Tel Aviv

Immer weniger Israelis kehren aus dem Ausland zurück

Neue jüdische Einwanderer aus Frankreich Anfang August am Ben-Gurion-Flughafen bei Lod Foto: copyright (c) Flash90 2026

Die Zahl der Israelis, die nach längeren Aufenthalten im Ausland in ihr Heimatland zurückkehren, ist in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Das geht aus einem neuen Bericht des Forschungs- und Informationszentrums der Knesset hervor. Demnach fiel die Zahl der Rückkehrer zwischen 2020 und 2024 von rund 8000 auf nur noch etwa 3800.

Damit hat sich die Rückkehrmigration innerhalb von vier Jahren um rund 53 Prozent verringert. Der Rückgang fällt laut einem Bericht von »Ynet« in eine Zeit, in der zugleich immer mehr Israelis das Land verlassen. Nach Angaben des Berichts trug die Entwicklung dazu bei, dass Israel zwischen 2022 und 2024 insgesamt eine negative Einwanderungsbilanz von etwa 140.000 Menschen verzeichnete.

Langfristig ist der Trend ebenfalls deutlich. Zwischen 2008 und 2012 kamen jährlich durchschnittlich etwa 9300 Israelis zurück. In den Jahren 2013 bis 2020 waren es noch rund 7400 pro Jahr. Nach 2020 beschleunigte sich der Rückgang, wobei 2023 den stärksten Einbruch verzeichnete. 2024 wurde schließlich der niedrigste Wert der vergangenen Jahre erreicht.

Bürokratische Hürden

Der Knesset-Bericht nennt mehrere Gründe für die Zurückhaltung. Dazu gehören Schwierigkeiten beim Zugang zur staatlichen Krankenversicherung, Probleme auf dem Arbeitsmarkt sowie eine aus Sicht der Betroffenen ungünstigere Behandlung gegenüber neuen Einwanderern.

Während Neueinwanderer in verschiedenen Bereichen finanzielle und andere staatliche Unterstützung erhalten können, stehen zurückkehrenden Israelis weniger Leistungen zu. Das betrifft unter anderem finanzielle Hilfen, Steuervergünstigungen und Unterstützung bei der Hochschulbildung. Bei der Wohnungsförderung gehen Rückkehrer laut Bericht sogar vollständig leer aus.

Besonders problematisch kann die Krankenversicherung sein. Wer längere Zeit außerhalb Israels gelebt und keine Beiträge zur staatlichen Sozialversicherung mehr entrichtet hat, muss unter Umständen bis zu sechs Monate warten, bevor der reguläre Versicherungsschutz wieder greift.

Überwiegende Mehrheit

Vermeiden lässt sich diese Wartezeit durch die Zahlung einer Sondergebühr von 16.860 Schekel (4920 Euro). Doch die überwiegende Mehrheit der Betroffenen nimmt diese Möglichkeit nicht in Anspruch. Laut dem Bericht zahlten zwischen 2022 und 2024 rund 94 Prozent der Israelis, denen eine solche Wartezeit auferlegt wurde, die Gebühr nicht. Sie mussten stattdessen zwei bis sechs Monate ohne staatlichen Krankenversicherungsschutz auskommen.

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Auch die berufliche Wiedereingliederung kann schwierig sein. Rückkehrer berichten demnach über Probleme, in Israel eine ihrer Qualifikation entsprechende Stelle mit angemessener Bezahlung zu finden.

Noch komplizierter wird die Situation für Israelis, die mit einem ausländischen Ehepartner zurückkehren. Die Regelung des Aufenthalts- und Rechtsstatus des Partners kann nach Angaben des Berichts fünf bis sieben Jahre dauern.

Zusätzliche Probleme

Für Familien kommt eine weitere Herausforderung hinzu. Kinder, die längere Zeit außerhalb Israels aufgewachsen sind, beherrschen häufig die hebräische Sprache nicht ausreichend. Lesen und Schreiben können deshalb beim Einstieg in das israelische Schulsystem erhebliche Schwierigkeiten bereiten.

Die Unterstützungsmöglichkeiten der Schulen für diese Kinder seien jedoch begrenzt, heißt es in dem Knesset-Bericht. Damit müssen Familien neben dem beruflichen und bürokratischen Neustart auch die schulische Integration ihrer Kinder bewältigen.

Nordamerika bleibt traditionell die wichtigste Herkunftsregion der Rückkehrer. Rund die Hälfte aller Israelis, die zwischen 2005 und 2024 zurückkehrten, kam aus den USA und Kanada. Weitere 13 Prozent kamen aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Aus Russland und der Ukraine stammten etwa sechs Prozent.

Ausnahme 2022

Auch aus den USA ist die Zahl allerdings stark gesunken. Während 2020 noch rund 3.700 Israelis aus den Vereinigten Staaten zurückkehrten, waren es 2024 lediglich etwa 1.500.

Eine Ausnahme gab es 2022 bei Rückkehrern aus Russland und der Ukraine. In diesem Jahr kamen neun Prozent aller Rückkehrer aus der Ukraine und acht Prozent aus Russland. Als möglichen Grund nennt der Bericht den Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine.

Der Bericht wurde auf Initiative des Knesset-Abgeordneten Gilad Kariv erstellt, der dem Ausschuss für Einwanderung, Integration und Diasporaangelegenheiten vorsteht. Kariv wirft der Regierung vor, die Rückkehr von Israelis aus dem Ausland nicht zu einer politischen Priorität gemacht zu haben. »Eine Regierung, die Israelis nach Hause holen will, hätte dieses Thema auf ihre Tagesordnung setzen müssen«, sagte Kariv gegenüber »Ynet«.

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