent ab.

Wer tatsächlich regelmäßig Bus fährt, beurteilt die Leistung allerdings positiver. 56 Prozent der Busnutzer erklärten, ihr Ziel innerhalb einer angemessenen Zeit erreichen zu können. In Beerscheba lag dieser Wert sogar bei 77 Prozent. Auch die Lage der Haltestellen wird überwiegend positiv bewertet: 82 Prozent der Busfahrgäste waren damit zufrieden, wie nah diese an ihrem Wohnort liegen. 71 Prozent lobten zudem Zustand, Sauberkeit und Klimatisierung der Fahrzeuge.

Besonders hohe Akzeptanz

Bei den Stadtbahnen zeigt sich ein auffälliger Unterschied zwischen Jerusalem und dem Großraum Tel Aviv. Von den Bewohnern von Städten mit einem Stadtbahnsystem sagten landesweit 43 Prozent, dass die Bahn ihren Bedürfnissen gerecht werde. 15 Prozent verneinten dies, während 42 Prozent das Angebot nicht nutzten oder keine Einschätzung abgaben.

In Jerusalem, wo die Stadtbahn bereits seit 2011 fährt, ist die Akzeptanz besonders hoch. Die Hälfte der Einwohner erklärte, das System entspreche ihren Bedürfnissen. Im Tel Aviver Stadtgebiet fiel die Bewertung dagegen deutlich schlechter aus: Nur 28 Prozent kamen zu diesem Urteil. 47 Prozent nutzen die Stadtbahn überhaupt nicht, weitere 21 Prozent halten sie für nicht ausreichend.

Die Daten stammen aus der Sozialerhebung 2025 des Zentralamts für Statistik. Für die Untersuchung wurden 6452 Menschen ab 20 Jahren befragt. Das Ergebnis zeigt: Obwohl Israel in den Ausbau von Bahn- und Stadtbahnsystemen investiert hat, steigt die Zahl der Autofahrer weiter. im

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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