Der amerikanische Verleger Donald Newhouse, langjähriger Chef des Medienkonzerns Advance Publications und früherer Vorsitzender des Verwaltungsrats der Nachrichtenagentur AP, ist tot. Wie seine Familie mitteilte, starb Newhouse im Alter von 96 Jahren in seinem Haus im US-Bundesstaat New Jersey.
Newhouse galt über Jahrzehnte als einer der einflussreichsten Medienmanager der Vereinigten Staaten, obwohl er selbst selten das Rampenlicht suchte. Unter seiner Führung entwickelte sich Advance Publications mit dutzenden Regionalzeitungen und Beteiligungen an großen Medienunternehmen zu einem der bedeutendsten familiengeführten Medienkonzerne des Landes.
Zum Firmenimperium gehören unter anderem Condé Nast mit Magazinen wie »Vogue«, »Vanity Fair« und »The New Yorker« sowie Beteiligungen an Charter Communications und Warner Bros. Discovery.
Energie und Humor
Die Chefredakteurin von »Vogue«, Anna Wintour, würdigte ihn als außergewöhnliche Persönlichkeit. »Man genoss seine Gesellschaft. Er gab einem Energie und Humor, wenn man zweifelte oder sich schwach fühlte«, erklärte sie laut einer von der Familie veröffentlichten Mitteilung. Zugleich habe er sich nie unangemessen in redaktionelle Entscheidungen eingemischt. »Wenn man ihn um Rat bat, gab er stets kluge und ausgewogene Empfehlungen.«
Auch frühere Weggefährten beschrieben Newhouse als zurückhaltenden, aber äußerst einflussreichen Manager. Der ehemalige AP-Chef Louis Boccardi sagte: »Seine Stimme war nie die lauteste im Raum, aber oft die weiseste.« Weiter erklärte er: »Das Wort ›warmherzig‹ wird selten mit einem Industriemagnaten verbunden, aber auf ihn traf es zu.«
Geboren wurde Donald Edward Newhouse 1929 in New York als Sohn des Medienunternehmers Samuel Irving Newhouse Sr., der den Grundstein für das Familienunternehmen gelegt hatte. Donald Newhouse studierte an der Syracuse University, verließ die Hochschule jedoch ohne Abschluss, um direkt in das Zeitungsgeschäft einzusteigen.
Kostspieliger Qualitätsjournalismus
Fast ein halbes Jahrhundert lang leitete er die Zeitungssparte von Advance Publications. Dabei setzte er auf weitgehende Unabhängigkeit der einzelnen Redaktionen. 1993 erklärte er: »Jede unserer Zeitungen arbeitet unabhängig, mit starken Verlegern, die die Richtlinien für ihre Organisationen festlegen und die Verantwortung für deren Umsetzung tragen.«
Innerhalb der Branche galt Newhouse als Verfechter eines kostspieligen Qualitätsjournalismus. Ehemalige Chefredakteure berichteten, er habe erhebliche Mittel bereitgestellt, damit seine Zeitungen exklusive Recherchen und investigative Geschichten veröffentlichen konnten. Mehrere Blätter des Konzerns erhielten in dieser Zeit Pulitzer-Preise.
Gleichzeitig musste der Konzern in den vergangenen Jahrzehnten auf die Krise der Printmedien reagieren. Advance Publications stellte bei mehreren Zeitungen die tägliche Druckausgabe ein und strich zahlreiche Stellen. Kritiker warfen Newhouse vor, die Herausforderungen des Internets zu spät erkannt zu haben. Sein Sohn Steven trieb später den digitalen Umbau des Unternehmens voran.
Demenz-Forschung unterstützt
Newhouse engagierte sich philanthropisch. 2020 spendete er 75 Millionen Dollar an die Syracuse University. Gemeinsam mit seiner 2015 verstorbenen Ehefrau Susan unterstützte er außerdem die Forschung zu frontotemporaler Demenz mit einer Großspende in Höhe von 20 Millionen Dollar.
Nach Angaben des US-Magazins »Forbes« wurde sein Vermögen zuletzt auf rund elf Milliarden Dollar geschätzt. Donald Newhouse hinterlässt drei Kinder und mehrere Enkelkinder. im