Nachruf

Jom-Kippur-Veteran Simcha Applebaum gestorben

Simcha Applebaum Foto: Netzer Sereni Archive

Simcha Applebaum hat den Holocaust überlebt, kämpfte später für den Aufbau des Staates Israel und wurde als Offizier im Jom-Kippur-Krieg bekannt. Der Reservisten-Oberst und Mitbegründer des Kibbuz Netzer Sereni ist laut israelischen Medienberichten nun am Dienstag im Alter von 99 Jahren gestorben.

Applebaums Lebensweg verband die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden mit dem Aufbau Israels. Er gehörte zu jener Generation, deren Biografien die Geschichte des jüdischen Volkes im 20. Jahrhundert widerspiegeln: vom Überleben der nationalsozialistischen Vernichtung bis zum Einsatz für den jungen jüdischen Staat.

Geboren wurde Applebaum 1927 im Ort Malch im damaligen Bezirk Pruzhany, dem heutigen Belarus. Sein Vater Yaakov war ein engagierter Zionist und unterstützte junge Juden bei der Vorbereitung auf die Einwanderung nach Eretz Israel. Im November 1941 wurde die Familie – Simcha, seine Eltern und seine ältere Schwester Ella – in das Ghetto von Pruzhany deportiert.

Vom Ghetto nach Auschwitz

Im Mai 1942 schloss sich der junge Applebaum einer Gruppe jüdischer Jugendlicher an, die aus dem Ghetto floh und versuchte, Kontakt zu jüdischen Partisanen und sowjetischen Einheiten in den Wäldern aufzunehmen. Monate später kehrte er heimlich ins Ghetto zurück, um Lebensmittel und Kleidung zu beschaffen. Während dieser Aktion wurden mehrere seiner Begleiter von deutschen Soldaten getötet. Applebaum konnte entkommen.

Nach der Auflösung des Ghettos im Januar 1943 wurde er mit seiner Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Seine Eltern und seine Schwester wurden dort ermordet. Applebaum gab sich bei der Selektion als älter aus, um dem sicheren Tod zu entgehen, und wurde zur Zwangsarbeit eingeteilt. Die Häftlingsnummer 78524 wurde ihm auf den Arm tätowiert.

Er musste unter anderem schwere Ziegelsteine für den Bau von Krematorien und des sogenannten Zigeunerlagers transportieren. Später arbeitete er beim Bau von Bahngleisen und wurde dabei schwer misshandelt. Nach weiteren Verlegungen in verschiedene Lager, darunter ein von der SS betriebenes Munitionswerk, begann Anfang 1945 sein Leidensweg auf den Todesmärschen.

Gefasst und gefoltert

Während eines Transports in Richtung Westen sprang Applebaum in der Tschechoslowakei aus einem fahrenden Zug und konnte fliehen. Bauern halfen ihm mehrere Wochen lang, doch schließlich wurde er von der Gestapo gefasst, gefoltert und erneut in Lager gebracht. Im April 1945 musste er einen weiteren Todesmarsch antreten, bevor er am 3. Mai 1945 von US-Soldaten befreit wurde.

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Während des Krieges hatte sich Applebaum geschworen, nach Israel auszuwandern, eine Siedlung zum Gedenken an seine ermordete Familie aufzubauen und beim Schutz des zukünftigen jüdischen Staates mitzuwirken. Nach der Befreiung schloss er sich dem Buchenwald-Kibbuz in Deutschland an und wanderte im März 1946 mit dem Schiff Tel Hai nach Israel aus.

Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung trat er der Hagana bei und kämpfte nach Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges in den Brigaden Givati und Negev. Im Juni 1948 gründete er gemeinsam mit 16 weiteren Mitgliedern des Buchenwald-Kibbuz eine neue Siedlung nahe Be’er Ya’akov. Daraus entstand später der Kibbuz Netzer, heute bekannt als Netzer Sereni. Damit erfüllte er einen Teil seines Versprechens aus der Zeit des Holocaust.

Einsatz im Jom-Kippur-Krieg

Nach einem Offizierskurs wurde Applebaum Ende 1948 Zugführer in der Negev-Brigade. Später kehrte er in seinen Kibbuz zurück, übernahm dort Führungsaufgaben und engagierte sich auch in der israelischen Industrie. Gleichzeitig blieb er Teil der Reserve der israelischen Armee.

Eine der prägendsten Stationen seiner militärischen Laufbahn war der Jom-Kippur-Krieg 1973. Als stellvertretender Kommandeur der 188. Panzerbrigade spielte Applebaum eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der Einheit, nachdem sie in den ersten Kriegstagen schwere Verluste erlitten hatte. Später erreichte er den Rang eines Obersten der Reserve.

Vor jungen Soldaten sprach er damals über die Verbindung zwischen seiner eigenen Geschichte und seinem Einsatz für Israel. »Schaut, Jungs, ich bin nicht mehr so jung, und dies ist mein vierter Krieg in diesem Land. Der schlimmste war in Europa. Sie nahmen mir meine Eltern, meine ganze Familie, ohne dass wir uns verteidigen konnten, eine Hand heben oder einen Laut machen konnten. Ich habe sie seitdem nicht mehr gesehen. Wenn ihr fragt, was ein Mann meines Alters hier macht: Hier ist eure Antwort: Ich kämpfe! Ich kämpfe wie verrückt, damit das, was meiner Generation passiert ist, nicht eurer Generation und euren Kindern passiert«, sagte Applebaum laut »The Jerusalem Post«.

Siedlungen und Kibbuzim

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst setzte er sich für die Erinnerung an den Holocaust ein. Über Jahrzehnte begleitete er Jugendgruppen nach Polen und berichtete in Schulen und bei IDF-Einheiten über seine Erfahrungen. Er hinterlässt seine Ehefrau Naomi, drei Kinder und neun Enkelkinder, die laut Bericht sämtlich in Kampfeinheiten der israelischen Armee dienten oder gedient haben.

Lior Simcha, Generalsekretär der Kibbuz-Bewegung, würdigte Applebaum als außergewöhnliche Persönlichkeit. »Simcha war ein Anführer im wahrsten Sinne des Wortes«, sagte er. »Er gehörte zu den Gründern des Staates, der Siedlungen und des Kibbuzlebens.« im

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